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Anonymous behauptet, die US-Firma Cloudflare schütze IS-Webseiten vor Hacker-Attacken. 
bild: twitter/Terror_Monitor

Anonymous prangert an: Macht eine US-Firma die Webseiten des IS unverwundbar?



Von den meisten Menschen kaum bemerkt, attackiert das internationale Hacker-Kollektiv Anonymous seit geraumer Zeit Propaganda-Webseiten des IS. Zum erklärten Ziel gehört, «dass man mit den eigenen Operationen der Terror-Organisation ihre strategische Reichweite in den Social Networks nehmen wolle und die Kommunikationswege des Gegners störe», sagt ein Anonymous-Hacker mit dem Pseudonym Mikro. In einem ausführlichen Portrait von The Atlantic erklärt er, wie er und seine anonymen Mitstreiter den IS im Web, aber auch im Darknet, lahmlegen wollen.

Der IS betreibt unzählige Propaganda-Webseiten, die unter anderem mit Kriegsvideos junge Männer für den Kampf in Syrien und dem Irak begeistern sollen. Anonymous legt solche IS-Webseiten immer wieder lahm, indem die Webserver mit unzähligen automatisierten Seitenaufrufen überlastet werden – die Rede ist von sogenannten Distributed-Denial-of-Service-Angriffen (DDoS). Hier kommt die US-Firma Cloudflare ins Spiel: Sie bietet einen Service an, der Webseiten vor Überlastung, spricht vor DDoS-Attacken, schützt. Normalerweise nehmen grössere Firmen und Organisationen mit vielbesuchten Webseiten solche Dienste in Anspruch. Brisant: «Zahlreiche Twitter-Accounts aus dem Anonymous-Netzwerk kritisieren, Cloudflare stelle den Dienst auch islamistischen Webseiten zur Verfügung», schreibt «Die Welt».

Cloudflare-Chef kontert Anonymous' Kritik 

Im Gespräch mit dem britischen IT-Portal «The Register» nahm Cloudflare-Chef Matthew Prince Stellung zu den Vorwürfen: «Ich behaupte mal, dass das eine Schnellschuss-Analyse von Kids war, die kaum ernst zu nehmen ist.» Und weiter: «Anonymous nutzt uns auch für einige ihrer Seiten – trotz des Drucks aus einigen Ecken gegenüber uns, die Seiten offline zu nehmen», zitiert das Portal den Cloudflare-Chef. Prince spielt darauf an, dass Geheimdienste und das FBI seit langem fordern, dass Cloudflare Hacker wie Anonymous von seiner Kundenliste streicht.

Es sei nicht im Interesse von Cloudflare, Webseiten des Islamischen Staats zu beherbergen und zu schützen, da diese vermutlich nur mit gestohlenen Kreditkarten bezahlt würden. Sollten die US-Behörden seine Firma mit den notwendigen Gerichtsbeschlüssen auffordern, bestimmte Webseiten nicht mehr vor DDoS-Angriffen zu schützen, werde man dies tun. Auf Kritik von Anonymous werde man indes nicht reagieren: Wer Probleme mit bestimmten Inhalten habe, sollte die etablierten Wege der Strafverfolgung beschreiten, sagte Prince der «International Business Times»: «Es gibt keine Gesellschaft der Welt, die die Pöbelherrschaft akzeptiert, denn der Pöbel ist wankelmütig.»

An der Aufrichtigkeit von Cloudflare gibt es allerdings Zweifel: Die Firma ist bekannt dafür, bei der Auswahl ihrer Kunden nicht wählerisch zu sein. Auch die Hackergruppe LulzSec, die mit dem Sony-Hack, einem DDoS-Angriff auf die Webseite der CIA und durch das Veröffentlichen von Passwörtern bekannt wurde, nutzte Cloudflares Dienst, um den Betrieb ihrer Website sicherstellen zu können. «Einer Bitte der CIA, die Seite ohne Gerichtsbeschluss offline zu nehmen, kam Cloudflare im Sommer 2011 laut US-Medienberichten nicht nach», schreibt «Die Welt».

So funktioniert Cloudflare

Die Technik des US-Unternehmens hilft Webseiten dabei, auch bei kurzfristig sehr starkem Datenaufkommen – ob natürliche Ursachen oder durch eine DDoS-Attacke – erreichbar zu bleiben. Dazu nutzt Cloudflare ein sogenanntes Content Delivery Network mit Servern rund um die Welt auf allen Kontinenten. Laut dem Unternehmen werden Server in 65 Rechenzentren in über 30 Ländern verteilt betrieben. DDoS-Attacken werden so abgefangen, bevor die automatisierten Anfragen die Webseite erreichen, die lahmgelegt werden soll. Auch die Enthüllungswebseite Wikileaks gehört zum Kundenkreis von Cloudflare.

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Sieben eindrückliche Hacker-Attacken
quelle: jordan strauss/invision/ap/invision / jordan strauss
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