Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Ex-Anonymous-Hacker: «Wir wollen neue Attentate verhindern, statt nur ‹IS›-Webseiten lahmlegen»

Nur Stunden nach den Attentaten von Paris erklärte Anonymous dem sogenannten «Islamischen Staat» den Krieg. Die Hacker legten Tausende Twitter-Profile und Propagandawebseiten des «IS» lahm. Doch nun macht sich eine kleinere Hacker-Gruppe bemerkbar, die eine ganz andere Strategie gegen die Dschihadisten verfolgt.



ImageImage

Bei Anonymous zuhause.

Seit dem Angriff auf «Charlie Hebdo» im Januar attackiert das internationale Hacker-Kollektiv Anonymous verstärkt Webseiten des «IS», lässt seine Social-Media-Profile sperren und behauptet inzwischen gar, man habe mit den erbeuteten Informationen «IS»-Aktivisten in Europa identifiziert. Eine andere, viel kleinere Hacker-Gruppe ist davon wenig beeindruckt. Die Gründungsmitglieder der Ghost Security Group haben sich nach «Charlie Hebdo» von Anonymous abgesondert. Im Gespräch mit der britischen BBC erklärt ein Mitglied der Ghost Security Group, warum man den «IS» mit einer anderen Taktik, als sie Anonymous verfolgt, bekämpfen will.

«Sie [Anonymous] haben nicht die geringste Erfahrung in der Terrorbekämpfung», sagt ein Hacker der Ghost Security Group, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben will. Er und seine Mitstreiter hätten die simplen Hacker-Angriffe von Anonymous satt gehabt, die oft nur darauf abzielten, «IS»-Webseiten lahmzulegen oder Social-Media-Profile von mutmasslichen «IS»-Anhängern bei den sozialen Netzwerken zu melden. «Wir hatten das Gefühl, dass nicht genug gemacht wird und das ‹Charlie Hebdo›-Attentat machte klar, dass sich ‹ISIS› nicht auf die Länder in Nahost beschränken wird.»

«Sie [Anonymous] haben nicht die geringste Erfahrung in der Terrorbekämpfung.»

Mitglied Ghost Security Group 
BBC

Laut Ghost Security Group stammen ihre freiwilligen Helfer aus den USA, Europa und dem Nahen Osten. Darunter seien Sprachwissenschaftler «und Leute, die mit den Techniken der geheimdienstlichen Informationsbeschaffung vertraut sind». Statt Propagandawebseiten des «IS» mit unzähligen automatisierten Aufrufen lahmzulegen (DDoS-Attacken), versucht Ghost Security Group Webforen und Social-Media-Profile des «IS» zu infiltrieren. Das Ziel ist also nicht, seine Kommunikationskanäle auszuschalten, sondern sie zu überwachen und die gewonnen Informationen an Sicherheitsbehörden weiterzuleiten.

«Wir wollen Attentate verhindern, statt bloss ‹IS›-Webseiten lahmlegen», sagt das Gründungsmitglied der Ghost Security Group. «Ich glaube nicht, dass DDoS-Attacken von Anonymous dem sogenannten ‹Islamischen Staat› gross Schaden. Anonymous attackiert auch Foren der Extremisten, die für die Geheimdienste interessant sind. Wir möchten, dass diese Foren online bleiben, so dass wir sie überwachen können und Informationen über den ‹IS› erhalten.»

Man habe sich bewusst von Anonymous gelöst, um mit den Sicherheitsbehörden kooperieren zu können, heisst es bei Ghost Security Group. Anonymous hat in den letzten Jahren wiederholt Webseiten von Konzernen und US-Behörden angegriffen. Hacker wie Sabu wanderten dafür ins Gefängnis. Viele Anons dürften daher wenig Interesse bekunden, ihre Informationen über den «IS» mit dem FBI und der CIA zu teilen. Ghost Security Group hingegen will ihre Informationen den Behörden zukommen lassen:

«Wir haben Informationen, können damit aber nichts anfangen, wenn wir nicht mit der US-Regierung kooperieren. Sie haben die Waffen und die Soldaten am Boden, sie können die Terroristen wirklich stoppen.»

Ghost Security Group
bbc

Anonymous ist ein Kollektiv ganz unterschiedlicher Menschen und insofern liegt es auf der Hand, dass die Meinungen divers sind. Während die Splittergruppe Ghost Security Group den «IS» nicht direkt angreift, sondern ausspioniert und mit den Behörden zusammenarbeitet, verteidigen andere Anons ihre bisherige Taktik – sprich das Lahmlegen von Propaganda-Webseiten und Twitter-Profilen: «Sie können so nicht mehr kommunizieren und Jugendliche rekrutieren», begründet ein Anonymous-Mitglied das Vorgehen gegenüber BBC.

Die Brücke zwischen Ghost Security Group und den Behörden bilden Sicherheitsfirmen wie Kronos Advisory. Sie leiten die Informationen der Hacker an die Regierungsstellen weiter. Michael Smith, Leiter der US-Sicherheitsfirma Kronos, arbeitet mit den Hackern zusammen und bestätigt im Bericht der BBC, dass Mitglieder der Ghost Security Group verdächtige «IS»-Tweets entdeckt haben, die teils nur wenige Minuten online waren, bevor sie gelöscht wurden.

Image

Ein angeblicher «IS»-Tweet, der von Ghost Security Group gemeldet worden ist.
bild: via bbc

«Sie identifizieren nicht nur ihre Kommunikationskanäle, sie haben auch eine Liste von Profilen zusammengestellt, die von einflussreichen ‹IS›-Leuten genutzt werden», sagt Smith gegenüber der BBC. Bei seiner Sicherheitsfirma Kronos Advisory arbeitet unter anderem Cynthia Storer, die während 21 Jahren bei der CIA als Analystin in der Terrorbekämpfung tätig war. Nun ist sie Kronos' leitende al-Kaida-Analystin.

Kürzlich habe der «IS» seine Aktivitäten von Twitter weg Richtung verschlüsselter Kurznachrichten-Apps wie Telegram verlagert, sagt Sicherheitsforscher Smith. Telegram hat nach den Paris-Attentaten reagiert und mehrere Kanäle geschlossen, die extremistische Propaganda verbreitet haben sollen. Laut Smith versucht Ghost Security Group auch diese besser geschützten Kommunikationswege des «IS» zu infiltrieren. Details nennt er nicht, um die Aktion gegen den sogenannten «Islamischen Staat» nicht zu gefährden. Denkbar ist auf jeden Fall, dass Trojaner eingesetzt werden, um «IS»-Terroristen zu überwachen.

Hacker wollen zweites Attentat in Tunesien verhindert haben

Ghost Security Group behauptet, man habe bereits im Sommer mitgeholfen, die Pläne für einen weiteren Anschlag in Tunesien zu durchkreuzen. Ghost Security Group habe Gespräche von Dschihadisten abgefangen, die nach dem Strand-Massaker mit 38 Toten im Juni einen zweiten Anschlag auf der Insel Djerba planten.

Es ist schwierig, die angeblichen Erfolgsmeldungen der Hacker von unabhängiger Stelle überprüfen zu lassen. Auch Sicherheitsbehörden wie das FBI äusserten sich bislang nicht zur Ghost Security Group. Fakt ist: Anonymous ist bekannt dafür, beim Kampf gegen Feinde wenig zimperlich vorzugehen und hat in der Vergangenheit auch schon Personen an den Pranger gestellt, die nachweislich weder dem «IS» noch dem Ku-Klux-Klan – eine weitere Zielscheibe der Hacker – angehören. Auch die Erfolgsmeldungen von Ghost Security Group können wir nicht direkt überprüfen, aber Aussagen von Sicherheitsexperten, die mit den Hackern in Kontakt stehen, lassen erahnen, dass Ghost Security Group dem «IS» auf der Spur ist. 

Die Ghost Security Group ruft derweil alle auf, verdächtige «IS»-Aktivitäten auf ihrer Webseite zu melden.

Alles, was du über Anonymous wissen musst

Anonymous hackt «IS»-Profile. Statt Propaganda gibt's jetzt Gay Pride und Schwulen-Pornos

Link to Article

Antifeminist am Facebook-Pranger: Wirklich gefährlich ist Anonymous, nicht Roosh V

Link to Article

Anonymous vs. YouTuber Sam Pepper – ein packender Social-Media-Krimi in Echtzeit 

Link to Article

Ex-Anonymous-Hacker: «Wir wollen neue Attentate verhindern, statt nur ‹IS›-Webseiten lahmlegen»

Link to Article

Trittbrett-Fahrer: Wer Anonymous liken will, landet plötzlich bei Pegida. So geht's richtig

Link to Article

Anonymous.Kollektiv auf Facebook: Fast 1,5 Millionen liken diese «falsche» Anonymous-Seite

Link to Article

Anonymous enttarnt IS-Aktivisten in Europa, die Terroristen rekrutieren sollen

Link to Article

Anonymous prangert an: Macht eine US-Firma die Webseiten des IS unverwundbar?

Link to Article

«Was wollen sie hacken?» – so reagiert der IS auf Anonymous' Kriegserklärung

Link to Article

Anonymous & Co.: Wie Hacker die IS-Propaganda ausschalten wollen

Link to Article

Anonymous-Hacker greifen den Ku-Klux-Klan an: Der Auf- und Abstieg der rassistischen Kapuzenmänner

Link to Article

ISIS im Schritt – wie Anonymous und die Twitter-Gemeinde die Islamisten aufs Korn nehmen

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

(oli)

Die Attentäter von Paris

So überwacht uns der Staat

Wo war Herr Glättli die letzten sechs Monate? Minute für Minute, Ort für Ort? Swisscom oder Sunrise wissen es, Sie wissen es jetzt – und der Staat kann es jederzeit wissen

Link to Article

Was der Staat von Ihrem Smartphone will. Und wann. Und weshalb.

Link to Article

«Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Bund auch Telefongespräche und SMS speichern will»

Link to Article

«Dass die Speicherung von Handydaten nichts bringt, ist kompletter Unsinn»

Link to Article

Das Beziehungsnetz: Wer ist beruflich wichtig, wer ist verwandt? Mit wem hat Herr Glättli wirklich viel zu tun?

Link to Article

Wie der Staat Daten «wegen Terror» abgreift – und uns eigentlich bloss komplett verarscht

Link to Article

Die Kapo Bern hat bald ein teures neues Abhörsystem. Aber der eigentliche Skandal dahinter ist die Beschaffung

Link to Article

Die vergessenen Jahre des Terrors: In den 70ern und 80ern zogen Terroristen eine Blutspur durch Europa

Link to Article

Wenn Sie immer noch glauben, Datenschutz sei nur für Menschen, die etwas zu verbergen haben, bitte hier weiterlesen

Link to Article

Die unsäglich peinliche Geschichte der gehackten Hacker (und Kapo-ZH-Lieferanten) in 25 Tweets erzählt

Link to Article

Diese Politiker sorgten sich eben noch um unsere Privatsphäre – und sagen jetzt trotzdem Ja zu mehr Überwachung

Link to Article

Fremde Geheimdienste sollen die Leitungen von Swisscom und Co. angezapft haben. Das musst du wissen

Link to Article

Polizei und Staat wollen Sie im Internet umfassend überwachen. Jeder zweite Schweizer sagt «Nein, danke!»

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sambeat 23.11.2015 22:13
    Highlight Highlight Scheiss die Wand an! Beginnen sich nun die Anonymous- und die Ghost Security Group-Mitglieder gegenseitig niederzumachen oder schlecht zu reden? Schliesst euch doch einfach zusammen! Genug Hirn und Können ist ja sicher vorhanden!
  • Skianto 23.11.2015 18:58
    Highlight Highlight http://www.techworm.net/2015/11/anonymous-may-have-hit-the-jackpot-in-uncovering-future-global-threats.html #Anonymous seems to be doing a far more effective job in keeping the activists of ISIS and their sympathetic lackeys at bay

Cyberangriff auf den Kreml

Kreml-Website offline – Hacker attackieren die russische Regierung 

Der Kreml spricht von «einem mächtigen Cyberangriff»: Hacker haben die Website der russischen Regierung lahmgelegt. Protestiert das Aktivisten-Netzwerk Anonymous gegen die Sperrung Putin-kritischer Webseiten?

Unbekannte haben am Freitagvormittag offenbar mehrfach die Website der russischen Regierung lahmgelegt. Eine Kreml-Sprecherin sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es laufe «ein mächtiger Cyberangriff gegen die Seite». Neben der Kreml-Website sei auch der Internet-Auftritt der russischen Zentralbank von Hackern angegriffen worden. Am Freitagmittag liessen sich die Seiten aber wieder erreichen.

Die Kreml-Sprecherin machte keine Angaben dazu, wer für die Angriffe verantwortlich sein …

Artikel lesen
Link to Article