Die Forschungsstelle sotomo hat im Auftrag der Stiftung Sanitas Krankenkasse zum fünften Mal seit 2018 untersucht, was die Digitalisierung und zunehmende Datenerfassung bei uns auswirkt. Hier präsentieren wir euch die wichtigsten Erkenntnisse der heute veröffentlichten Studie «Datengesellschaft und Solidarität» (Methodik in Infobox ganz unten):
Der digitale Wandel schreitet ungebremst voran. Doch diese Veränderung wird von den Umfrageteilnehmern erstmals kritischer gesehen. Von 2018 bis 2021 stieg die Zustimmung jeweils an. Dieser Trend wurde nun gestoppt. Die Macher der Studie halten fest: «Der Optimismus scheint abgekühlt.» Jüngere sehen im Wandel nach wie vor mehr Chancen als die älteren Generationen.
Der Computer übernimmt immer mehr Arbeiten in unserem Alltag. Trotzdem glauben die wenigsten der Studienteilnehmenden, dass sie in absehbarer Zeit im Job durch eine Maschine ersetzt werden.
Dass der Computer allerdings weiter Einzug in ihren beruflichen Alltag hält, glauben immerhin vier von zehn Erwerbstätigen. Dieser Wert geht im Vergleich zu den letzten Jahren etwas zurück. Die Angst, dass man wegrationalisiert wird, ist also kleiner geworden.
Allerdings unterscheidet sich die Einschätzung je nach Bildungsgrad. Wer eine tertiäre Bildung absolvierte, ist sich seines Jobs sicherer. Hier spielt der Spezialisierungsgrad die entscheidende Rolle.
Was ebenfalls ein wichtiger Grund für die Einschätzung ist, ist der Tätigkeitsbereich. Mitarbeiter in der Beratung und dem Verkauf sehen sich deutlich eher durch Roboter/Computer bedroht, was auf die immer beliebteren Online-Shops zurückzuführen ist. Bei sozialen Berufen oder Tätigkeiten im Bildungsbereich glauben die Befragten, dass menschliche Präsenz deutlich schwieriger zu ersetzen ist.
Die Digitalisierung führt im Wirtschaftsleben zu mehr Ungleichheit. Dieser Aussage stimmen 18 Prozent der Befragten zu, weitere 52 Prozent sehen dies zumindest teilweise als richtig an. Bei der Frage nach Gewinnern und Verlierern sind die Ansichten ziemlich klar verteilt:
In zwei Bereichen wird die klare Aufteilung aber durchbrochen: «Bequeme stehen gemeinsam mit den Leistungswilligen auf der Gewinnerseite. Die Digitalisierung erleichtert das Leben in vielen Bereichen und macht vieles einfacher.»
Kranke stehen im Gegensatz zu Gesunden zwar ebenfalls auf der Verliererseite, aber der Unterschied ist eher klein. Genau wie Bequeme können auch Kranke von gewissen Vorzügen der Digitalisierung profitieren. Warum sie aber insgesamt trotzdem als Verlierer angeschaut werden, kann laut den Studienmachern nicht abschliessend beantwortet werden: «Auffallend ist aber, dass ältere Personen und solche, denen es gesundheitlich nicht gut geht, die Kranken eher auf der Verliererseite sehen. Es lässt sich also sagen, dass die eigene Betroffenheit nicht Zuversicht erzeugt, sondern die negative Wahrnehmung verstärkt.»
Das Aufzeichnen von Aktivitäten und Zuständen hat sich in den letzten Jahren in vielen Bereichen stabilisiert. Entscheidend ist hier auch die Verbreitung von Trackern. Anzahl Schritte können mit dem Smartphone gemessen werden. Dadurch wird das Aufzeichnen deutlich erleichtert. Braucht es ein zusätzliches Gerät, wie beispielsweise eine Smartwatch, nimmt die Häufigkeit der Messungen ab.
Dass aber auch Schrittezählen nicht von mehr Leuten gemacht wird, zeigt, dass selbst die Beiläufigkeit nicht genügt, dass daraus eine quasi-universelle Praxis wird wie etwa der Austausch von Textnachrichten.
Das Aufzeichnen des Menstruationszyklus wird bei mehr als der Hälfte der jungen Frauen gemacht. Das digitale Aufzeichnen kann über einen digitalen Periodenkalender erfolgen, was auf jedem Smartphone möglich ist. Die Messung führt bei rund zwei Dritteln der Frauen zu einer Verhaltensänderung.
Weniger ausgeprägt ist dies bei den 41 Prozent, welche Schritte messen. Die Hälfte davon (20 Prozent) hat sein Leben aufgrund dieser Daten angepasst.
Die aufgezeichneten Gesundheits- und Aktivitätsdaten würde die grosse Mehrheit mit Hausärzten und medizinischen Spezialisten teilen. Der Versicherung/Krankenkasse würden diese nur rund 20 Prozent weiter geben wollen.
Von diesem Fünftel wiederum ist knapp die Hälfte der Meinung, dass «Personen, die sich fit halten und sich gesund ernähren, weniger Krankenkassenprämien als andere zahlen sollen.» So eine Unterteilung ist aber nur möglich, wenn die Daten auch tatsächlich geteilt werden. Eine entsprechende Anpassung erhielt seit dem Höchststand 2020 (53%) in den letzten zwei Jahren weniger Unterstützung (aktuell 47%).
Die Studienautoren nennen als Grund für die hohe Zustimmung an angepassten Krankenkassenprämien: «Heute geben 42 Prozent der Befragten an, dass sie einen gesünderen Lebensstil pflegen als andere Menschen in ihrem Alter, während nur 14 Prozent angeben, dass sie sich ungesünder verhalten als andere. Man neigt also dazu, das eigene Verhalten im Vergleich zum Durchschnitt zu überschätzen, was zu einem Überschuss an Personen führt, die sich vermeintlich besonders gesund verhalten. In dieser Gruppe von Befragten ist die Zustimmung zu verhaltensabhängigen Prämien besonders hoch: 62 Prozent der Personen, die vermeintlich besonders gesund leben, sind dafür. Bei denen, die vermeintlich weniger gesund leben, sind es nur 29 Prozent.»