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Mein Mann ist mit dem Trainer vom Sohn aneinandergeraten.

Immer diese harmonischen Sportanlässe, es ist nicht auszuhalten!
Immer diese harmonischen Sportanlässe, es ist nicht auszuhalten!kafi freitag
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Liebe Kafi, mein Mann ist sehr impulsiv. Heute ist er mit dem Trainer unseres Sohnes aneinandergeraten. 

Das an sich wäre m.E. nicht so schlimm, wenn nicht plötzlich Frau und Schwester des Trainers dagestanden wären und lauthals rumgeschrien hätten. Mir war die Sache so unendlich peinlich und ich versuchte zu klären. Jetzt schäme ich mich – für meinen Mann und die Frauen – und habe keine Lust mehr meinen Sohn zum Training zu begleiten ... Wie kann ich dieses Gefühl loswerden? Fiona, 35
19.10.2016, 17:5220.10.2016, 14:11

Liebe Fiona

Als ich Ihre Frage gelesen habe, kam grosse Freude in mir auf. Mein Herz, es erwärmte sich schnell, und meine Augen, sie wurden vor Begeisterung glasig. Ach, wie schön, so eine kleine Szene zwischen zwei Divas am Spielfeldrand, ach!

Wie Sie vielleicht wissen, klettert mein Sohn im Zürcher Kader und diese Tatsache führt mich in wundersamer Regelmässigkeit in die Kletterhallen der Schweiz und im angrenzenden Ausland. Da steht man dann den ganzen Tag und schaut seinem Liebling im besten Falle drei Mal 6 Minuten zu, im weniger guten nur zwei Mal. Man «fänt» für sein eigenes Kind und wenn das durch ist, dann «fänt» man für alle anderen. Alle freuen sich für den Erfolg von allen und allen tut es weh, wenn ein Kind zu früh in der Wand stürzt. Es ist eine friedliche Harmonie, kaum auszuhalten!
Am Anfang habe ich ja noch probiert, etwas Unmut zu säen, indem ich «hopp hopp» rief, anstatt das im Klettern gebräuchliche «allez». Aber auch das hat man mir nach anfänglichem Kopfschütteln durchgehen lassen und inzwischen habe auch ich mich in die Schlange der Allezrufer eingereiht, mir ist das Ausscheren irgendwann von selber verleidet. Ich habe mit dem Gedanken gespielt, das Magnesiumsäckli der Favoriten zu verstecken oder die Kletterfinkli der Kleinen etwas anzufeuchten, aber irgendwie macht das in diesem fairen Umfeld einfach keinen Spass, gopf!

Da lobe ich mir doch das Gerangel am Spielrand eines Fussballmatchs! Nichts Schöneres, als wenn sich selbst überschätzende Eltern mit dem Trainer anlegen, weil sie das Gefühl haben, viel besser zu wissen, wie es laufen müsste, als es diese Lusche von einem Trainer tut, das elende Arschloch! Es gibt kaum etwas, was mich mehr in Wallung bringt als überambitionierte Eltern. Sie sehen selber, wie mich schon die Vorstellung in Fahrt bringt, ich werde, wenn ich so weitermache, früher oder später bitzli feucht, gopf!

Sie nicht, liebe Fiona? Sie schämen sich für Ihren Mann und die Frauen? Wüki? Das kann ich nun fast nicht nachvollziehen. Zumal nicht, warum Sie sich für die Frauen schämen sollten. Ich persönlich finde, es würde vollkommen ausreichen, wenn Sie sich für Ihren lieben Gatten schämen würden. Denn es gibt in der Tat nichts Peinlicheres, als wenn überehrgeizige, übermotivierte und sichtbar überhebliche Eltern sich in den Spielverlauf einmischen und dem Trainer zu sagen versuchen, wie er seinen Job machen soll. Da frage ich mich dann immer, warum diese talentierten und weitsichtigen Menschen nicht selber ein Team übernehmen und trainieren? Warum diese Aufgabe einem offensichtlichen Versager überlassen, wenn man es selber besser kann?

Was Sie nun mit dieser Antwort anstellen sollen? Keine Ahnung, liebe Fiona. Sie haben sich anscheinend einen Superstar geangelt und mit ihm ein Kind gezeugt. Jetzt müssen Sie halt schauen, wie Sie mit seinen Starallüren umgehen. Im Prinzip können Sie es sich schenken, sich für ihn zu schämen. Jeder Mensch hat Macken, das habe ich bereits an anderer Stelle gesagt und ich bleibe dabei. Diese ist beschämend, aber halt auch wahnsinnig menschlich und darüber hinaus finde ich sie unglaublich unterhaltsam! Wenn Sie das nicht ganz so sehen können, dann würde ich mich an Ihrer Stelle vom Spielfeld fernhalten oder nur noch getrennt hingehen, bis sich der Gute adäquat benehmen kann. Und falls er es gar nicht lernen will, ist es auch nicht so tragisch. Ich glaube nicht, dass man den Preis der Mutter des Jahres nur über die Anwesenheit an Sportanlässen holen kann.

Herzlich. Ihre Kafi

FragFrauFreitag

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.

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