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Yonnihof

Innerer Dialog – Heute: Katzen-Edition

Innerer Dialog – Heute: Katzen-Edition

Bild: shutterstock
02.05.2019, 10:1603.05.2019, 06:19
Yonnihof

--- Prolog ---

Die Gottheit (welche auch immer): Yo Engel, mir ist grad etwas sadistisch zumute.

Engel (verdreht Augen): Das ist ja mal was ganz Neues.

Gottheit: Lass uns was richtig Fieses machen heute.

Engel: Okay. Was denn?

Gottheit: Hm. Was ist das Allerschönste, was man bisher anfassen kann?

Engel: Böh? Ein Widechätzli vielleicht? Babywimperli? Einhornschamhaar?

Gottheit: Hm. Das geht noch feiner. Lass uns das Allerplüschigste kreieren, was es je gegeben hat, so flauschig, dass die Menschen komplett durchdrehen, wenn sie’s streicheln. Und dann machen wir’s an den Bauch eines Tiers.

Engel: Okey-Dokey. Und was genau ist jetzt daran sadistisch?

Gottheit: Wir machen ans gleiche Modell so richtig fiese Krallen dran und geben ihm gleichzeitig die Impulskontrolle eines Hais auf Speed. Im Blutspendezentrum. Hast du den Bauplan von «Edward mit den Scherenhänden» noch?

Engel: Tim Burton hat aber das Patent da drauf.

Gottheit: Tim Burton mag der Gott des stimmungsvollen Gruselns sein, aber ich bin der Gott von Tim Burton und solange Tim Burton seine Füsse unter MEINEN Tisch...

Engel: OKAY, OKAY. Scheren-Krallen. Mini Frontallappen. Ich hab’s kapiert. JESUS.

Gottheit: À propos: Wie geht’s dem Junior eigentlich...?

--- Heute - im Innern meiner Katze ---

Ideenzentrum: Ich könnte mal miauen.

Logik: Warum?

Ideenzentrum: Warum nicht?

Logik: Was willst du denn damit erreichen?

Ideenzentrum: Woher soll ich das wissen? Das entscheide ich dann, wenn das Menschentier hier ist.

Logik: Aber es schläft.

Ideenzentrum: Und jetzt? Das mache ich 20 Stunden am Tag.

Logik: Ach komm, lass uns sachlich darüber sprechen.

Ideenzentrum: Ich würde ja gerne, aber ich will einfach nicht. Und ich muss jetzt meinen Anus lecken. Adieu.

Aggression: Okay, ich bin zu 97% sicher, dass diese Blumenvase mich gerade mega seltsam angeschaut hat. WAS LUEGSCH SO DUMM?!

Logik: Eine Blumenvase kann nicht schauen.

Aggression: Das hast du über den 15-jährigen Bonsai-Baum auch gesagt und RATE MAL, wer jetzt auf dem Kompost wohnt! Bonsai-Bye-Bye! Bonsayonara!

Appetitzentrum: Woah, Carbonara wär’ jetzt auch geil. Aber mit Catnip statt Peterli. Und Fleischbälleli statt Speck...

Gurgeli: À propos Bälleli, da ist ein Haarklumpen im Anmarsch. Schnell auf den teuren Teppich wechseln. 3, 2, 1, würg, jargh, ächz, chchchchch.... plop.

Hirn: Leute, ich glaube, ich muss zum Psychiater.

Alle andern: Ahja? Wieso?

Hirn: Ich habe solche Mühe, Entscheidungen zu fällen. Das fängt wirklich an, mich im Alltag zu beeinträchtigen.

Alle andern: Ohje. Was steht denn an? Was Grosses?

Hirn: Mega. Also zum einen: Ich würde gerne meine Krallen wetzen, aber ich kann mich nicht entscheiden, ob ich das am Sofa oder am Fauteuil machen soll.

Alle andern: Wir haben doch zwei Kratzbäume und einen Kratztunnel.

Hirn: Ach, ich bin von Anfängern umgeben. Kratzbaum? Echt jetzt? Und dem Menschentier das Gefühl geben, es hätte hier irgendwas zu melden? Sicher nöd. Sofa oder Fauteuil. Fürs Sofa spricht, dass es die Menschen öfter benutzen. Auf der anderen Seite habe ich da letzte Woche schon drauf gekotzt, das hatte also genug Aufmerksamkeit. Bleibt der Fauteuil. Ist auch ein Erbstück, das macht noch mehr Spass.

Alle andern: Oooookay.

Hirn: Gut, wäre das erledigt. Dann die nächste Frage: Wo soll ich schlafen? Auf dem Esstisch, auf der Küchenablage, im Bett oder in der frisch gewaschenen Wäsche?

Alle andern: Aber das sind doch all die Orte, wo wir eben NICHT schlafen sollten.

Hirn: Warum bin ich eigentlich mit Euch Debütanten in einem Körper gefangen?! NATÜRLICH sind das die Orte, wo wir nicht schlafen sollten. Das Menschentier will das so. Es braucht klare Reaktionen auf seine erbärmlichen Versuche, unsere Freiheiten einzuschränken.

Alle andern: Und wenn’s hässig wird?

Hirn: ÜND WÜNNS HÜSSIG WÜRD?! MÜMÜMÜ! Wir haben den Trick mit den grossen Augen und dem auf dem Rücken Rumrugelen nun weiss Gott oft genug geübt, nicht? Einmal schnell Schnurrschnurr, Rugelrugel, und das Menschentier so «JÖÖÖÖÖ, ja, dänn schlafsch halt im Bett, aber nur hüt.» Und drei Nächte später liegen sie seltsam verdreht oder in eine Bettecke gequetscht und mit Rückenschmerzen auf ihren jeweiligen Bettseiten, während wir in der Bettmitte den Katzenstern machen. Idioten.

Darm: Darm-Alarm, Darm-Alarm. Ich muss kacken.

Hirn: Nicht jetzt.

Darm: Aber wiesoooo?!

Hirn: Das Menschentier hat das Kistli heute noch nicht geleert. Wir müssen abwarten, bis es durch den Mund atmend all unsere Hinterlassenschaften herausgesiebt hat wie ein debiler Fäkalien-Goldgräber und das Klo wieder schön frisch und sauber ist und dann legen wir die Jahrhundert-Wurst.

Ideenzentrum: Wenn wir dabei noch ein bisschen in unseren eigenen Pipi stehen, dann werden unsere Pfoten so richtig schön mit Streu paniert, welche wir im Anschluss dekorativ in der Wohnung verteilen können. Das Menschentier mag das besonders. Ein bisschen wie Hänsel und Gretel. Einfach ohne Lebkuchen.

Hirn: Endlich mal einer, der mitdenkt. Jetzt lasst uns das Menschentier nerven gehen.

Ideenzentrum: Wie? Miauen, bis es wach ist, und dann wegrennen und/oder einschlafen? Es dazu bringen, uns Futter zu geben, das wir dann nicht essen? In die Zehe beissen beim Schlafen? Anus ins Gesicht, wenn es aufwacht?

Hirn: Oooooder, wir schnurren rum, schmieren ihm etwas Schnudder ins Gesicht, legen uns auf den Rücken und wenn es dann so richtig voller Liebe unseren flauschigen Bauch streichelt, zerfleischen wir seine Hand...? Okay?

--- Im Himmel ---

Die Gottheit (lachend und Popcorn essend): Ich bin einfach ein brillanter Motherf***er.

Yonni Meyer
Yonni Meyer (37) schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt.

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FRAGFRAUFREITAG
Vor zwei Jahren ist mein Vater gestorben. Es waren über 100 Menschen an seiner Beerdigung und viele haben geweint. Aber heute spricht fast keiner mehr von ihm. Das macht mich traurig bis wütend. Warum? Kerstin, 39
Liebe Kerstin 

Was Sie mir da schreiben ist furchtbar traurig. Aber leider wahr. Ich habe das grosse Glück, dass ich noch niemanden aus meiner Familie oder meinem Freundeskreis verabschieden musste, aber aus Gesprächen mit Bekannten weiss ich, dass es genau so ist.

Ich bin mit Ihrer Frage ein paar Tage schwanger gegangen und habe ein paar Einsichten gewonnen. Vielleicht tröstet es Sie etwas, wenn ich Ihnen sage, dass es mit grosser Sicherheit oft einfach Unsicherheit ist, die dahintersteckt.

Ich kenne das ja selber. Vor ein paar Jahren haben entfernte Bekannte von mir ein wenige Monate altes Kind verloren, ich hatte aus der Zeitung davon erfahren und es hat mich schrecklich traurig gemacht. Ich habe mich darum hingesetzt und diese meine Gefühle niedergeschrieben und dem Paar meine Beileids-Karte geschickt. Daraufhin habe ich nichts mehr gehört. Kein Dank für das Schreiben und auch kein anderes Zeichen. Ich weiss noch, dass es mich damals unglaublich verunsichert hat. Selbstverständlich ging es mir nicht um den Dank, denn ich kann ja sehr wohl nachvollziehen, dass ein Verlust dieser Art einem dermassen übermannen muss, dass darob andere Gesetze gelten. Aber es hat mich tage-, wenn nicht wochenlang nicht mehr losgelassen. Ich hatte grosse Angst, nicht die richtigen Worte gefunden zu haben, zu persönlich geworden zu sein. Oder zu wenig persönlich. War mein Schreiben vielleicht zu oberflächlich gewesen, oder das Kartensujet (ein Baum) unpassend? Hatte ich mit meiner Karte zu lange zugewartet (etwa 2 Wochen) oder hat man mir verübelt, dass ich bei der Trauerfeier nicht dabei war?

Das klingt jetzt alles sehr dramatisch und übertrieben. Aber genau so ist es mir ergangen. Ich habe mich nur noch hintersinnt. Dennoch habe ich es wieder genau so gemacht, als ein Freund seinen Vater verloren hat. Ich habe mich hingesetzt und einen Brief geschrieben. Aber es hätte genau so gut sein können, dass ich es dieses Mal gelassen hätte. Aus der nackten Angst, etwas falsch zu machen. Nicht die richtigen Worte zu finden. Nicht den richtigen Rahmen, den richtigen Zeitpunkt.

Der Tod ist eine beklemmende Angelegenheit. Wir alle wissen, dass er uns früher oder später ereilen wird. Doch solange es geht, wollen wir ihn ignorieren. Wenn er uns dann doch streift, indem er jemanden aus dem erweiterten Kreise stiehlt, dann sind wir haltlos überfordert. Unsere Kultur hat keinen gesunden Umgang mit dem Tod gelernt. Während wir darauf getrimmt sind, ihn so schnell als möglich ad acta zu legen und die Toten alsbald zu vergessen, beweinen andere Völker ihre Toten tagelang und lautstark.

So kann es schon mal geschehen, dass Eltern, die ihr Kind verloren haben, nach ein paar Jahren zu hören bekommen, sie sollen doch endlich mal damit aufhören, immer noch zu trauern. Man solle die Erinnerungsstücke doch bitte weglegen und Gras darüber wachsen lassen. Als würde die Zeit solche Wunden heilen können! Als könnte die reine Ignoranz den Verlust ungeschehen machen!

Dabei würden Menschen, die eine geliebte Person gehen lassen mussten, sehr gerne über diese reden. Sich erinnern. Bilder wieder bunter werden lassen, Rückschau halten. Die Hinterbliebenen möchten das Gefühl haben, dass auch andere Leute sich an den verstorbenen Menschen erinnern und dass dieser in dieser Reminiszenz weiter existiert. Sie möchten nicht zur Tagesordnung übergehen, kaum ist der Leichnam beerdigt. Vermutlich haben viele Menschen Angst, man würde traurige Erinnerungen wecken, wenn man über die verstorbene Person spricht. Aber Menschen, die ein geliebtes Geschöpf verloren haben, denken sowieso tagtäglich an dieses. Man muss keine Angst haben, dass man ruhende Geister weckt. Der Verlust ist da. Tag für Tag. Er wird nicht grösser, indem man ihn anspricht. Er verteilt sich, indem er von mehreren Herzen mitgetragen wird.

Sie können das Andenken an Ihren Vater nicht einfordern. Aber Sie können weiterhin über ihn sprechen, sich erinnern. Und wir alle können noch heute damit anfangen, unsere Komfortzone zu erweitern und Gefühle zu riskieren, wo diese dringend gebraucht werden. Im Wissen darum, dass wir auch nicht totgeschwiegen werden möchten.

Alles Liebe und Gute Ihnen. Ihre Kafi.
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