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Hinter dem Horizont geht's weiter.  kafi freitag

FragFrauFreitag

Kafi, wieso geht man mit dem Thema Tod und Trauer so grausam um?

Liebe Kafi, es geht um folgende Situation: Unser Atelierkolleg hat seinen Vater an Krebs verloren. Ich war der Meinung, dass wir für ihn etwas machen sollten, oder wenigstens eine Beileidskarte schreiben, das würde ich als gemeinschaftliche Geste wichtig finden. Ein Auszug aus den Antworten meiner Kollegen: „Es soll doch jeder selber schauen“, „Ich denke, dass er in Ruhe gelassen werden möchte“, usw. Die Frage ist, wieso geht man hierzulande mit dem Thema Tod und Trauer so grausam um? Herzlich. Sandra, 39



Liebe Sandra

Was Sie gerade erleben, ist weit verbreitet. Leider. Ich habe schon ein paar ähnliche Fragen erhalten und beantwortet.

Gerade vorgestern stand ich vor einem Gestell mit Trauerkarten und da fiel mir etwas ins Auge. Auf ganz vielen Karten steht aufgedruckt «in stiller Trauer». Und genau dort liegt der Hund begraben. Man hat gefälligst still zu trauern. Und möglichst unauffällig. Der Tod und die Gefühle, die er auslöst, haben in unserer Gesellschaft wenig Platz. Wenn in einem Krankenhaus jemand stirbt, wird der Leichnam sofort ins Untergeschoss verfrachtet. Und so soll es auch sonst passieren; möglichst schnell und schmerzlos. So als wäre der Verlust eines geliebten Menschen jemals schmerzlos, nur weil man nicht darüber spricht!

In anderen Kulturen wird tagelang getrauert und laut gejammert. Der Schmerz hat Platz, der Kummer wird ausgelebt. Hier ignoriert man den Tod, indem man die Trauernden ignoriert. So passiert es dieser Tage auch bei Ihnen. Die Hilflosigkeit von uns Menschen lässt uns lieber nichts unternehmen, als unter Umständen etwas Falsches. Das Sterben ist dermassen tabuisiert, dass man damit nichts zu tun haben möchte, solange man nicht muss. Oft passiert das noch nicht einmal aus bösem Willen sondern schlicht und einfach aus Hilflosigkeit und totaler Überforderung. Man hat Angst, dass man es noch schlimmer macht, nur weil man drüber redet. Aber ich habe schon in einer anderen Antwort geschrieben, dass die Angehörigen eh jeden Tag an den verstorbenen Menschen denken und man daher nicht Gefahr läuft, eine verheilte Wunde aufzureissen. Die Wunde, die ein Tod hinterlässt, wächst eh niemals ganz zu. Es ist darum eine Art gesunder Wundpflege, wenn man nachfragt und den trauernden Menschen über den Verlust sprechen lässt. Niemand will in dieser Situation in Ruhe gelassen werden. Das Einzige, was man aber mit Sicherheit nicht hören möchte, ist, dass man sicher bald darüber hinwegkommt. Und Geschichten vom eingeschläferten Nachbarshund möchte man auch nicht anhören. Und nein, das ist kein erfundenes Beispiel. Es ist eine Story, die eine Frau erlebte, die gerade ein Kind verloren hatte.

Wenn wir mit offenem Herzen und ehrlichem Mitgefühl auf einen Menschen in Trauer zugehen, dann machen wir automatisch alles richtig. Wenn wir aufhören, diese Gefühle einander entgegenzubringen, dann wäre es vielleicht doch besser, Trump würde den Knopf demnächst mal austesten. Denn dann hat unsere Menschlichkeit eh verloren. Und in einer Welt ohne Menschlichkeit will ich nicht leben.

Bitte schreiben Sie die Karte. Jetzt.

Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi

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Kafi Freitag (41!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 12-jährigen Sohn in Zürich.

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