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Yonnihof

Von frierenden Möpsen und fliegenden Vibratoren: Eine kleine Abrechnung mit Hollywood

Bild:
Yo Hollywood, we need to talk...
14.01.2019, 16:3308.02.2019, 13:44

Ja, wir müssen reden. Ein paar Dinge klarstellen. So zwischen dir und mir.  

Ich mag dich ja eigentlich sehr, wirklich. Nein, ich liebe dich. Die Reisen, die Abenteuer, die Emotionen – das Lachen, die Tränen und ja, sogar der Brechreiz ab und an (auch «50 Shades» muss geschaut sein, nöd wahr). Ich mein: FUCHUR! Nur schon für den hat sich’s gelohnt.  

Aber jetzt mal so von Frau zu Traumfabrik, da sind ein paar Dinge, die ich nicht so ganz verstehe.  

In Filmen kommen Frauen, die allein zuhause sind, morgens frisch frisiert und lediglich mit einem offenen Seidenbademantel und einem Spitzentanga gekleidet in ihre lichtdurchflutete Küche (hier gleich noch eine Zusatzfrage: All die Leute mit Büro-, Journalisten- und Hipsterberufen, die Ihr da in diesem Hollywood so erfindet: Wie genau leisten die sich eigentlich diese Wohnungen in der Grösse eines Football-Feldes mitten in New York?), machen sich da einen Fair-Trade-Spinat-Tee und ein Birchermüesli aus glücklichen Haferflocken, Einhornfohlenmilchjoghurt und Beeren aus dem Urban Gardenli ihres Gottibuben und setzen sich damit an den Tisch, essen lasziv zwei Löffel und entschwinden dann feenhaft in den Rest des Tages.  

WTF? Wenn ich allein zuhause bin (und ehrlich gesagt auch immer, wenn Freund da ist) ist an mir rein gar nichts frisch frisiert, wenn ich erst gerade aus dem Bett gefallen bin. Mein Outfit besteht im Sommer aus hautfarbenen Panties aus dem 10er-Pack und irgendeinem Tshirt, das einst eine komplett andere Farbe hatte als heute, und im Winter aus einem Pischi, bei dem Ober- und Unterteil jedoch in den seltensten Fällen zusammengehören (oben Arielle-Sweatshirt, unten pinke Hosen mit lachenden Tacos – ich bin eine Stilikone).

Ich würde mich auch niemals in einem Tanga in unsere Küche wagen. WÄH! Da sind Brösmeli und die sollen bleiben, wo sie sind – es sei denn, man steht auf eine Fudispalt-Politur. Und dann diese offenen Bademänel immer. Wieso?! Da friert man doch an den Möpsen.

Des Weiteren ist mein Frühstück weder hochwertig (oftmals ist’s halt das, was grad da ist, a.k.a. ein Stück Toast aus uraltem Brot, Scheibenkäse und ein einsames Essiggürkli, sowie unterschiedliche andere Fressalien, an denen ich erst riechen muss, bevor ich mich traue, sie zu essen) noch attraktiv anzuschauen und ich sehe dabei eher aus wie Shreks schlecht frisierte Cousine als wie ein Bond-Girl, das gerade Fellatio an einem Birchermüesli performt.  

Witzigerweise sind solche Hollywood-Superfrauen nach ihrem Bademantel-Birchermüesli-Zmorge-Porno ja immer mega früh im Büro und perfekt gestylt, wenn sie dort ankommen. Wenn ich das an meinem Beispiel realistisch betrachte, müsste ich um circa 4.15 Uhr aufstehen, damit ich duschen, meine Haare entfilzen, sie frisieren, mich anziehen kann, um mich anschliessend so zu schminken, als wäre ich gerade unterwegs zu den Oscars. Inklusive falscher Wimpern – und den 30 Minuten, die ich bräuchte, sie so anzubringen, dass ich weder aussehe wie ein Clown, noch erblinden müsste.  

Und was ist eigentlich mit dieser ewigen Tanzerei in Euren Filmen, sag mal? Frauen (und z.T. auch Männer), allein in ihrer Wohnung, stellen das Radio ein und es kommt so ein mega poppiger Song und dann tanzen sie so voll crazy und ausgelassen und lachen laut in ihre leere Wohnung hinein und dann gehen sie raus und tanzen auch in der Strasse weiter und lustigerweise läuft noch immer derselbe Song, obwohl sie ihn jetzt eigentlich gar nicht mehr hören können und mittlerweile etwa 20 Minuten vergangen sind in der Storyline, aber hey, Hauptsache «Dancing in the Streets». Weisch was passiert in der Schweiz, wenn jemand so «voll crazy» in der Strasse rumtanzt? S’gääle Wägeli, das passiert. Pfefferspray. Vormundschaftsbehörde.  

Und dann müssen wir jetzt mal Klartext über masturbierende Frauen reden. Jawoll, Masturbation, die häufigste Ursache für Erblinden (nebst künstlichen Wimpern). Ganz ernsthaft: Die wenigsten von uns haben Zeit, sich ein Schaumbad einzulassen, Kerzen aufzustellen und irgendwelche Musik rauszusuchen, bei der sogar Michael Bolton höchstpersönlich das Kotzen käme. Wir stöhnen und schreien dabei auch nicht und winden uns mit geschlossenen Augen und unsere Lippen ableckend superlasziv im Bett rum. Und: unsere Brüste sind in den seltensten Fällen Fokus solcher Aktionen. Bei Euch schon, was etwas schwierig ist, denn man darf sehr wohl eine masturbierende Frau darstellen, aber wehe man sieht einen Quadratmillimeter eines Nippels, einen Quadratmillinippel, sozusagen. FÜRIO! PFUI! Sollten wir bei der Selbstliebe von einem «Bekannten» überrascht werden, laden wir ihn auch nicht so sponti zum Mitmachen ein, sondern würden ziemlich sicher kreischen und ihn mit was auch immer wir zur Hand haben bewerfen. Tod durch Vibrator. Wenigstens die Schlagzeile wäre cool.

Dies ist sie also, meine nicht ganz so ernst gemeinte Abrechnung. Ich schreibe sie wohlwissend, dass ich ab und an genau wegen des Mangels an Realismus in deine Arme flüchte. Und das ist gut so. I love you still, mon Amour.

P.S. Aber mal ganz im Ernst: Hör' endlich auf, Paare gleich nach dem Aufwachen Zungenküsse austauschen zu lassen. Pass die Stellung dem Mundgeruch an. Many Thanks.

Yonni Meyer
Yonni Meyer (36) schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 

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Video: watson/Olivia Rasper, Emily Engkent
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