Vor genau fünf Jahren verblüffte Sony die Tech- und Autowelt und zeigte aus dem Nichts den Prototyp eines Elektroautos. Ab sofort kann es online vorbestellt werden, allerdings vorerst nur in Kalifornien.
Der Afeela 1 kommt in zwei Varianten, die ab 90'000 und ab 103'000 US-Dollar starten, wie Sony und Honda am Montag an der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas gemeinsam verkündeten.
Das erste Elektroauto von Sony Honda Mobility ist eine 4,92 Meter lange, 1,9 Meter breite und 1,46 Meter hohe Oberklasse-Limousine – vergleichbar mit Modellen wie Tesla Model S, BMW i5, Audi A6 und Mercedes EQE. Für den Allradantrieb sorgen zwei 180 kW starke Motoren (2 × 245 PS). Die 91-kWh-Batterie soll eine Reichweite bis 480 Kilometer nach der vergleichsweise realistischen US-Norm EPA ermöglichen. Nach der bei uns gebräuchlichen WLTP-Norm wären dies rund 570 Kilometer, die aber nur im Idealfall erreicht werden.
Aufgeladen wird laut Datenblatt mit bis zu 150 kW, was in diesem Preissegment sehr bescheiden wäre. Sony und Honda legen den Fokus aber nicht auf Leistung und Reichweite, sondern auf Unterhaltungselektronik und teilautonomes Fahren.
Das Auto verfügt über grosse Bildschirme, die sich über die gesamte Breite des Armaturenbretts erstrecken, 40 Sensoren für halbautonomes Fahren (Kameras, Lidar, Radar und Ultraschall) und einen für Unterhaltung optimierten Innenraum. So zeigt der extrem breite Touchscreen nicht nur das Navi oder Multimedia-Inhalte an, er ermöglicht auch Videospiele.
Die Darstellungen auf den grossflächigen Displays werden mithilfe der Unreal Engine realisiert – so wie es sich für ein Playstation-Car geziemt. Beim teureren Modell können auch die Passagiere im Fond das Unterhaltungssystem mit diversen Apps auf eigenen Bildschirmen nutzen.
Im Afeela 1 dreht sich von A bis Z alles um Technik und KI: Das Lautsprechersystem verwendet Sonys 360 Spatial Sound für dreidimensionalen Klang. Speziell ist auch die Geräuschunterdrückung im Innenraum, die das Unterhaltungserlebnis optimieren soll.
Die Kontrolleinheit für die Fahrerassistenzsysteme hat eine extreme Rechenleistung von 800 TOPS. Diese wird genutzt, um die Daten der 40 Kameras und Sensoren für halbautonomes Fahren zu verarbeiten. Was unglaublich toll klingt, ermöglicht schlussendlich aber doch nur teilautomatisiertes Fahren auf Level 2+; das können andere ebenfalls.
Mit dem Auto spricht Sony also ein technikaffines Publikum mit dickem Portemonnaie an. So lässt sich das Geräusch der E-Motoren personalisieren und man soll sich in K.I.T.T.-Manier mit der Karre unterhalten können (siehe folgendes Video). Zumindest in asiatischen Ländern könnte dies gut ankommen.
Als Bonus gibt es einen aktiv ausfahrenden Heckspoiler und ein schmales Display an der Front, das Infos wie den Ladestatus anzeigen soll. Ein Gimmick, das andere Hersteller schon vor Jahren gezeigt haben.
Das über 100'000 Dollar teure Modell Afeela 1 Signature soll ab 2026 in den USA ausgeliefert werden, auf das günstigere Modell Afeela 1 Origin (ab 90'000 Dollar) müssen Interessenten bis 2027 warten. Der Kaufpreis enthält ein dreijähriges Abo für verschiedene Online-Fahrzeugfunktionen, Details dazu sind noch nicht bekannt. Danach wird man offenbar zur Kasse gebeten.
Die Elektro-Limousine wird in den USA produziert und vom Gemeinschaftsunternehmen Sony Honda Mobility unter der neuen Marke Afeela vertrieben. Der Afeela 1 ist zunächst nur in Kalifornien reservierbar, dem mit Abstand grössten Markt für E-Autos innerhalb der USA. Reservierungen sollen bald auch ausserhalb Kaliforniens möglich sein. Erst 2027 wird der Stromer nach Japan kommen, ein für E-Autos besonders hartes Pflaster. Ob und wann ein Europastart geplant ist, blieb zunächst unklar.
Apple ist mit dem Apple Car gescheitert. Sony und Honda wollen es besser machen. Ob die Playstation auf Rädern mit dem 100'000-Dollar-Preisschild viele Kundinnen und Kunden finden wird, muss aber bezweifelt werden. 2020 wäre der Afeela 1 interessant gewesen, inzwischen wartet aber vermutlich kaum noch jemand auf ein E-Auto von Sony und Honda, zumal japanische Hersteller bis dato kein erfolgreiches E-Auto zustande gebracht haben.
Wie man als Tech-Konzern von Erfolg gekrönte E-Autos baut, zeigt derweil Xiaomi. Das erste E-Auto SU7 des Smartphone-Herstellers verkaufte sich bereits im ersten Jahr über 135'000 Mal. Den mit modernster Technik vollgestopften Stromer gibt es in China ab umgerechnet 26'800 Franken. Für Sony wird es schwierig.