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Ludmila Balkanovic

Gestatten, mein Name ist Balkanovic!

Nachrichten aus dem Leben zwischen Schweizer Bünzli- und Jugotum. 



Etwas vom Besten in meiner Kindheit waren die Mittagspausen. Während die meisten meiner Schulgspänli nach Hause rennen mussten, weil ihre Mamis mit einem gesunden Zmittagessen auf sie warteten, nahmen es meine grosse Schwester und ich easy. Zu 99 Prozent waren wir sowieso allein daheim. Weil unsere Eltern zu 100 Prozent arbeitstätig waren.

Ludmila Balkanovic

Unsere neue Kolumnistin Ludmila wuchs zwischen Mani Matter, Kettenrauchern, harten Schweizer Schulregeln und einer «Fuck the System»-Kultur auf. Hier erzählt die Mittdreissigerin aus ihrem Leben zwischen Schweizer Bünzli- und dem Jugotum.

Damals schufteten sich die Einwanderer bekanntlich noch mega einen ab, um das fette Haus, das in der Heimat im Balkan steht, aus dem Nichts in schwindelerregende Höhen zu erbauen. Inklusive goldenen Toren, Hi-Tech-Überwachungskameras, riesigen Terrassen und, bei den ganz Verwegenen, einem Pool. Oder, bei den weniger Verwegenen, einem Springbrunnen. Und, bei allen, mit einem prominenten Parkplatz, auf dem dann der BMW oder Mercedes mit Schweizer Nummernschild während der fünf Wochen Sommerferien stand und den Neid der Nachbarn auf sich zog.

Item.

Jedenfalls war es an der Tagesordnung, dass meine Schwester und ich das vorgekochte Essen von Mama in der Mikrowelle aufwärmten und vor dem Fernseher assen, während wir uns zu «Eine schrecklich nette Familie» halb tot lachten. Unsere Schweizer Freunde erstarrten regelmässig vor Ehrfurcht. Durften sie vielleicht zwei Mal die Woche eine halbe Stunde TV gucken, lief der Fernseher bei uns immer.

Der versohlte Po

Ab meinem 14. Lebensjahr hatte ich sogar ein eigenes TV-Gerät in meinem Kinderzimmer. Was dazu führte, dass sich manche Herr und Frau Müllers, Meiers und Hugentoblers eher nicht mehr so wünschten, dass ihre Töchter Nicole, Fabienne, Cornelia, Sandra und wie sie alle hiessen, bei mir nächtigten. Für unsere Eltern unverständlich, für meine Schwester und mich sowieso.

So sehr es meine Eltern mit dem Fernsehen easy nahmen, so wenig Spass verstanden sie, wenn sich meine Lehrer über mich beschwerten. Was, wenn ich ehrlich bin, jeder tat. Was, wenn ich noch einmal ehrlich bin, im Nachhinein sehr verständlich ist. Weil ich den Unterricht störte, laut war, chaotisch, fordernd. Für meine Eltern aber noch lange kein Grund, dem Lehrer zuzustimmen.

Kleine Info übrigens für die Lehrer von anno dazumal, die unisono behaupteten, aus mir werde nie was: Falsch.

Geht's um Kritik an der Familie, ist beim Balkaner / der Balkanerin fertig lustig. So erinnere ich mich gut an das Bild meiner ins Telefon schreienden Mutter, die den Lehrern die Hölle heiss machte. Praktisch, mag man denken. Ist es aber nur so halb. Kam sie nämlich einmal in Fahrt, ging das Geschrei erst richtig los. Dann jagte sie mich mit ihrem blau-roten Zoccoli durch die Wohnung, um mir den Po zu versohlen.

Das war weder schlimm noch traumatisch (also easy, liebe Pädagogen und Pädagoginnen). Mein Füdli war dank des nie abgelegten Babyspecks gut gepolstert, Mama so schnell wieder beruhigt wie aufgebracht und ich glücklich, zufrieden und pünktlich zu «Der Preis ist heiss» mit Harry Wijnvoord zurück vor dem TV. Die Gameshow war damals DER heisse Shit. 

Kleine Info übrigens für die Lehrer von anno dazumal, die unisono behaupteten, aus mir werde nie was: Falsch. Mit meiner ausgeprägten TV- und Promi-Faszination bin ich Unterhaltungsjournalistin/Kolumnistin geworden. In your face also. Oder wie wir Jugos sagen: Evo vam šipak.

Eure Ludmila!

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