Unterwegs zocken, aber ohne Abstriche bei Spielauswahl und Grafik. Dass sich unzählige Gamer genau das wünschen, zeigt der Erfolg von Nintendos Switch-Konsole. Die steht mit 124 Millionen verkauften Einheiten aktuell auf Platz 3 der ewigen Hardware-Charts.
Klar ist aber auch: Next-Gen-Konsolen und High-End-PCs sind für Gamer mit hohen Ansprüchen alternativlos. Nur dass man die nicht mal eben in den Rucksack stecken und unterwegs anwerfen kann. Seit rund einem Jahr gibt es nun das Steam Deck von Valve, das einen ruckeligen Start mit einigen Kinderkrankheiten hinlegte, sich aber inzwischen eine solide Fanbase erarbeitet hat. Das schreit geradezu nach Mitbewerbern, die aus den Fehlern der Konkurrenz lernen und versuchen, ein Stück vom Kuchen abzubekommen.
Genau das hat nun der Hardware-Hersteller Asus vor. Dessen überraschend angekündigtes und ab sofort erhältliches Handheld ROG Ally soll PC-Spieler von den Fesseln des heimischen Schreibtischs und sündhaft teurer Gaming-Notebooks befreien. Kann das klappen? Wir haben uns das Device näher angesehen.
Während auf dem Steam Deck das alternative Betriebssystem Linux arbeitet, ist auf dem Asus-Modell Windows 11 vorinstalliert. Das ist eine Unabhängigkeitserklärung gegen abgeschottete Plattformen und Systeme. Denn auf dem ROG Ally kann man grundsätzlich alles installieren, was unter Windows läuft: Discord und Twitch für die Kommunikation mit Freunden, Netflix und Spotify für gute Unterhaltung und notfalls auch Office- und Mail-Programme, wenn man unterwegs denn unbedingt arbeiten will oder muss.
Doch natürlich geht es hier primär um Games. Die werden heute zunehmend digital gekauft, über Plattformen wie Steam, Ubisoft Connect, Epic Games oder GOG. Oder man nutzt ein Abo wie den Xbox Game Pass, der trotz seines Namens nicht nur Konsolen-, sondern auch Windows-Spiele im Line-up hat. Alle Konten, die eigene Spielesammlung sowie sämtliche andere Einstellungen werden über die App Armory Crate SE verwaltet, die sich über eine Taste an der rechten Seite des Monitors aufrufen lässt. Noch schnelleren Zugriff auf all das bietet das Command Center, das über eine Taste links neben dem Monitor aufrufbar ist.
Darüber lassen sich Helligkeit, Bildwiederholungsrate und überhaupt alles von der Sensibilität der Steuerungseinheiten bis zum haptischen Feedback den individuellen Vorlieben entsprechend anpassen.
Mit den Massen 280 x 111 x 21,2 mm und einem Gewicht von etwas mehr als 600 Gramm ist der Asus-Handheld ziemlich kompakt. Umso erstaunlicher, dass selbst aktuelle Spiele wie «Minecraft Legends», «Ravenlock», «Forza Horizon» oder komplexe Rollenspiele wie «Pathfinder: Kingmaker» ganz geschmeidig laufen. Das liegt an dem verbauten Hauptchip AMD Ryzen Z1 und einem Arbeitsspeicher von je nach Modell bis zu 16 GB. Der maximal 512 GB grosse Speicherplatz für Apps lässt sich über einen Speicherkarteneinschub schnell und kostengünstig erweitern. Das 7 Zoll grosse Touchscreen-Display bietet Full HD bei 120 Hz, 500 Nits Helligkeit und eine Reaktionszeit von 7 ms. Auf der Frontseite befinden sich ausserdem zwei Dual Speaker mit Dolby Atmos. Via Bluetooth lassen sich Peripheriegeräte vom Game-Controller bis zur Tastatur drahtlos verbinden.
Damit positioniert sich das ROG Ally deutlich vor dem Steam Deck und noch deutlicher vor der technisch inzwischen arg ins Hintertreffen geratenen Switch. Der für die Schweiz bestätigte Kaufpreis von 799 CHF scheint da angemessen, zumal man ja alle bereits digital gekauften Spiele auf der neuen Plattform nutzen kann. Allerdings kann es hier und da zu kleinen Kompatibilitätsproblemen kommen. Bei manchen Titeln verschwindet zum Beispiel der Rand des Windows-Fensters nicht. Manche Schriften sind mangels Grösse schlecht lesbar, manchmal lassen sich Buttons nicht über die Hardwaresteuerung betätigen, sondern nur über den Touchscreen. Einiges, aber sich nicht alles, wird sich durch Firmeware-Updates beheben lassen. Es gibt eben einfach PC-Spiele, die sich nicht für den kleinen Bildschirm eignen.
Ärgerlicher sind schwer nachvollziehbare Designentscheidungen. So liegt das ROG Ally, wenn man es nicht in der Hand hält, vollkommen plan auf. Es wäre sicher besser gewesen, die Einfassung der Schultertasten etwas gewölbt zu gestalten, damit das Display dem Spieler leicht zugeneigt und damit besser erkennbar ist. An der Rückseite gibt es zudem keinerlei ausklappbaren Aufsteller, wie man das von der Switch kennt. Der im Lieferumfang enthaltene Ständer ist aus billigem Kunststoff und bietet keine Möglichkeit der Nachjustierung. Zweiter Hauptkritikpunkt ist die Konnektivität. Neben dem USB-C-Port zum Aufladen befindet sich nicht etwa ein HDMI-Anschluss, sondern ein Port für eine externe, gesondert erhältliche Grafikkarte.
Die empfiehlt Asus für den stationären Betrieb. Neben mehr Leistung bekommt man dann auch Anschlüsse für externe Displays – zu entsprechenden Mehrkosten. Man kann sich allerdings mit einer um 40 CHF erhältlichen Docking-Station behelfen, die es bereits für das Steam Deck gibt. Damit wird das ROG Ally kurzerhand zur stationären Konsole. Das funktioniert sogar mitten in einer Spielsession – grossartig!
PC-Spieler bekommen nun also endlich mehr Freiheit beim Zocken. Auch die Leistungsdaten sprechen für sich. Es macht einfach wahnsinnig Spass, auf Reisen im Zug, in der Mittagspause auf der Arbeit oder ganz entspannt auf dem heimischen Balkon spielen zu können! Da gräbt man gerne auch den einen oder anderen älteren Titel aus der digitalen Spielebibliothek wieder aus.
Das ROG Ally Z1 Extreme wird in der Schweiz ab dem 13. Juni 2023 für 799 CHF erhältlich sein.