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Apple wirft russisches Facebook und weitere VK-Apps aus dem App Store

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Apple wirft russisches Facebook und alle VK-Apps aus dem App Store – das sind die Folgen

Der russische Techkonzern hat den Rauswurf bestätigt. Die Folgen für die russischen Apple-Nutzerinnen und -Nutzer sind potenziell gravierend. Betroffen sind aber auch Demokratiefeinde im Westen.
28.09.2022, 07:2829.09.2022, 14:05

Apple hat alle wichtigen Apps des russischen Unternehmens VK aus seinen App-Stores entfernt. Weltweit.

Fehlermeldung im Schweizer App-Store (iOS).
Fehlermeldung im Schweizer App-Store (iOS).screenshot: watson

Der russische Techkonzern betreibt unter anderem die grösste russische Social-Media-Plattform vk.com, ehemals «Vkontakte», die auch bei Neonazis und anderen Extremisten aus westlichen Staaten beliebt ist.

Wie reagiert VK?

VK schreibt in einer auf der eigenen Website veröffentlichten Medienmitteilung, dass Apple «einige VK-Anwendungen blockiert hat, sodass sie im App Store nicht mehr zum Herunterladen und Aktualisieren verfügbar sind».

Weiter schreibt das Unternehmen, am wichtigsten sei, dass VK-Anwendungen, die bereits auf Smartphones installiert waren, weiterhin funktionierten.

«Die VKontakte-Anwendung wird auch weiterhin auf Apple-Geräten funktionieren. Darüber hinaus können Sie die mobile Version der Website m.vk.com und die Desktop-Version mit vollem Funktionsumfang nutzen.»
quelle: vk.com (übersetzt mit Google translate)

Laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Interfax hat VK davor gewarnt, dass bei den von Apple blockierten Anwendungen «Schwierigkeiten beim Betrieb von Benachrichtigungen und Zahlungen auftreten können».

Gemäss einer früheren Interfax-Meldung sind VK-Anwendungen bereits am 26. September aus dem App-Store verschwunden. Seit Montagabend sei Vkontakte nicht mehr über die App-Suche im iOS-App-Store verfügbar.

Welche Apps hat Apple enfernt?

Die vorläufige Liste umfasst:

  • VK Clips
  • VK (ehemals Vkontakte)
  • VK Mail (Mail.ru)
  • VK Mail Cloud
  • VK Music
  • VK Admin
  • VK Play
  • VK Messenger
  • Youla-Kleinanzeigen

Bei Twitter heisst es, das Konto des russischen Softwareentwicklers «V Kontakte OOO» melde nun, dass keine Apps dieses Entwicklers mehr im App-Store verfügbar seien.

Warum ist das wichtig?

Das Entfernen der VK-Apps durch Apple bedeutet, dass russische iPhone-Nutzerinnen und -Nutzer einige der populärsten russischen Apps nicht mehr (neu) installieren können. Zudem können die App-Entwickler auch keine Aktualisierungen mehr veröffentlichen, was die Sicherheit beeinträchtigt.

Apples Rauswurf ist aber auch ein potenziell schwerer Schlag für Demokratiefeinde in westlichen Staaten. Die russische Social-Media-Plattform VK diente ihnen schon länger als Facebook-Alternative, wo sie sich ungestört austoben.

Weil Mark Zuckerbergs Meta-Konzern auf öffentlichen Druck hin verstärkt gegen Hassrede vorging, suchten Rechtspopulisten und Rechtsextreme nach neuen Kanälen.

Die unabhängige Journalismus-Plattform Belltower.news konstatierte schon vor fünf Jahren:

«Auf VK finden sich Rassismus, Antisemitismus, Beleidigungen und alles andere, was das Herz von Wutbürgern so begehrt. Dabei geht es durchaus eine Spur härter zu, als man es auf anderen Netzwerken gewohnt ist.»
quelle: belltower.news

Wer kontrolliert die grössten russischen Social-Media-Plattformen?

Der russische Staat, respektive Putin.

Im Dezember 2021 wurde berichtet, dass der Kreml die direkte Kontrolle der wichtigsten sozialen Netzwerke im Land übernehme.

Der russische Milliardär Alisher Usmanow kündigte damals den Verkauf seiner Anteile an der Internet-Holding VK an, die neben Vkontakte auch die zweite grosse Social-Media-Plattform in Russland kontrolliert: Odnoklassniki.

Die Anteile gingen an die staatliche Gazprombank und das Versicherungsunternehmen Sogaz, das vom Putin-Verbündeten Juri Kowaltschuk und seiner Familie kontrolliert wird.

Die dazugehörige App namens «OK.ru» ist weiterhin im App-Store von Apple (iOS) verfügbar. Und das weltweit. Als Herausgeberin fungiert nicht VK, sondern Odnoklassniki Ltd.

Sind die Apps nur aus dem russischen App-Store entfernt worden?

Nein. Gemäss übereinstimmender Berichte und watson-Abklärungen sind die VK-Anwendungen weltweit nicht mehr verfügbar. Die Suche im Schweizer App-Store von Apple nach entsprechenden App-Bezeichnungen läuft ins Leere.

Was ist mit den Android-Versionen im Google Play Store?

Die scheinen normal verfügbar zu sein.

Was sagt Apple?

Eine Stellungnahme lag zunächst nicht vor.

Dann liess der US-Journalist Alex Heath von «The Verge» via Twitter verlauten, dass Apple geantwortet habe.

Das Unternehmen habe ihm mitgeteilt, dass es als Reaktion auf die Sanktionen die Apps von VK weltweit entfernt und die Konten der Entwickler gesperrt habe.

Zur Begründung fügte er folgendes Zitat an:

«Diese Apps werden von Entwicklern vertrieben, die sich mehrheitlich im Besitz oder unter der Kontrolle einer oder mehrerer von der britischen Regierung sanktionierter Parteien befinden.»
Bild
screenshot: twitter

Welche Massnahmen hat Russland ergriffen?

Eine Reaktion seitens des Kreml auf den App-Rauswurf ist nicht bekannt.

Nachdem Russland im vergangenen Februar in die Ukraine einmarschiert war, liess das Putin-Regime die grössten US-amerikanischen Social-Media-Plattformen für russische Internet-Nutzerinnen und -Nutzer technisch blockieren. Konkret betroffen sind Instagram, Facebook und Twitter.

Der russische Staat will durch relativ umfassende Online-Zensurmassnahmen verhindern, dass die eigene Bevölkerung Informationen aus unabhängigen Quellen erhält, die der russischen Propaganda zuwiderlaufen.

Seit dem Frühjahr mussten in Russland gekaufte iPhones bei der Inbetriebnahme eine Liste mit in Russland entwickelten Apps (zur Installation) anzeigen, darunter die VK-App. Apple war durch ein 2021 von Russland erlassenes Gesetz dazu gezwungen, wie «The Verge» Anfang April berichtete. Inzwischen sind iPhones nur noch als Grau-Import erhältlich.

Gemäss der Nachrichtenagentur Reuters ist das neue Gesetz Teil eines umfassenderen Versuchs Moskaus, seine Abhängigkeit von ausländischen Unternehmen zu verringern und mehr Kontrolle über das Internet zu erlangen.

Welche westlichen Sanktionen gab es schon?

Die USA und andere westliche Regierungen haben viele mit der russischen Regierung verbundene Personen und Unternehmen sanktioniert, darunter den CEO der VK Group und Putin-Verbündeten Vladimir Kiriyenko.

Vladimir Kiriyenko, CEO des russischen Techkonzerns VK.
Vladimir Kiriyenko.Bild: Wikimedia Commons / CC BY 4.0

Anfang dieses Jahres stellte Apple den Verkauf seiner Produkte in Russland ein, wie The Verge schreibt. Zudem machte das US-Unternehmen gewisse russische Nachrichten-Apps für User ausserhalb Russlands unzugänglich – dies nur wenige Wochen nachdem Sanktionen russische Bankkunden daran hinderten, Google Pay und Apple Pay zu verwenden.

Was hat VKontakte mit Telegram zu tun?

VKontakte wurde 2006 von Pavel Durov gegründet. Der russische Unternehmer wurde aus dem eigenen Unternehmen gedrängt und erklärte später, es gebe kein Zurück mehr, nachdem er sich öffentlich geweigert habe, mit den russischen Behörden zusammenzuarbeiten. In der Folge konzentrierte sich Durov auf die Weiterentwicklung seiner Smartphone-Messaging-App Telegram und baute sie zu einer der weltweit führenden nicht-amerikanischen Plattformen aus.

Der Artikel wird fortlaufend aktualisiert und ergänzt, wenn neue Informationen und Stellungnahmen vorliegen.

Quellen

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45 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bikemate
28.09.2022 09:04registriert Mai 2021
Es ist problematisch, dass Techkonzerne so viel Macht haben. In diesem Fall finde ich es aber absolut richtig, wie Apple reagiert.
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Schlaf
28.09.2022 09:26registriert Oktober 2019
"Betroffen sind aber auch Demokratiefeinde im Westen."

Winwin, danke Apple 👏🏻
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Einer mit interkantonalem Migrationshintergrund
28.09.2022 10:05registriert April 2021
Dass dieses ruzzische Propaganda- und Zensurwerkzeug endlich weg kommt, ist schon seit Jahren überfällig.
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