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China will nicht, dass du diese Kunst zu Putin und Xi Jinping siehst

Der chinesische Künstler Badiucao prangert Menschenrechtsverletzungen durch Xi Jinping an.
Der unerschrockene Regimekritiker vor seinem Werk «Winnie the Xi Jinping».Bild: watson

Chinas langer Zensur-Arm reicht bis nach Europa – Badiucao hält unermüdlich dagegen

Badiucao prangert unerschrocken Missstände in Politik und Gesellschaft und den verbrecherischen Krieg gegen die Ukraine an. Das Regime in Peking geht deshalb sogar in Europa gegen ihn vor.
07.07.2023, 09:0521.12.2023, 09:37
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Dass in China rigorose Zensur herrscht, ist allgemein bekannt. Doch die staatlichen Massnahmen zur Unterdrückung der Meinungsfreiheit reichen weit über die Landesgrenzen hinaus – bis nach Europa. Dies zeigt der Fall des chinesischen Künstlers und Aktivisten Badiucao.

In Shanghai geboren, flüchtete der Chinese, der seinen richtigen Namen nicht nennen will, in jungen Jahren ins Ausland. Er fand in Australien eine zweite Heimat und prangert seither unermüdlich Chinas Verbrechen gegen die Menschlichkeit und das Gebaren der Machthaber an.

Mit seinen regimekritischen Drucken und Gemälden, Installationen und Strassenaktionen hat sich Badiucao weltweit einen Namen gemacht. Er konzentriert sich auf aktuelle und frühere Menschenrechtsverletzungen, wie etwa die Verfolgung der Uiguren oder das Tian'anmen-Massaker von 1989.

Dass sich Xi Jinping auf die Seite Putins stellt beim verbrecherischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, will Badiucao ebenso wenig hinnehmen, wie ihm diktaturfreundliche westliche Politiker und gierige Wirtschaftsführer ein Graus sind.

Zwei Demokratiefeinde als Menschenfresser

Ein ukrainischer Journalist brachte es auf den Punkt:

«Diese beiden autoritären Herrscher sind für viele der Verbrechen und Todesfälle verantwortlich, die in den letzten Jahren geschehen sind und heute noch passieren. Das grösste davon ist der Krieg gegen die Ukraine, auf den sich Wladimir Putin seit seinem ersten Tag als Präsident der Russischen Föderation vorbereitet hat. Und das chinesische Regime unter der Führung von Xi Jinping ist dabei einer seiner wichtigsten Helfer.»
quelle: sfg.media
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Dass Badiucao die beiden Herrscher als Kannibalen porträtiert hat, mache durchaus Sinn, so der Journalist:

«Um an der Macht zu bleiben und die Macht nicht zu verlieren, muss man töten: Häuser in die Luft sprengen, um die Invasion zu rechtfertigen. Politische Rivalen eliminieren, um an der Macht zu bleiben. Freiheiten beseitigen, damit man nicht kritisiert wird (...).

Alle diese Aktionen stehen immer in direktem Zusammenhang mit menschlichen Verlusten und Todesfällen. Und wenn all dies nicht geschieht, verliert der Autokrat einfach seine Macht (im besten Fall für ihn) oder verschwindet. Deshalb muss er ständig ‹essen›. Er braucht ständig Blut.»

Zwei Köpfe, eine Marschrichtung

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Die russisch-chinesische «Friedenstaube»

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Auch den bei seinem China-Besuch auffällig unkritischen französischen Staatspräsidenten hat sich Badiucao vorgeknöpft

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Peking will Ausstellung in Europa verhindern

In diesem Frühjahr sollte die erste Badiucao-Ausstellung in Polen stattfinden, präsentiert unter einem an den Propaganda-Slogan angelehnten Titel «Tell China’s Story Well» («Erzählen Sie Chinas Geschichte gut»). Es ging also darum, den vom Regime in Peking verbreiteten Narrativen kritische Kunst entgegenzusetzen, «eine andere Geschichte zu erzählen», wie es im Beschrieb der polnischen Aussteller heisst:

«Eine Geschichte über anhaltende Menschenrechtsverletzungen, die Manipulation der geschichtlichen Erinnerung an die Ereignisse auf dem Platz des Himmlischen Friedens von 1989, die Zensur chinesischer Bürger während der Covid-19-Pandemie, die erzwungene kulturelle Assimilation der Uiguren und Proteste, bei denen Einwohner Hongkongs gegen die Regierungspolitik kämpften, und die beunruhigende Beziehung zwischen China und Russland angesichts des Krieges in der Ukraine.»

Wie zu erwarten, missfiel das Vorhaben dem chinesischen Staatsapparat und so wurde versucht, auf diplomatischem bzw. politischem Weg die Ausstellung zu verhindern.

Ein hochrangiger Vertreter der chinesischen Botschaft besuchte das Schloss Ujazdowski in Warschau, in dem sich das Zentrum für Zeitgenössische Kunst befindet, und forderte die sofortige Schliessung der Ausstellung, wie es heisst.

«Die Ausstellung ist voller Vorurteile und Lügen, greift Chinas Innen- und Aussenpolitik bösartig an, schädigt Chinas nationales Image ernsthaft, verletzt die Gefühle des chinesischen Volkes und führt die Wahrnehmung Chinas durch das polnische Volk in die Irre.
(...)
Wir fordern die zuständigen Organisationen auf, wirksame Massnahmen zu ergreifen, um die Durchführung von Ausstellungen einzustellen, keine Werbung für antichinesische Kräfte zu machen und ernsthaft die gesunde und stabile Entwicklung der chinesisch-polnischen Beziehungen aufrechtzuerhalten.»
Auszug aus einem chinesischen Protestschreiben, veröffentlicht auf der Website der Botschaftquelle: pl.china-embassy.gov.cn (übersetzt mit google translate)

Ausserdem seien Briefe an das polnische Ministerium für Kultur und nationales Erbe geschickt worden, in denen es um «eine zensorische Einmischung» ging, legten die Betreiber des Kunstzentrums offen. Gleichzeitig sei ihre Website in China von den dortigen Behörden gesperrt worden.

Man interpretiere diese Massnahmen «als Akte präventiver Zensur» und protestiere entschieden dagegen, hielten die Museumsbetreiber in ihrer Stellungnahme fest.

«Wir ermutigen auch alle, für die Rede- und Meinungsfreiheit wertvoll ist, den Künstler und unsere Institution zu unterstützen, vor allem durch die Teilnahme an der Vernissage sowie alle möglichen anderen Aktivitäten, die dazu beitragen, den freiheitsfeindlichen Druck zu stoppen.»

Die Ausstellung konnte durchgeführt werden.

Badiucao lässt sich nicht einschüchtern

Erst kürzlich wurde in London eine Ausstellung eröffnet, die sich mit Pekings weitreichenden Zensurbemühungen befasst. Unter dem Titel «Banned by Beijing» wird die «grenzüberschreitende Unterdrückung» der regimekritischen Kunst durch die Kommunistische Partei thematisiert.

«Verboten durch Peking» – Ausstellung in der Kirche Saint John’s im Londoner Stadtteil Waterloo.
«Verboten durch Peking» – Ausstellung in der Kirche Saint John’s im Londoner Stadtteil Waterloo.

Einer der chinesischen Kunstschaffenden, die auf Initiative der Non-Profit-Organisation Index on Censorship in der britischen Hauptstadt ausstellen und an der Vernissage über ihre schwierige Arbeit im Exil erzählten, ist Badiucao.

Die Kuratorin beschreibt ihn wie folgt:

«Badiucao ist ein chinesisch-australischer Künstler und Menschenrechtsverteidiger. Er ist nicht nur Schikanen und Verleumdungskampagnen ausgesetzt, sondern war auch mehrfach mit Versuchen konfrontiert, seine Arbeit zu zensieren, unter anderem in der Tschechischen Republik, in Italien und zuletzt in Polen.»

Die Ausstellungs-Initianten lassen auf ihrer Website auch eine China-Analystin und Menschenrechts-Expertin zu Wort kommen, die gebürtige Uigurin Nyrola Elimä:

«Ich hätte nie gedacht, dass Menschen in Europa zensiert werden. Ich hätte nie gedacht, dass China einen so langen Arm haben würde, um jemandem die Kehle zuzuschnüren. Man kann ihn nicht physisch sehen, aber man weiss, dass er da ist.»
quelle: indexoncensorship.org

Wie du Badiucao helfen kannst

Wer den chinesisch-australischen Aktivisten bei seinem künstlerischen Kampf gegen Chinas Menschenrechtsverletzungen unterstützen möchte, wird bei badiucao.com fündig. Auf seiner persönlichen Website können digitale Kunstwerke erstanden werden. Ausserdem hat der Künstler auch eine Patreon-Seite, wo man ihm Spenden zukommen lassen kann.

Quellen

China veröffentlicht Aufnahmen des (vermutlich) einzigen Albino-Pandas

Video: watson/lucas zollinger
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Video: watson
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25 Kommentare
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Swen Goldpreis
07.07.2023 09:31registriert April 2019
Bitte auch eine Ausstellung in der Schweiz!
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Pat da Rat
07.07.2023 09:33registriert Mai 2022
Treffender könnte man Xi und Putin kaum darstellen. Dank und Respekt dem mutigen Künstler.
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Kenshiro
07.07.2023 09:25registriert Dezember 2017
Folge ich schon seit längerem, sehr gute Kunst! Genau auf den Punkt gebracht. Die Chinesen weiterhin, mimimi.
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