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Ein Smartphone zum Aufklappen: Samsung hat das «Infinity Flex Display» vorgestellt.
Ein Smartphone zum Aufklappen: Samsung hat das «Infinity Flex Display» vorgestellt.
Bild: AP/AP

Samsung kündigt «revolutionäres» Display an – die Klapphandys kehren zurück

Uns stehen Jahre der faltbaren Bildschirme bevor. Tech-Gigant Samsung will die Massenproduktion «in den kommenden Monaten» starten.
07.11.2018, 20:5712.11.2018, 13:27

Update 12. Nov.: Lancierungsdatum und Preis könnten geleakt sein, wie The Verge berichtet. Demnächst soll Samsungs faltbares Smartphone, Galaxy F genannt, im März 2019 präsentiert werden und über 1700 Dollar kosten.

Damit zur ursprünglichen Story:

Nun ist es offiziell: Samsung lanciert 2019 sein erstes faltbares Smartphone.

Die Technologie dazu, die sich noch im Prototypen-Status befindet, nennen die Südkoreaner «Infinity Flex Display».

Zusammengeklappt ist es so gross wie ein gewöhnliches Smartphone. Aber wird es wie ein Buch aufgeklappt, eröffnet sich im Inneren auf einmal ein 7,3 Zoll (18,5 cm) grosser Bildschirm, auf dem bis zu drei Apps gleichzeitig laufen können. Das biegsame Display sei «die Basis für das Smartphone für Morgen», schwärmt Samsung-Manager Justin Denison in San Francisco.

Die Ankündigung im Video

Die faltbaren Displays wurden am Mittwochabend in einem speziell präparierten Smartphone-Gehäuse vorgeführt: Noch könne kein fertiges Mobilgerät gezeigt werden, um der Konkurrenz nicht zu viel zu verraten.

Es wurde nicht gesagt, wann das Samsung-Gerät, in dem sich ein zweiter faltbarer Bildschirm in der Grösse eines kleinen Tablets versteckt, erscheinen soll. Die Produktion der «Infinity Flex Displays» soll in den nächsten Monaten anlaufen.

Justin Denison vom Mobile Product Development bei der Präsentation.
Justin Denison vom Mobile Product Development bei der Präsentation.
Bild: AP

«Das nächste grosse Ding» im Smartphone-Markt soll nicht von Apple, sondern von Samsung aus Südkorea kommen. 2007 hatte das iPhone mit seinem grossen Touch-Display den Handy-Markt revolutioniert und das Ende der Tastaturtelefone eingeleitet. Jetzt will Samsung den nächsten Schritt mit einem Falt-Display gehen.

Auf der Bühne gezeigt wurde ein relativ klobiges Teil ...

screenshot: youtube

... das sich zu einem Mini-Tablet mit 7,3-Zoll-Diagonale aufklappen liess.

Der Samsung-Manager betonte, dass es sich bei dem klobig wirkenden Gehäuse um einen Dummy handle.
Der Samsung-Manager betonte, dass es sich bei dem klobig wirkenden Gehäuse um einen Dummy handle.

Offiziell bestätigt wurde:

  • Es gibt nicht nur ein aufklappbares Display innen, sondern auch ein «Cover-Display», vorne auf der Aussenseite. Auch dieses unterstützt Samsungs neue Benutzeroberfläche «One UI» (dazu folgt unten mehr).
  • Es sollen bis zu drei Apps gleichzeitig laufen. Diese Neuerung wurde als «Multi-Active Window» bezeichnet.
  • Die Massenproduktion soll «in den kommenden Monaten» starten.
  • Android unterstützt das neue Display-Format offiziell, wie ein Google-Vertreter versicherte. 
  • Samsung will eng mit Google und der Android-Entwicklergemeinschaft zusammenarbeiten, um «das Potenzial des neuen Formfaktors» auszuschöpfen, wie aus der am Abend verschickten Medienmitteilung hervorgeht.
  • Samsung betont, dass die Flex-Displays hunderttausendfach gefaltet werden können und dass die Ingenieure auch an rollbaren und dehnbaren Displays arbeiteten.

Die Ankündigung erfolgte zum Auftakt der zweitägigen Samsung Developer Conference, die dieses Jahr am 7./8. November im Moscone Center in San Francisco stattfindet. Das ist das Kongresszentrum, wo der grosse Rivale Apple jeweils im Juni seine alljährliche Entwicklerkonferenz WWDC abhält.

Samsung verspricht:

«Wenn Nutzer das Smartphone ausklappen, geht das App-Erlebnis nahtlos von der kleineren Anzeige auf die grössere Anzeige über. Anwender können browsen, Videos anschauen, mit anderen in Verbindung bleiben und bis zu drei Apps gleichzeitig bedienen, ohne dabei die Übersicht zu verlieren.»

Viele Details blieben bei der Präsentation des Prototypen allerdings buchstäblich im Dunkeln: Das Licht auf der Bühne war so runtergedreht, dass man fast nur die Displays leuchten sah. So blieb unklar, wie dick das zusammengefaltete Gerät wirklich ist und wie Samsung den Falt-Mechanismus gestaltete.

Später wurden bereits gewisse technische Angaben (Spezifikationen) zu den neuen Bildschirmen verraten, berichtet The Verge. So etwa die Auflösung und die Pixeldichte.

Zum Erfolg verdammt

DJ Koh, der Chef von Samsungs Mobilfunksparte, hat zwei Tage Zeit, um die rund 5000 angereisten Softwareentwickler und Partnerfirmen von seiner Zukunftsvision zu überzeugen. Denn er steht vor einem Problem. Anders als damals Apple kontrolliert er nicht das Betriebssystem seines Smartphones. Samsung setzt auf Android und ist auf Googles Unterstützung angewiesen.

Der Chef von Samsung Electronics, DJ Koh.
Der Chef von Samsung Electronics, DJ Koh.
Bild: AP

Samsungs eigenes Betriebssystem «Tizen» hat nie den Durchbruch im Smartphone-Markt geschafft. Koh muss die Entwickler auf seine Seite ziehen. Passen sie ihre Anwendungen und Apps nicht an, bleibt das Falt-Telefon eine Hülle ohne Inhalt. Samsung wird nun erst einmal einen Faltbildschirm-Simulator bereitstellen, auf dem die Entwickler ihre Produkte testen können.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass Samsung Electronics die Markennamen Samsung Infinity-Flex, Samsung Infinity-O und Samsung Infinity-U hat eintragen lassen.

2019 wird faltig 😉

Bereits 2021, so die Samsung-Marktforscher, werde die Zahl der grossen Smartphones die der gewöhnlichen Modelle übersteigen. Mit dem Falt-Phone, das immer noch in jede Anzugtasche passt, hätte Samsung dann ein attraktives Angebot.

The Verge erinnert daran, dass auch andere bekannte Hersteller an faltbaren Displays arbeiten: Auch Huawei plane angeblich, im nächsten Jahr ein faltbares Smartphone auf den Markt zu bringen. Lenovo und Xiaomi hätten ebenfalls begonnen, ihre eigenen Prototypen zu entwickeln, und LG arbeite auch an flexiblen OLED-Displays und Fernsehern.

Und wie die Südkoreaner soll auch Microsoft an einem Multi-Screen-Gerät für die Hosen- oder wohl besser Jackentasche arbeiten.

Gleich folgen weitere Neuerungen von Samsungs-Entwicklerkonferenz, doch zunächst ...

Was an der Samsung-Show negativ auffiel

  • Mehrere hochrangige Samsung-Manager, darunter DJ Koh, der Chef von Samsung Electronics, führten durch die gut anderthalbstündige Show. Leider waren die Ausführungen auf Englisch phasenweise kaum zu verstehen. 
  • Bei der via YouTube gezeigten Keynote gab es Übertragungsprobleme. Der Live-Stream geriet zwischendurch ins Stocken. Autsch! Davon kann Apple ein Lied singen.
  • Die Chatfunktion zum Livestream wurde nach rund einer halben Stunde von Samsung deaktiviert. Ob es an den negativen Kommentaren zum langweiligen Auftakt lag?

Sprachassistent Bixby wird mächtig aufgemotzt

Das hat Samsungs Sprachassistent auch bitter nötig, werden böse Zungen einwenden. Im Vergleich mit Google Assistant und Apples Siri ist Samsungs Smart-Assistent im Hintertreffen. Und dann ist da ja auch noch Alexa von Amazon.

Die wichtigsten Neuerungen:

  • Bixby soll bald vier zusätzliche Sprachen verstehen: Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Und dazu britisches Englisch (UK). Bis anhin versteht Bixby nur Akzente und Dialekte von Englisch (US), Koreanisch und Mandarin-Chinesisch.
  • Bixby soll auf mehr Geräten laufen respektive neben Smartphones und Tablets weitere Gerätekategorien erschliessen. Wie etwa Smart-Fernseher und Kühlschränke.
  • Bixby wird für unabhängige Software-Entwickler geöffnet. Samsung stellt neu eine Entwicklungsumgebung namens Bixby Developer Studio zur Verfügung. Damit sollen ganz einfach Apps programmiert werden können, die auf Samsungs Plattform für Künstliche Intelligenz (KI) aufbauen.

Samsung will 22 Milliarden Dollar in die Entwicklung Künstlicher Intelligenz investieren und in sieben KI-Zentren über 1000 Entwickler einstellen.

Die deutschsprachige Version von Bixby solle in wenigen Monaten eingeführt werden, hiess es in San Francisco. Damit wird dann auch die bislang nutzlose «Bixby-Taste» an neueren Samsung-Smartphones einen Sinn bekommen. In den USA erhielt Bixby allerdings bisher wenig schmeichelhafte Kritiken.

Der Samsung-Chef verspricht den externen Entwicklern jetzt vollen Zugriff auf Bixby. Im Bixby Developer Studio sollen sie einfach und schnell Bixby-Projekte erstellen können. Dabei werden sie von der künstlichen Intelligenz unterstützt, die Teile des Softwarecodes automatisch schreiben werde.

Samsung, betonte DJ Koh, verkaufe 500 Millionen Geräte jedes Jahr, vom Reiskocher über smarte Lautsprecher bis zum Smartphone oder TV-Gerät.
Samsung, betonte DJ Koh, verkaufe 500 Millionen Geräte jedes Jahr, vom Reiskocher über smarte Lautsprecher bis zum Smartphone oder TV-Gerät.
Bild: AP

Samsung erfindet die Benutzeroberfläche (für Handys) neu

Die neue Smartphone-Benutzeroberfläche heisst «One UI». Sie soll unter anderem:

  • Den Nutzern die Bedienung vereinfachen, indem nur die relevanten Informationen bzw. Dinge angezeigt werden.
  • den Umgang mit immer grösseren Touchscreens erleichtern.

Die neue Benutzeroberfläche soll im Januar 2019 per System-Update für die neusten Galaxy-Smartphones (S9, S9+, Note 9) kommen.

Die Entwickler-Testphase soll noch im November starten, unter anderem in Deutschland und den USA.

screenshot: samsung.com

Neue Gadgets für das Internet der Dinge (IoT)

Bis 2020 sollen alle aktuellen Geräte vernetzt sein und immer mehr von ihnen werden Bixby bekommen. Diese riesige Basis, hofft Samsung, werde für genug Interesse sorgen.

Samsung nennt seine Plattform, über die sich verschiedene Geräte ins Internet der Dinge (IoT) einbinden lassen, um sie via Smartphone und Sprache zu steuern, Smart Things.

Mit dem neu gestalteten SmartThings Developer Workspace und einer Reihe neuer Tools werde es für Entwickler von nun an einfacher sein, ihre Geräte und Anwendungen mit der offenen IoT-Plattform zu verbinden.

Die Samsung-Entwickler können ihre Apps und Dienste für die Plattform erstellen und zudem Zigbee- und Z-Wave-Geräte integrieren. Das wiederum dürfte unter anderem die Nutzer von Devolos Smart-Home-System freuen.

Samsung hatte seinen Smart-Lautsprecher Galaxy Home im vergangenen August vorgestellt. Nun wurden diverse Neuerungen und Verbesserungen angekündigt.

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA

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