Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Über die Facebook-Seite «Anonymous Kollektiv» wurde Hass verbreitet.

Anonymous.Kollektiv: Die bekannte Facebook-Hetzseite ist offline

Zwei Millionen Menschen folgten der Facebook-Seite Anonymous.Kollektiv. Darüber wurden allerdings keine Hacker-News verbreitet, sondern gegen Flüchtlinge und Migranten gehetzt. Jetzt ist die Seite nicht mehr abrufbar.



Flüchtlingshetze, rechtspopulistische Slogans und abenteuerliche Verschwörungstheorien: Auf einer vermeintlichen Anonymous-Seite wurde während Jahren eine Weltsicht verbreitet, die so gar nichts mit den Idealen des Hacker-Kollektivs zu tun hat.

Fast zwei Million Likes und Fans hatte die deutsche Facebook-Seite Anonymous.Kollektiv – Tausende davon aus der Schweiz. Gut möglich, dass ein Grossteil von ihnen gar nicht wusste, dass es sich bei der besagten Seite nicht um eine «normale» Anonymous-Gruppe handelt, sondern um eine von rechtspopulistischen Kreisen vereinnahmte Seite. Damit war Anonymous.Kollektiv eine der grössten Hass-Seiten im Internet, doch nun ist sie nicht mehr abrufbar. Ob Facebook oder die Betreiber selbst dahinter stecken, ist bislang unbekannt.

Werbung für Hartgummi-Munition

Anonymous.Kollektiv behauptete von sich, so etwas wie der deutsche Ableger des Hacker-Kollektivs zu sein, war aber eigentlich nur eine fremdenfeindliche Hetzseite: Die nun gelöschte Facebook-Seite warb etwa für einen Online-Shop, der Pistolen und Gewehre für Hartgummi-Munition verkaufte und zu Gewalt gegen Flüchtlinge aufrief.

Hingegen hat das international agierende Hacker-Kollektiv Anonymous mit Fremdenhass und Pegida gar nichts am Hut: Internet-Aktivisten hatten zuletzt Webseiten des «IS» lahmgelegt. Davor standen Geheimdienste und Scientology auf der Abschussliste der Hacker.

SAN FRANCISCO, CA - AUGUST 15:  A demonstrator wears a mask during a protest inside the Bay Area Rapid Transit (BART) Civic Center station on August 15, 2011 in San Francisco, California.  The hacker group

Ein Anonymous-Anhänger demonstriert gegen die Massenüberwachung durch Geheimdienste.
Bild: Getty Images North America

Wichtig zu wissen: Anonymous ist keine geschützte Bezeichnung, jeder kann sich auf Facebook oder Twitter einen entsprechenden Account einrichten, das Anonymous-Logo mit der Guy-Fawkes-Maske platzieren und sich als Teil des heterogenen Pulks geben.

Genau das haben sich die Betreiber der Seite Anonymous.Kollektiv zunutze gemacht. Die Facebook-Seite verbreitete seit mehreren Jahren Informationen aus dem rechtspopulistischen Spektrum – alles unter dem Deckmantel des klingenden Namens. Die Medienpräsenz von Anonymous – etwa nach den Cyberattacken gegen den «IS» – half Anonymous.Kollektiv, eigene Hass-Botschaften zu verbreiteten.

«Es wird Zeit, dass Polizei- und Bundeswehrführung die Mitglieder der Bundesregierung in Berlin verhaftet. Das Vorgehen von Merkel und ihrer Sippe lässt sich getrost als Putsch von oben bezeichnen.»

Fragwürdiger Beitrag auf Anonymous.Kollektiv quelle: facebook

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde die Seite bekannt, als sie Facebook-User im vergangenen Jahr dazu aufrief, die Kommentarspalten von verschiedenen deutschen Medien mit russlandfreundlicher Propaganda zu überschwemmen. 

Die deutschen Anonymous-Aktivisten distanzierten sich anschliessend im Netz entschieden von ihrer vermeintlichen Schwester-Seite. Diese habe nichts mit den Zielen und Idealen der Bewegung zu tun und ziehe alles «in den Dreck, wofür Anonymous eigentlich steht: Meinungsfreiheit, keine Zensur, Privatsphäre.»

abspielen

Stellungnahme von Anonymous zu Anonymous.Kollektiv.
YouTube/Jb Bj

Wer hinter der angeblichen Anonymous-Seite steht, ist nicht bekannt. Ein Link verwies auf einen Account beim Social-Media-Netzwerk VK (ehemals VK Kontakte) aus Russland.

Andere Quellen lassen vermuten, dass ein ehemaliger Admin seine Mitstreiter rausgeworfen und die Seite dann von einer «echten» Anonymous-Seite in ein Tummelfeld für Flüchtlingshetze, Russlandtrolle und Geschichtsrevisionisten verwandelt hat. Laut Anonymous-Insider soll der Administrator zusätzlich Inhaber eines Unternehmens sein, das Likes gegen Geld verkauft. Dies könnte die fast zwei Millionen Fans der Seite zumindest teilweise erklären.

Die schlechte Nachricht: Kurz nachdem die Facebook-Seite vom Netz ging, tauchte eine neue «Anonymous»-Seite in ähnlicher Aufmachung auf. Die Hetzerei geht also weiter.

Authentische Anonymous-News findet man auf Anonymous News Germany(AnonNewsDE)

Bild

Auf Twitter sind zum Beispiel die Profile Group Anon und Ghost Sec Group gute Quellen für Informationen

Bild

Alles, was du über Anonymous wissen musst

Anonymous hackt «IS»-Profile. Statt Propaganda gibt's jetzt Gay Pride und Schwulen-Pornos

Link zum Artikel

Antifeminist am Facebook-Pranger: Wirklich gefährlich ist Anonymous, nicht Roosh V

Link zum Artikel

Anonymous vs. YouTuber Sam Pepper – ein packender Social-Media-Krimi in Echtzeit 

Link zum Artikel

Ex-Anonymous-Hacker: «Wir wollen neue Attentate verhindern, statt nur ‹IS›-Webseiten lahmlegen»

Link zum Artikel

Trittbrett-Fahrer: Wer Anonymous liken will, landet plötzlich bei Pegida. So geht's richtig

Link zum Artikel

Anonymous enttarnt IS-Aktivisten in Europa, die Terroristen rekrutieren sollen

Link zum Artikel

Anonymous prangert an: Macht eine US-Firma die Webseiten des IS unverwundbar?

Link zum Artikel

«Was wollen sie hacken?» – so reagiert der IS auf Anonymous' Kriegserklärung

Link zum Artikel

Anonymous-Hacker greifen den Ku-Klux-Klan an: Der Auf- und Abstieg der rassistischen Kapuzenmänner

Link zum Artikel

ISIS im Schritt – wie Anonymous und die Twitter-Gemeinde die Islamisten aufs Korn nehmen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Hacker-News auf watson

«Ihr habt nicht begriffen, wie das Internet funktioniert!» – ein Student zeigt, wie leicht wir im Netz überwacht werden

Link zum Artikel

«Ich bin schon in mehrere Atomkraftwerke eingebrochen»

Link zum Artikel

Das sind die 10 gefährlichsten Programme, die du auf deinem Windows-PC oder Mac haben kannst

Link zum Artikel

«Wenn ich eine andere Identität vortäusche, kann ich in das Leben einer Person eindringen»

Link zum Artikel

Was passiert, wenn Autos gehackt werden? Hacker zielen auf neuartige Sicherheitslücken

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

(oli/wst)

Na? Mies gelaunt und im Pendlerstress? Bei diesen Zug-Durchsagen musst selbst du lachen

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Threema ist das neue WhatsApp – und schlägt die Konkurrenz um Längen

Wer hätte gedacht, dass die weltbeste Messenger-App nicht aus dem Silicon Valley kommen würde, sondern vom Zürichsee. Eine persönliche Analyse.

Seit acht Jahren befasse ich mich mit dem sicheren Schweizer Messenger Threema. Den ersten Artikel dazu publizierte ich im Dezember 2012. Titel: «Die Schweizer Antwort auf WhatsApp». Die damalige erste App gab's nur fürs iPhone, und sie war zum Start gratis. Im Interview versprach der Entwickler, Manuel Kasper, die baldige Veröffentlichung einer von vielen Usern geforderten Android-Version. Und:

Er hielt Wort. Im Gegensatz zu WhatsApp.

Einige dürften sich erinnern, dass es ein gleiches …

Artikel lesen
Link zum Artikel