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Office 365 Microsoft

Der Zürcher Datenschützer verlangt von Microsoft Auskunft zu Office 365. Bild: Shutterstock

Verstossen Lehrer und Schüler mit Microsoft Office gegen das Gesetz?

Verstossen Primarschulen und Universitäten mit dem Einsatz von Office 365 gegen das Gesetz? Nach einem Treffen mit dem Datenschutzbeauftragten des Kantons Zürich muss Microsoft Rechenschaft ablegen.



Das Wichtigste in Kürze

Wer ist betroffen?

Zahlreiche Bildungsinstitutionen in der Schweiz (und anderen europäischen Ländern) lizenzieren Microsoft-Office-Software – von Primarschulen bis zur Universität. Nun ist infrage gestellt, ob dies datenschutzrechtskonform ist.

Welche Rolle spielt der Zürcher Datenschützer?

Der Zürcher Datenschützer Bruno Baeriswyl hat sich mit seiner Fachstelle schon früher mit der Office-Software von Microsoft auseinandergesetzt und einen Leitfaden veröffentlicht (siehe unten). Nun bestätigt der Jurist gegenüber watson, dass die alarmierenden Erkenntnisse einer Untersuchung aus den Niederlanden generell auch die Verwendung von Office 365 in der Schweiz betreffen. Dabei gehe es «um die Übermittlung von Diagnosedaten an Microsoft, die für den technischen Support der Anwendung Verwendung finden».

Brisant: Gemäss der seit dem Frühjahr geltenden europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) handle es sich dabei um Personendaten, bestätigt der Datenschützer. Er betont aber, dass dies noch nicht heisse, dass die Übermittlung solcher Daten an Microsoft rechtswidrig sei.

Der Zürcher Datenschützer:

«Wir haben deshalb Microsoft aufgefordert, uns zu dokumentieren, um welche Datenkategorien es sich konkret handelt, welche Massnahmen zur Anonymisierung oder Pseudonymisierung dieser Daten getroffen werden und wie diese Datenbearbeitung im Vertragskonstrukt den Kunden transparent gemacht wird. Erst danach können wir beurteilen, ob diese Datenbearbeitungen datenschutzrechtskonform sind.»

Wie reagiert Microsoft?

watson hat Microsoft Schweiz um eine Stellungnahme ersucht. Tobias Steger, Leiter Kommunikation, schreibt:

«Wir tauschen uns seit Jahren in regelmässigen Abständen mit den Datenschutzbeauftragten von zahlreichen Kantonen aus. Im letzten Treffen mit dem Datenschutzbeauftragten des Kantons Zürich sprachen wir unter anderem auch über Diagnosedaten im Kontext von Office 365 ProPlus. Microsoft wertet Diagnosedaten einzig und allein aus, um die Sicherheit und Funktionsfähigkeit ihrer Produkte und Dienste zu gewährleisten. Weitere Informationen darüber, welche spezifischen Informationen warum empfangen werden, finden sich im öffentlich zugänglichen Artikel ‹Diagnostic Data in Office Applications›. Der Datenschutzbeauftragte hat uns gebeten, ihm weitere Informationen zuzustellen. Wir werden der Bitte des Datenschützers selbstverständlich nachkommen.»

Wie ist es so weit gekommen?

Ende November hat watson über eine Untersuchung von Datenschutz-Experten im Auftrag der niederländischen Regierung berichtet. Dabei stellte sich heraus, dass der Einsatz von Microsoft-Office-Software problematisch ist, weil dabei ungewollt personenbezogene Daten erhoben und an Microsoft-Server in den USA übermittelt werden.

Laut dem Bericht gebe es für die betroffenen Unternehmen acht Datenschutzrisiken beim Einsatz des Office-Paketes, hielt golem.de fest. Dazu zähle die illegale Speicherung von Metadaten und Inhalten, die im Falle von Behörden sogar geheimhaltungsbedürftiges Material betreffen können.

Offensichtlich sei es in der Schweiz im Bildungsbereich möglich, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um Microsoft-Office-Software datenschutzrechtskonform einzusetzen, kommentierte damals ein watson-User. Und er verwies auf einen Leitfaden des Zürcher Datenschützers (siehe unten).

Dürfen Schulen Office 365 einsetzen?

Im September 2018 hat der Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich (DSB) einen Leitfaden veröffentlicht für den Einsatz von Office 365 im Bildungsbereich. Er richtet sich an Volksschulen, Schulen der Sekundarstufe 2 und Hochschulen.

Das Problem: In dem Leitfaden steht kein Wort zur problematischen Erfassung/Übermittlung von Telemetrie- und anderen Nutzerdaten an US-Server von Microsoft.

watson wollte nach Publikwerden der niederländischen Untersuchung vom Zürcher Datenschützer wissen, ob sein Leitfaden für den Einsatz von Office 365 an Schulen durch die angeblich alarmierenden Befunde infrage gestellt sei.

Bruno Baeriswyl antwortete, dass seine Datenschutz-Fachstelle mit Microsoft Rahmenbedingungen für die Nutzung von Office 365 im Schulbereich ausgehandelt habe. Diese Bedingungen würden «nur für den Schulbereich gelten» und nicht allgemein. «Im Moment wissen wir nicht, wie weit diese Sachverhalte, die unsere Kollegen in den Niederlanden untersucht haben, auch für den Schulbereich relevant sind.»

Offenbar sind sie relevant, wie die Fachstelle nun bestätigt hat. Und der Ball liegt jetzt bei Microsoft.

An den Rahmenbedingungen zur Nutzung von Office 365 ändere sich im Moment nichts, schreibt uns Veronica Blattmann, Stellvertreterin des Zürcher Datenschützers:

«Microsoft wird uns im ersten Quartal 2019 über das Resultat ihrer Abklärungen sowie allfällige erste Massnahmen informieren.»

Der Direktor von educa.ch, Toni Ritz, teilt mit: «Wir stehen dazu im Austausch mit Privatim und haben Microsoft um eine Stellungnahme gebeten. Sobald wir diese ausgewertet haben, werden wir über das weitere Vorgehen entscheiden.»

Bleibt anzumerken, dass es sich bei Privatim um die Konferenz der schweizerischen Datenschutzbeauftragten handelt. Der Fall könnte also auch weit über die Grenzen des Kantons Zürich hinaus Folgen haben.

Der Leitfaden des Zürcher Datenschützers (PDF)

Bild

screenshot: dsb.zh.ch

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Video: watson/Knackeboul, Lya Saxer

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62Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Patrik Hodel 15.12.2018 07:16
    Highlight Highlight "Verstossen Lehrer und Schüler mit Microsoft Office gegen das Gesetz?".
    Nein, die Schüler garantiert nicht.
    Diesen wird dieser Schrott einfach vor die Nase gesetzt, statt dass endlich konsequent open source wie LibreOffice eingesetzt würde.
    • Biotop 15.12.2018 16:39
      Highlight Highlight Nebst dem Prinzip der Unschuldsvermutung gilt auch, dass Unwissenheit nicht vor Strafe schützt.
  • Silvan Marty 15.12.2018 06:03
    Highlight Highlight Da lacht man doch über das Theater, das die USA veranstalten wegen Huawei & &
    Doch die sind die grössten Datendiebe...
    Microsoft, Apple, Google arbeiten alle mit der NSA zusammen... Ha ha ha
  • Klaus07 14.12.2018 20:18
    Highlight Highlight Kann mir jemand erklären, für was all die Software-Firmen unsere Daten benötigen? Warum wird nicht einfach, durch ein Datensammlungsverbot, dieser Unsinn gestoppt?
  • Biotop 14.12.2018 19:32
    Highlight Highlight Bevor anwenderspezifische Programme wie MS Office gelehrt werden, sollten Schüler erstmal in Betriebssystemen wie Windows, Linux, Android etc. (Liste unvollständig), Kompetenzen erlangen. Anwenderkenntnisse ergeben sich auch aus dem systematischen Gebrauch "learning by doing".
  • _stefan 14.12.2018 18:37
    Highlight Highlight Lustig wie alle in den Kommentaren OpenSource und Sparen schreien.

    Office365 ist für Schulen KOSTENLOS!

    Ja, natürlich will M$ damit auch spätere Kunden gewinnen. Es ist aber halt einfach Fakt, dass jedes seriöse Unternehmen Microsoft-Produkte einsetzt. Es gibt aktuell auch gar kein alternatives OpenSource-Projekt (Office365: Sharepoint, Exchange, OneDrive, Word- und Excel-Online).
    • Thom Mulder 14.12.2018 19:53
      Highlight Highlight Unsinn und Unsinn. Die ETH zahlt jährlich Millionen für MS Lizenzen. Und ja, es gibt diverse Alternativen, die völlig ausreichen.
    • Arjay 14.12.2018 20:20
      Highlight Highlight Das stimmt nicht ganz. Office365 kostet je 1 Lizenz pro 100%-Stelle einer Schule, d.h. Lehrpersonen, Schulleiter, Verwaltung etc. Für Schülerinnen und Schüler ist es kostenlos.
      Die Konditionen sind aber auch so vergleichsweise gut...
    • Lerby 15.12.2018 00:18
      Highlight Highlight Nur die abgespeckte Online-Version ist gratis. Um aber einen Schritt vorwärts zu gehen und gewinnbringend mobile Geräte einzusetzen, braucht es eine Kauflizenz. Dieses Kaufpaket ist stark auf Zusammenarbeit ausgelegt, da dort auch Teams und Sharepoint enthalten ist. Fairerweise muss man sagen, dass dies seeeehr günstig ist, wenn man sich als Schule über einen Microsoft-Gold-Member registrieren lässt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Schreimschrum 14.12.2018 14:19
    Highlight Highlight Jetzt hört doch endlich mit dem Datenschutzwahn auf. Solche sogenannte "Datenschutzbeauftragte", die nichts vom Internet verstehen, zerstören das freie Internet und verursachen Schaden in Milliardenhöhe bei wichtigen Konzernen, weil sie Dinge fordern, die weder relevant noch im Bereich des Möglichen liegen.
    • Astrogator 14.12.2018 15:37
      Highlight Highlight Troll?
    • x4253 14.12.2018 15:54
      Highlight Highlight Nein, nicht die Datenschützer zerstören das Internet, sondern die von dir als "wichtig" benannten Konzerne.
      Gerade bei Office 365: Warum soll ich für etwas, dass ich bereits bezaht habe, nochmals bezahlen (mit meinen Daten)?

      Es geht nicht, dass unsere Daten von den Konzernen für Lau und quasi a discretion verwendet werden.
    • The Destiny // Team Telegram 14.12.2018 16:22
      Highlight Highlight Typisches Gelaber von einem digital native, der keine Ahnung vom Wert von Daten hat.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Eron 14.12.2018 13:50
    Highlight Highlight Da sucht man händeringend nach Methoden den Nachwuchs und Erwachsene in die digitale Welt einzuführen und was macht man? Man bildet (Microsoft)Anwender aus, also das Gleiche wie schon vor 20 Jahren. Dabei ist die Welt mobil (Android / IOS ... UNIX / Linux basiert) und man verwendet Anwendungen aus der Cloud ...
    Gebt Kindern und den Lehrern eine leere Hardware und eine Internetverbindung ... nicht mehr und nicht weniger und lasst sie ihr System evaluieren, installieren, optimieren. Schaut nach Uruguay, Not macht erfinderisch, Geld macht nur abhängig und das ist der demokratische digitale Tod!
    • Raphael Conca 14.12.2018 15:46
      Highlight Highlight Ein hoch auf opensource
    • Toerpe Zwerg 14.12.2018 17:24
      Highlight Highlight Ähm, die Rede hier ist ja von einer "Anwendung aus der Cloud".
    • Raphael Conca 14.12.2018 18:29
      Highlight Highlight Ja und damit eine noch grössere Abhängigkeit zu MS/Google/Apple/Amazon ...
      Das braucht es nicht.
  • Lapsusius 14.12.2018 12:52
    Highlight Highlight Ich kann eh nicht verstehen, wieso die öffentliche Hand jährlich Millionen in Lizenzprodukte steckt, Opensource wäre aus vielen Blickwinkeln die bessere, sicherere und günstigere Wahl.
    • JP del Grano 14.12.2018 13:17
      Highlight Highlight Die Argumente der diesen Kommentar Ablehnenden würden mich interessieren: Was spricht denn gegen Open-Source-Produkte? Ich selber arbeite seit Jahren damit - ohne Probleme. Und die Kompatibilität mit MS Office ist sehr gut. Warum muss Microsoft "staatlich" gefördert werden?
    • ogi 14.12.2018 13:33
      Highlight Highlight Achtung "Office 365" ist nicht gleich "Microsoft Office". Office 365 ist ein Cloudservice und nicht einfach Word, Excel und co. Viele Firmen nutzen Office 365, weil es günstiger und weniger aufwändig ist. Warum sollten Schulen nicht auch sparen?
    • Schubidubidubid 14.12.2018 13:44
      Highlight Highlight Du musst den Support selber machen. Das kostet auch.
    Weitere Antworten anzeigen
  • JP del Grano 14.12.2018 12:49
    Highlight Highlight Unglaublich: Auf der einen Seite klagt das Bildungswesen über den Spardruck und auf der anderen Seite wird Geld für unnötige Lizenzen an Grösstkonzerne verschleudert. Mit Libre Office z.B. könnten alle Schulen und Unis problemlos arbeiten!
    • Markus97 14.12.2018 13:14
      Highlight Highlight Im Studium wäre das ein grosser Nachteil gegenüber den Studenten welche sich das MS- Office leisten können.
    • Lolus 14.12.2018 13:22
      Highlight Highlight Falls es nur um Programme wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation oder ähnliches geht, hast du damit sicher recht. Nur beinhalten die O365 Pakete auch einige anderen Programme die nicht durch LibreOffice abgedeckt sind. Zum Beispiel Teams, SharePoint, OneNote etc.

      Ich bin aber auch der Meinung, dass durch eine richtige Evaluationsphase oft Geld gespart werden könnte.
    • Robert S 14.12.2018 13:23
      Highlight Highlight Ein Nachteil im Studium? Wohl kaum. Technische Studiengänge müssten eh Latex lernen
    Weitere Antworten anzeigen
  • Der Kritiker 14.12.2018 12:31
    Highlight Highlight Datenschützer, wie sieht es mit Dynamics 365 und Datensicherheit aus? Sammelt MS all unsere Daten und nutzt diese für eigene kommerzielle Zwecke?
    • Duscholux 14.12.2018 12:56
      Highlight Highlight Selbstverständlich macht MS das.
    • Tavares 14.12.2018 13:16
      Highlight Highlight Bei Dynamics 365 gibt es pro Unternehmen eine eigene, getrennte Datenbank. Wenn also Firma X ein D365 aufsetzt, hat die ihre eigene Datenbank, wo auch der Speicherort gewählt werden kann. Für Europa ist das zur Zeit meistens Amsterdam /Dublin. Im 2019 soll dann gar ein CH Rechencenter geben.

      Hingegen bei Office 365 / OneDrive gibt es nicht zwingend separate Datenbanken (abhängig von Setup). Hier geht es aber gem. Artikel um Telemetriedaten, also bspw. Wie oft eine Funktion verwendet wird und wie hoch die Ausführungsdauer ist.
    • Raphael Conca 14.12.2018 15:55
      Highlight Highlight Bis auf die eingebauten Hintertürchen...

Das steckt hinter den merkwürdigen Paket-SMS, die gerade Tausende Schweizer erhalten

SMS, die über den Lieferstatus bestellter Waren informieren, sind praktisch. Doch aktuell versenden Betrüger massenhaft Fake-SMS im Namen von Paketdiensten. Sie haben es auf Kreditkartennummern abgesehen – und locken die Opfer in eine Abofalle.

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