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Twitter-Konten des «IS» verbreiten plötzlich Gay-Pride-Botschaften. Dahinter steckt einmal mehr das Hacker-Kollektiv Anonymous.

Anonymous hackt «IS»-Profile. Statt Propaganda gibt's jetzt Gay Pride und Schwulen-Pornos



«Hello World. It's time I share with you a little secret...I'm Gay and Proud!!»

IS-Account auf Twitter

Das ist definitiv kein Tweet, den man von einem «IS»-Profil auf Twitter erwarten würde. Die simple Erklärung: Das Twitter-Konto wurde von einem Hacker gekapert, der sich zum Hacker-Kollektiv Anonymous zählt. Den Profil-Namen hat er mit seiner Signatur «Jacked by a Ghost» ersetzt, das Profil selbst verkündet nun die Botschaft «Ich bin schwul und stolz darauf».

Doch das ist nur die Spitze des Eisberges: Dutzende Profile des sogenannten Islamischen Staates sind nach dem Attentat auf den Schwulen-Club in Orlando mit 49 Toten und 53 Verletzten gehackt worden. Statt islamistischer Hassbotschaften verbreiten sie nun Gay-Pride-Botschaften und Schwulen-Pornos – mehr könnte man die «IS»-Anhänger wohl nicht in Rage versetzen.

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Ein weiteres gehacktes «IS»-Profil zeigt, wie zwei Männer Pennis-Lutscher lecken. 

Im Netz agiert der Hacker unter dem Namen WauchulaGhost. Laut eigenen Angaben hackt er seit geraumer Zeit Profile des sogenannten Islamischen Staates auf sozialen Netzwerken, die islamistische Propaganda verbreiten.

Persönlich habe er 258 «IS»-Konten gekapert, sagte er der HuffPost. Die neuste Aktion habe er für die Opfer von Orlando getan. Gleichzeitig ruft er auf Twitter dazu auf, ihm «IS»-Profile zu melden. Er werde sich dann darum kümmern...

Im Gespräch mit CNN erklärt der anonyme Hacker, warum er und Gleichgesinnte Jagd auf «IS»-Profile machen

Nicht gegen Muslime gerichtet

Gegenüber US-Medien betont WauchulaGhost, dass seine Aktionen inklusive der Verbreitung von Gay-Pride-Nachrichten und Schwulen-Pornos nicht gegen Muslime im Allgemeinen gerichtet seien. «Unsere Aktionen richten sich gegen Dschihadisten. Viele Anonymous-Hacker sind selbst Muslime und wir respektieren alle Religionen, solange sie nicht zum Mord an Unschuldigen aufrufen», so der Hacker gegenüber Newsweek.

Dieses Statement wurde notwendig, da zahlreiche Muslime zwar den «IS-»Terror verurteilen, sich aber durch die Verbreitung von Schwulen-Pornos beleidigt fühlen. Nachdem er Nachrichten von Menschen erhalten habe, die zwar seine Absichten unterstützen, aber Mühe mit Pornographie haben, werde er auf die Verbreitung pornografischer Bilder über gekaperte «IS»-Profile verzichten.

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Gay-Pride-Nachrichten auf gekaperten «IS»-Profilen werden auch auf Arabisch verbreitet. Das ärgert die Dschihadisten, allerdings teils auch gemässigte Muslime.

Gemäss WauchulaGhost, der laut eigenen Angaben Todesdrohungen von «IS»-Anhängern erhalten hat, durchforsten hunderte Gleichgesinnte die sozialen Netzwerke nach «IS»-Profilen. Darunter seien Anonymous-Hacker und ganz normale Bürger, die «IS»-Profile melden. 

WauchulaGhost kritisierte bereits früher Twitter dafür, Propaganda-Profile zu wenig rasch zu löschen. Inzwischen habe sich die Situation verbessert und die sozialen Netzwerke würden extremistische Profile rascher deaktivieren. Ein Twitter-Sprecher sagt gegenüber CNN, man habe seit Mitte 2015 über 125'000 Profile von «IS»-Sympathisanten gelöscht.

Seinen Namen gibt WauchulaGhost aus naheliegenden Gründen nicht bekannt. Er arbeite wie jeder andere normale Typ acht Stunden am Tag in einem Büro und nehme sich am Abend Zeit dafür, Jagd auf «IS»-Profile zu machen. «Manchmal muss man einfach tun, an was man glaubt», sagte er CNN. Und weiter: «Wenn du Veränderungen willst, musst du selbst zur Veränderung beitragen, selbst wenn es illegal ist.»

Anonymous und GhostSec führen seit den Attentaten auf die Journalisten von «Charlie Hebdo» einen Krieg im Netz gegen den sogenannten Islamischen Staat. Nach den Attentaten von Paris Ende 2015 haben die Hacker ihren Kampf verstärkt und tausende angebliche «IS»-Webseiten und Twitter-Profile lahmgelegt. Inzwischen mehren sich aber die Stimmen, die kritisieren, dass dabei viele Unschuldige als «IS»-Anhänger angeprangert werden – etwa Wissenschaftler oder Journalisten, die lediglich über den «IS» schreiben.

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