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Wenn Leichen lächeln: Willkommen bei der Bioresonanz

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Wenn Leichen lächeln und Leberkäse leben – willkommen bei der Bioresonanz

12.09.2020, 08:00
Hugo Stamm
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«Der Leberkäse-Test ist der kürzeste und präziseste Beweis, dass Bioresonanz-Geräte Betrug sind», sagt der deutsche Kinder- und Allergiearzt Walter Dorsch. (Der bayerische Leberkäse ist vergleichbar mit unserem Fleischkäse.) Für den Arzt ist der Leberkäse in diesem Zusammenhang symbolträchtig: «Leberkäse enthält weder Käse und Leber – er ist eigentlich ein Etikettenschwindel, genau wie die Bioresonanz», sagt er.

Fleischkäse Leberkäse
Quicklebendig – laut Bioresonanz: ein Leberkäse-Sandwich.Bild: shutterstock.com

Walter Dorsch versucht zusammen mit anderen Allergologen seit vielen Jahren, Öffentlichkeit, Politiker und Krankenkassen darüber aufzuklären, dass sich Bioresonanz weder für eine Diagnose noch für eine Therapie eignet, wie der Tages-Anzeiger kürzlich berichtete. Die deutschen Ärzte engagieren sich, weil sie die fatalen Folgen der umstrittenen Methode in ihren Praxen erlebt haben.

So behaupteten ihre Patienten, sie würden unter Allergien oder anderen schweren Krankheiten leiden, wie ein Test mit dem Bioresonanzgerät gezeigt habe. Medizinische Abklärungen zeigten dann aber oft, dass sie kerngesund waren. Gegen einen solchen Missbrauch wehren sich Walter Dorsch und seine Kollegen in einer umfangreichen Studie.

Wie funktionieren die angeblichen Wundergeräte?

«Die Bioresonanz ist eine sehr sanfte Methode, bei der Schwingungen individuell therapeutisch genutzt werden. Es wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch ein eigenes Schwingungsfeld besitzt. Störungen darin können zu Erkrankungen führen. Diese Störschwingungen werden durch Elektroden in das Bioresonanzgerät geleitet, wo sie durch den Therapeuten umgewandelt und wieder in den Körper zurückgeführt werden, wo sie auf die Zellen, besonders die des Immunsystems, einwirken. Dies soll auch die körpereigenen Regulationskräfte aktivieren.»

So beschreibt es die Firma phytodoc.de, die Bioresonanz anbietet.

Parallelen zum Hubbard-Elektrometer

Konkret: Der Patient oder die Patientin halten zwei Metallstäbe an den Händen (manche Geräte benutzen Elektroden), an die das Messgerät angeschlossen sind. Dieses Gerät erinnert in fataler Weise an den Hubbard-Elektrometer der Scientology-Sekte, die ihn als eine Art Lügendetektor benutzt.

Das Bioresonanz-Gerät soll Skalarwellen aus dem Körper empfangen und diese störenden Wellen in positive umwandeln. Danach werden diese wieder in den Körper geleitet, wo sie heilend wirken sollen. So erklären es zahlreiche Hersteller und Verkäufer der Geräte. Nur: Skalarwellen sind eine Erfindung der Entwickler.

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Kurz zusammengefasst bedeutet Bioresonanz: Die angeblich krankmachenden Wellen werden gereinigt. Danach finden sie auf mysteriösem Weg zurück zum betroffenen Organ und heilen es. Anzumerken ist, dass es verschiedene Bioresonanz-Geräte gibt, entsprechend unterschiedlich sind zum Teil die Erklärungsmuster der angeblichen Wirkungsweise.

Menschen und ein feuchter Lappen

An den Versuchen von Walter Dorsch und seinen Kollegen haben gesunde und schwerkranke Menschen, eine Leiche, der besagte Leberkäse und ein feuchter Lappen teilgenommen. Dabei versagten die Geräte auf der ganzen Linie.

Sie erkannten keine Krankheit bei den schwerkranken Patienten. Ausserdem bescheinigten sie der Leiche, gesund und munter zu sein – abgesehen von ein paar Mangelerscheinungen und Belastungen. Dem Leberkäse attestierte das Gerät ein gutes Gedächtnis und auch der Putzlumpen erfreute sich einer bemerkenswerten Vitalität.

Dass die teuren Bioresonanz-Geräte bei Naturheilpraktikern, Geistheilern, Scharlatanen und Quaksalbern beliebt sind, erstaunt kaum, zumal die Handhabung leicht erlernbar ist. Dass aber auch viele Ärzte damit ihre Patienten diagnostizieren und therapieren, ist ein handfester Skandal.

Etliche von ihnen wissen oder ahnen, dass das Gerät nichts kann und nichts weiss, doch das hindert sie nicht, es bei ihren Patientinnen und Patienten anzuwenden. Ihre Argumente: Viele Patienten wünschten eine Behandlung mit dem Gerät. Würden sie diese nicht anbieten, würden sie den Arzt wechseln.

Therapien wegen des lieben Geldes

Somit täuschen sie die Patienten aus monetären Gründen. Wie sie dies mit ihrem ärztlichen Gewissen vereinbaren können, bleibt ihr Geheimnis.

Ähnliche Vorwürfe muss man an die Krankenkassen richten, die «Diagnosen» und «Therapien» anstandslos zahlen. Und zwar nicht nur den Ärzten, sondern auch den Heilern, die im Erfahrungsmedizinischen Register EMR aufgeführt sind.

Zu allem Überfluss verletzt der Einsatz der Geräte das Gesundheitsgesetz. Dieses schreibt vor, dass Behandlungen wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sein müssen.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten unter anderem, weil sie keine Kunden verlieren wollen. Sie reden sich mit dem Argument heraus, dass solche Leistungen nur einen kleinen Teil der Gesundheitskosten ausmachen würden. Das muss bezweifelt werden, denn alternativmedizinische Behandlungen boomen enorm und sind oft teurer als ein Arztbesuch. Ausserdem: Warum zahlen die Patienten die Behandlungen nicht selbst, wenn sie doch so günstig sein sollen?

Kurz: Viele Player im Gesundheitswesen wursteln auf Kosten der Patienten aus finanziellen Gründen vor sich hin.

Ähnlich verhält es sich bei der Homöopathie, die ebenfalls die Wirksamkeit der Globuli nicht nachweisen kann. Nur kann man den Homöopathen nicht mit einem Leberkäse oder feuchten Putzlumpen auf die Schliche kommen.

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Hugo Stamm; Religionsblogger
Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
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136 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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N. Y. P.
12.09.2020 08:26registriert August 2018
Ausserdem bescheinigten das Bioresonanzgerät der Leiche, gesund und munter zu sein – abgesehen von ein paar Mangelerscheinungen und Belastungen.

Die Leiche soll sich jetzt nicht so blöd anstellen, ein Alcacyl 500 einwerfen und weiter gehts.

Nein, ist eigentlich nicht mehr lustig. Das Gesundheitswesen ist schwer krank, da hat Hugo Stamm recht. Für nächstes Jahr werden wieder 3,3% Prämienanstieg erwartet. Abermals.

Aber die Politik schaut ganz fest, dass es nicht so weitergeht. Sie haben es ganz toll im Griff, sagen sie. Wir sind also in guten Händen.
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Else Schrödingers Schwarzes Schlafschaf
12.09.2020 08:50registriert Mai 2020
Es ist wirklich ein Unding, dass das BAG dem ganzen betrügerischem Unfug keinen Riegel schiebt und damit in Kauf nimmt, dass Menschen im besten Fall nur betrogen und im schlimmsten Fall wirklich geschädigt werden! Es wird Zeit, dass ganz transparent und deutlich deklariert werden muss ob etwas evident ist oder nicht! Homöopathika dürfen meinetwegen bleiben, im Supermarkt und nicht als Arzneimittel! Ich bekomme die Wut, wenn ich in der Apotheke erlebe wie dem Kunden wirkungsloser Zucker angedreht wird und muss mich zusamnenreissen mich nicht in die Beratung einzumischen.
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achsoooooo
12.09.2020 12:00registriert Januar 2015
Ich habe aus persönlichem Interesse der Bioresonanz mal eine Chance gegeben und diese getestet. Allergien, die ich nachweislich hatte (Bluttests), hat es mir nicht diagnostiziert. Dafür hätte ich x Sachen nicht mehr essen sollen, die ich alle gut vertrage.
Ausserdem meinte die Dame, meine Schilddrüse wäre in ausgezeichnetem Zustand und intakt. Dabei wurde mir die eine Hälfte entfernt, und ich war gerade in einer Unterfunktion.
Machte auf mich also schon einen sehr unseriösen Eindruck.
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Darf ich den Baum des Nachbars zurückschneiden?
«My home is my castle, my garden is my paradise». In den helvetischen Gärten Eden setzt das Nachbarrecht der Gestaltungsfreiheit jedoch die eine oder andere Grenze.

Während sich in Australien 3.4 Personen einen Quadratkilometer teilen, leben in der Schweiz etwa 212 Personen auf derselben Fläche. Das ist eng und bereits ein Ast, der vom nachbarlichen in den eigenen Garten ragt, kann zu viel des Guten sein. So dürfen denn die Kantone auch Vorschriften erlassen, wie nah an deinem Grundstück der Nachbar Büsche und Bäume pflanzen darf.

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