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Twitter-Konkurrent ist da: Facebook-Konzern Meta veröffentlicht Threads

Screenshots zu Instagram Threads, der Twitter-Alternative des Facebook-Konzerns, die allerdings noch nicht in Europa verfügbar ist. (5. Juli 2023)
Um Threads nutzen zu können, benötigt man ein Instagram-Login: Postings dürfen maximal 500 Zeichen lang sein, Videos bis zu 5 Minuten.Screenshot: instagram.com

Neue Instagram-App Threads entpuppt sich als «Datenschutz-Albtraum» – das musst du wissen

Der Facebook-Konzern Meta hat in der Nacht auf Donnerstag seine Twitter-Alternative «Threads» in mehr als 100 Ländern an den Start gebracht. Europa bleibt aussen vor.
06.07.2023, 06:1106.07.2023, 14:51
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Viele Twitter-Nutzerinnen und -Nutzer sind seit der Übernahme des Dienstes durch Elon Musk unzufrieden. Nun wird sich zeigen, ob Mark Zuckerberg mit seiner App «Threads» eine Alternative etablieren kann. In Europa ist der Twitter-Klon allerdings vorerst nicht verfügbar.

This photo, taken in New York on Wednesday, July 5, 2023, show the logo for Meta's new app Threads, left, and that of Twitter. Meta is poised to unveil the new app that appears to mimic Twitter ? ...
Der unter Elon Musk in die Krise geratene Kurznachrichtendienst Twitter hat einen mächtigen neuen Konkurrenten.Bild: keystone

Für wen gibt's Threads?

Für weite Teile der Welt, aber nicht für Europa.

Instagram teilte mit:

Wir führen Threads heute in mehr als 100 Ländern für iOS und Android ein, und Menschen in diesen Ländern können die App im Apple App Store und Google Play Store herunterladen.
quelle: about.instagram.com

In Staaten der Europäischen Union (EU), aber auch in der Schweiz, ist Threads nicht verfügbar – der US-Konzern verweist auf ungeklärte regulatorische Fragen.

Es bleibt offen, wie schnell sich das ändern könnte. Man werde laufend prüfen, die App auch in Europa anzubieten, lässt der amerikanische Social-Media-Konzern verlauten.

Wo ist das Problem?

Mit Blick auf die Europäische Union (EU) verwies Instagram-Chef Adam Mosseri darauf, dass es kompliziert sei, «einige Gesetze einzuhalten, die im kommenden Jahr greifen werden». Man habe in Europa keine App auf den Markt bringen wollen, die nicht zukunftssicher sei, sagte er dem Techblog The Verge. Mosseri dürfte damit den Digital Markets Act meinen, der striktere Regeln für die grossen Online-Plattformen festlegt. Unter anderem wird die Zusammenführung von Daten aus verschiedenen Diensten schwieriger.

Tatsächlich erschweren die relativ strengen Regeln der europäischen Datenschutzgrund­ver­ordnung DSGVO, die indirekt auch in der Schweiz gelten, das Datensammeln. Grosse US-amerikanische Datenkraken wie der Meta-Konzern oder auch Google (Alphabet) mussten wegen Zuwiderhandlungen bereits hohe Geldstrafen bezahlen.

Wie sind die Erfolgschancen der neuen App?

Das ist schwer zu sagen.

Threads ist an Metas populäre Foto- und Video-App Instagram angebunden und gilt als potenziell aussichtsreichste Konkurrenz für Twitter. Grund ist ein Startvorteil: Meta kann für seine Twitter-Kopie von Anfang an auf bereits bestehende Verbindungen zwischen mehr als einer Milliarde Usern zurückgreifen. Bei anderen Twitter-Konkurrenten wie Bluesky und T2 müssen solche Verknüpfungen erst neu entstehen.

Laut Meta-Chef Mark Zuckerberg kamen gleich in den ersten zwei Stunden nach Veröffentlichung der App zwei Millionen Nutzerinnen und Nutzer auf die Plattform.

FILE - Facebook CEO Mark Zuckerberg speaks at the Paley Center in New York, Oct. 25, 2019. The nonprofit that distributed most of the $350 million in donations from Facebook founder Mark Zuckerberg to ...
Meta-Boss Mark Zuckerberg.Bild: keystone

Der Facebook-Konzern hat wiederholt Dienste und Funktionen von Rivalen kopiert, blickt dabei aber auf eine gemischte Bilanz. Mit dem bei der Foto-App Snap erfundenen Stories-Format, in dem User «Freunden» Bilder und Videos für einen Tag zeigen können, funktionierte das hervorragend.

Auch die «Reels» genannten Kurzvideos, mit denen Instagram und Facebook die populäre App TikTok kopieren, legen bei den Nutzungszahlen zu. Dagegen gelang es dem Meta-Konzern trotz mehrerer Versuche nie, einen Konkurrenten zu Snapchats selbstlöschenden Videos zu etablieren.

Wie funktioniert Threads?

Instagram-User können für Threads einfach ihr bestehendes Profil (also das Instagram-Login) verwenden, um sich bei der neuen Anwendung anzumelden.

Text-Beiträge bei Threads können bis zu 500 Zeichen lang sein und Links, Fotos sowie bis zu fünf Minuten lange Videos enthalten. Zum Vergleich: Beim 2006 gestarteten Twitter lag die Text-Grenze ursprünglich bei 140 Zeichen und wurde später auf 280 Zeichen verdoppelt.

Neben den Accounts, denen sie folgen, sollen Nutzerinnen und Nutzer von Threads auch «empfohlene Inhalte» von anderen Profilen in ihren Feed gespielt bekommen, wie es in einem Blogeintrag von Meta heisst. Die Beiträge werde dabei nicht in chronologischer Reihenfolge angezeigt, sondern von einem Algorithmus automatisch geordnet.

Zunächst gibt es keine Möglichkeit, sich nur Inhalte aus den Threads-Profilen anzeigen zu lassen, denen man folgt.

Ein sehr grosser Haken: Offenbar lässt sich ein Threads-Profil nur löschen, indem man den Instagram-Account löscht. Darauf weisen Kritiker bei Mastodon hin.

Bild
screenshot: mastodon

Und es gibt noch einen Haken: Vorläufig können Instagram-User Threads-Beiträge zwar in einer Web-Ansicht (ohne App) betrachten, sie aber weder teilen noch liken.

Und der Apple-Blogger John Gruber («Daring Fireball») kritisiert, die iOS-App unterstütze nur ein iPhone-Layout.

So sieht Threads auf dem iPad aus...
So sieht Threads auf dem iPad aus...screenshot: threads.net/t/CuVYKiNxmWy/
«Das sollte mich wohl nicht überraschen, wenn man bedenkt, dass die iOS-App von Instagram 13 Jahre nach dem Start das iPad immer noch nicht nativ unterstützt, aber irgendwie finde ich das doch überraschend. Es ist für die Ewigkeit ein verdammtes Rätsel, dass Instagram keine iPad-Apps entwickelt.»
John Gruber

Was ist mit dem Schutz der Privatsphäre?

Threads gehört zum Facebook-Konzern Meta, einem der grössten (privaten) Datenkraken der Geschichte.

Die Plattformbetreiber behalten sich vor, eine breite Palette von personenbezogenen Daten zu erfassen.

Das US-Medium Tech Crunch kommentiert:

«Die Threads-App von Meta ist ein Datenschutz-Albtraum»

Die App sammle möglicherweise hochsensible Informationen über die Nutzerinnen und Nutzer, um deren digitale Aktivitäten zu erfassen – «einschliesslich Gesundheits- und Finanzdaten, genauer Standort, Browserverlauf, Kontakte, Suchverlauf und andere sensible Informationen».

Angesichts der Tatsache, dass Meta sein Geld mit dem Tracking von Internet-Nutzerinnen und -Nutzern verdiene, um anschliessend deren Aufmerksamkeit über die eigenen Microtargeting-Tools für verhaltensorientierte Werbung zu verkaufen, sei dies kaum überraschend, so Tech Crunch.

Der amerikanische Techblog ruft die juristischen Probleme des Facebook-Konzerns in der EU in Erinnerung: Die von Meta behauptete Rechtsgrundlage für die Verarbeitung personenbezogener Daten von Facebook-Usern sei Anfang dieses Jahres für rechtswidrig befunden worden.

Dies werfe die Frage auf, ob Threads in der Europäischen Union überhaupt lanciert werden könne.

Ist die neue App mit Mastodon kompatibel?

Nein.

Der Meta-Konzern hat aber laut eigenen Angaben vor, Threads möglichst «bald» mit «ActivityPub» kompatibel zu machen, dem offenen Protokoll für soziale Netzwerke, das vom World Wide Web Consortium (W3C) entwickelt wurde.

Im Instagram-Firmenblog wird erklärt:

«Dies würde Threads mit anderen Apps interoperabel machen, die ebenfalls das ActivityPub-Protokoll unterstützen, wie z. B. Mastodon und WordPress – und so neue Arten von Verbindungen ermöglichen, die heute in den meisten sozialen Apps einfach nicht möglich sind.»

Die Threads-Herausgeber verweisen zudem darauf, dass auch andere Plattformen, darunter Tumblr, Pläne verfolgten, das ActivityPub-Protokoll in Zukunft zu unterstützen.

«Wir glauben, dass dieser dezentrale Ansatz, ähnlich den Protokollen für E-Mail und das Web selbst, eine wichtige Rolle in der Zukunft von Online-Plattformen spielen wird.»
quelle: about.instagram.com

Warum erfolgt die App-Lancierung gerade jetzt?

Weil Twitter am Straucheln ist.

Das US-Unternehmen kämpft seit der Übernahme durch den Techmilliardär Musk im Oktober 2022 mit Problemen. Unter anderem brachen die Werbeeinnahmen ein, mit denen sich der Kurznachrichtendienst finanziert.

Zuletzt führte Musk Beschränkungen dafür ein, wie viele Tweets die Nutzerinnen und Nutzer täglich sehen dürfen. Nach seinen Angaben soll damit verhindert werden, dass Twitter-Daten unter anderem zum Training von Software mit Künstlicher Intelligenz (ChatGPT) abgesaugt werden. Wer ein kostenpflichtiges Monatsabo abschliesst, kann nur bis zu 10'000 Tweets täglich sehen und Nutzerinnen und Nutzer ohne Abo bis zu 1000 Kurznachrichten.

Musk kaufte Twitter für rund 44 Milliarden Dollar – und räumte später ein, dass die Bewertung in Gesprächen mit Investoren inzwischen deutlich niedriger sei.

Zuckerberg zeigte sich am Donnerstag hoffnungsvoll, dass Threads mit der Zeit mehr als eine Milliarde User haben könne. Von Twitter gab es seit der Übernahme durch Musk keine Nutzerzahlen mehr, früher kam der Kurznachrichtendienst auf mehr als 300 Millionen User. Meta hat anders als Twitter in der Ära Musk keine Geldsorgen und kann sich bei Threads einen langen Atem leisten.

Kampf der Tech-Milliardäre

Mit der Rivalität zwischen Twitter und Threads sind die Weichen für ein geschäftliches Duell zwischen Musk und Zuckerberg gestellt, die immer mehr als Rivalen auftreten. Im Juni erklärten sich die beiden Tech-Milliardäre sogar zu einem Schaukampf bereit.

Nach anfänglichen Zweifeln berichtete die «New York Times» am Wochenende, ein solcher Kampf werde tatsächlich vorbereitet – allerdings sei weiterhin offen, ob er stattfinden werde. Der 39-jährige Zuckerberg trainiert mit Kampfsport-Trainern und ist sichtlich fitter als der 52-jährige Musk.

Laut Medienberichten soll Zuckerberg vor mehr als einem Jahrzehnt auch versucht haben, Twitter zu kaufen. Er sei aber von den Gründern abgewiesen worden.

Nach der Markteinführung von Threads zeigte sich Musk trotzig: Es sei unendlich besser, auf Twitter von Fremden angegriffen zu werden als sich in die «falsche Glückseligkeit» von Instagram zu begeben. Der für seine rechten Ansichten bekannte Musk hatte nach der Übernahme die Massnahmen gegen Beleidigungen und Falschinformationen gelockert.

Quellen

(dsc/sda/dpa)

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15 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Gimma 2.0 - сил
06.07.2023 07:03registriert Juni 2023
Meta ist Müll. Keine Ahnung was Musk genau macht aber bei Meta bin ich mir sicher dass die nicht sauber mit den Nutzerdaten umgehen.
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Wolf Rabe
06.07.2023 09:18registriert Februar 2015
Eine neue Zucki-App, die die Welt nicht braucht. Wird hoffentlich genauso failen wie sein "Metaverse".
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Musta Makkara
06.07.2023 07:30registriert Juni 2018
Fun fact: um einen Threads Account zu löschen muss man stand jetzt auch seinen Instagram Account löschen.

Well played, Metaf***ers.
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