Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

300 Wissenschaftler warnen vor «beispielloser Überwachung der Gesellschaft»

Renommierte Forscher und IT-Experten von vier Kontinenten schlagen Alarm. Ihre Kritik richtet sich auch gegen das europäische Software-Projekt PEPP-PT.



Über 300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 26 Ländern warnen vor einer «nie dagewesenen Überwachung der Gesellschaft» durch staatliche Corona-Warn-Apps, die den Datenschutz nicht vollumfassend gewährleisten.

«Die gegenwärtige COVID-19-Krise ist beispiellos, und wir brauchen innovative Wege, um aus den derzeitigen Blockaden herauszukommen. Wir sind jedoch besorgt, dass einige ‹Lösungen› für die Krise, über Mission Creep, zu Systemen führen könnten, die eine noch nie dagewesene Überwachung der Gesellschaft als Ganzes ermöglichen würden.»

Zwar würden einige der auf Bluetooth basierenden Contact-Tracing-Konzepte die Privatsphäre der User achten, andere hingegen könnten eine Überwachung durch staatliche Akteure oder Privatunternehmen ermöglichen. Dies könnte das Vertrauen der Bevölkerung und die Akzeptanz für solche Anwendungen auf katastrophale Weise beschädigen, heisst es in dem am 20. April veröffentlichten Statement.

An wen richtet sich die Kritik konkret?

Auch wenn es nicht namentlich genannt wird im Aufruf, handelt es sich um unverhohlene Kritik an dem paneuropäischen Software-Projekt PEPP-PT, das unter anderem von der deutschen Bundesregierung unterstützt wird. Das angeblich gemeinnützige Projekt und dessen Hauptverantwortlicher, der deutsche IT-Unternehmer Chris Boos, steht vor allem wegen mangelnder Transparenz unter Beschuss.

Bild

screenshot: twitter

Was bedeutet «Mission Creep»?

Der ursprüngliche Militärbegriff bedeutet so viel wie die schleichende Erweiterung und Aufweichung von Projekten bis hin zur Gefährdung der ursprünglichen Ziele.

Konkret ist damit gemeint, dass Staaten über Corna-Warn-Apps versuchen könnten, sensitive Daten zu sammeln und so letztlich die Bevölkerung zu überwachen.

Die Forschergemeinschaft schreibt:

«Obwohl die Wirksamkeit von Contact-Tracing-Apps umstritten ist, müssen wir sicherstellen, dass die implementierten Apps die Privatsphäre ihrer Nutzer schützen, um so vor vielen anderen Problemen zu schützen. Solche Apps könnten anderweitig verwendet werden, um ungerechtfertigte Diskriminierung und Überwachung zu ermöglichen.»

Konkret wird befürchtet, dass einzelne Staaten und Privatunternehmen die Verwaltung von User-Daten auf einem Server anstreben, um so die Kontrolle darüber zu haben.

Was war der Auslöser für den Aufruf?

Die Verantwortlichen von PEPP-PT versprechen zwar volle Transparenz, haben bis jetzt jedoch Grundlagen wie den Quellcode geheim gehalten. PEPP-PT teile die Informationen nicht mit der Öffentlichkeit, aber mit einer Reihe von Firmen, die auf der Website als Mitglieder aufgeführt sind, berichtete die «Schweiz am Wochenende». Dazu gehöre die AGT International, ein IT-Konzern aus Zürich, den die Handelszeitung in einem Bericht als «Datenkrake» bezeichnet hatte.

Beim europäischen Konsortium PEPP-PT ist letzte Woche ein Richtungsstreit eskaliert. Die Verfechter von dezentralen Lösungen vertreten öffentlich die Haltung, dass zentrale Lösungen den Datenschutz nicht ausreichend gewährleisten.

Dies sei nur mit dezentralen Lösungen möglich, bei denen alle sensitiven User-Daten ausschliesslich auf den Smartphones verarbeitet würden (Privacy by Design).

Nachdem auf der PEPP-PT-Website Informationen zur dezentralen Lösung des Konsortiums DP-T3 entfernt wurden und der deutsche Projektverantwortliche auf Tauchstation ging, erklärte der Schweizer Forscher Marcel Salathé den Rückzug. Ihm schlossen sich bis zum Wochenende die Eidgenössisch-Technischen Hochschulen Lausanne (EFPL) und Zürich an, sowie weitere Institutionen in mehreren Ländern.

Das CISPA Helmholtz Center for Information Security will sich ebenfalls bei PEPP-PT zurückziehen und sich auf die Arbeit beim DP-3T-Konsortium konzentrieren. Eine Wissenschaftlerin erklärte gegenüber dem Techportal Heise:

«Die am Wochenende bekannt gewordenen Ergebnisse können wir nicht mittragen, weil es sich um einen zentralen Ansatz mit unrealistischen und risikoreichen Vertrauensannahmen handelt. Ausserdem ist nicht klar, ob tatsächlich der gesamte Code veröffentlicht werden wird.»

quelle: heise.de

Ebenfalls am Wochenende veröffentlichte eine französisch-deutsche Forschergemeinschaft das erste Dokument zum Contact-Tracing-Protokoll ROBERT. Die Verantwortlichen stammen vom französischen Institut Inria und vom Fraunhofer-Verbund IUK-Technologie, gehören zu PEPP-PT und verfolgen ebenfalls einen zentralen Ansatz.

Welche Rolle spielen Apple und Google?

Die US-Techkonzerne, die die weltweit dominierenden Smartphone-Plattformen betreiben, haben vor Ostern angekündigt, dezentrale Contract-Tracing-Lösungen zu unterstützen.

In dem Schreiben weisen die Forscher nun darauf hin, dass Google und Apple von den Befürwortern zentral organisierter Lösungen unter Druck gesetzt würden, ihre Systeme für umfangreichere Datenerfassungen zu öffnen.

Wer hat den Aufruf unterzeichnet?

Es ist eine beeindruckend lange Liste von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die den öffentlichen Aufruf unterzeichnet haben. Sie arbeiten an renommierten Bildungs- und Forschungseinrichtungsrichtungen auf vier Kontinenten, von Europa über Nordamerika bis Asien und Australien.

Die Schweizer Vertreter sind:

Was auffällt: Es sind sehr viele Mitglieder von vier Forschungsverbänden, die sich zum Ziel gesetzt haben, datenschutzkonforme Contact-Tracing-Apps zu entwickeln. Die entsprechenden Initiativen, die alle den dezentralen Ansatz verfolgen, sind auch im Schreiben aufgeführt. Es sind dies:

Dazu heisst es:

«Alle diese Teams sind entschlossen, zusammenzuarbeiten, um ihre Systeme interoperabel zu machen. Sie zielen darauf ab, verschiedene dezentralisierte Methoden zur Wahrung der Privatsphäre anzubieten, die angepasst werden können durch Länder, je nach ihrer lokalen Situation.»

Chris Boos, Mitinitiator von PEPP-PT und Gründer des Frankfurter KI-Unternehmens Arago, hatte den Streit mit den Verantwortlichen von DP-3T zunächst als «Sturm im Wasserglas» bezeichnet. Daraus ist nun ein gewaltiger Orkan geworden.

Wie reagiert PEPP-PT?

watson hat bei der PR-Agentur nachgefragt, die PEPP-PT und dessen Projektleiter Chris Boos vertritt. Zu der Befürchtung der 300 Wissenschaftler, die vor einer «beispiellosen Überwachung der Gesellschaft» warnen, heisst es in der am Montagabend zugeschickten Stellungnahme:

«Das halten wir für etwas irreführend. Es geht um eine technologische Lösung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Dazu gibt es unterschiedliche Ansätze. Beide jetzt diskutierten Ansätze schützen die Privatsphäre und die Daten der Nutzer. Es werden keine persönlichen Daten benutzt. Bewegungs- und Standortdaten werden ebenfalls nicht erhoben. Die App weiss also zu keinem Zeitpunkt, wer der Nutzer ist, wo sich der Nutzer befindet oder mit wem sich der Nutzer trifft. Genau deshalb steht PEPP-PT beiden Ansätzen ganz offen gegenüber. Deshalb wird PEPP-PT perspektivisch auch beide Ansätze anbieten.»

PEPP-PT-Sprecherin, Hering Schuppener Consulting Strategieberatung für Kommunikation GmbH

Und zum Vorwurf der mangelnden Transparenz:

«Diese Einschätzung teilen wir nicht. Jedes Unternehmen und jeder Wissenschaftler, der bei uns ernsthaft mitarbeiten will, hat Zugriff auf unsere Spezifikationen. Zudem haben wir auf GitHub erste Dokumente veröffentlicht. Den gesamten Code werden wir veröffentlichen, sobald er getestet und geprüft wurde.»

Der dezentrale und der zentrale Ansatz hätten ihre Vor- und Nachteile, schreibt die PR-Agentur von PEPP-PT. «Deshalb sollten Länder sich für die Lösung entscheiden können, die besser zu ihren individuellen Gegebenheiten und Erfordernissen passen. Stand heute ist die Entwicklung des datenarmen Ansatzes deutlich weiter vorangeschritten – insbesondere mit Blick auf die Interoperabilität der Technologie.»

Auf Basis der von PEPP-PT zur Verfügung gestellten Technologie könnten länderspezifische Apps entwickelt werden, die wiederum miteinander interoperabel seien, da sie auf der gleichen Plattform basieren, heisst es weiter.

«Auf PEPP-PT basierende Technologie unterstützt grundsätzlich internationales Roaming. Darüber hinaus bietet der datenarme Ansatz weitere Vorteile zur Steuerung der Pandemie, da statistische Daten zur Ausbreitung und zur Wirksamkeit der Massnahmen so schneller verfügbar sind.»

Im Übrigen durchlaufe jede App ohnehin eine Prüfung des deutschen Bundesbeauftragten für Datenschutz.

Quellen

Sicheres Contact-Tracing, Made in Switzerland

Mehr über Corona-Warn-Apps

Die Schweizer Corona-Warn-App im (schonungslosen) Vergleich mit den Nachbarn

Link zum Artikel

Das müssen iPhone- und Android-User über die Corona-Technik (in ihrem Handy) wissen

Link zum Artikel

Die Schweizer Corona-Warn-App kommt – das sind die wichtigsten Fakten

Link zum Artikel

Schweizer fürchten Überwachung durch Contact-Tracing-App – und wollen sie trotzdem nutzen

Link zum Artikel

Grossbritannien setzt auf Big Brother – Geheimdienst «hilft» bei Corona-Warn-App

Link zum Artikel

Deutschland lenkt ein bei Streit um Corona-Warn-App – setzt auf «Schweizer Lösung»

Link zum Artikel

Google und Apple stärken Datenschutz bei Plattform für Contact Tracing (und loben DP-3T)

Link zum Artikel

Frankreich will, dass Apple zentralen iPhone-Schutz aufhebt – die Schweiz ist besser dran

Link zum Artikel

So kannst du die Schweizer Corona-Warn-App schon jetzt ausprobieren

Link zum Artikel

Befinden wir uns auf einem Blindflug, Herr Salathé? «So ist es»

Link zum Artikel

Umstrittene Firma aus Zürich ist in geplante Corona-App involviert

Link zum Artikel

Eklat bei europäischer Corona-App – Deutsche schmeissen «Schweizer Lösung» raus

Link zum Artikel

Die Schweizer Corona-Warn-App kommt – das erwarten die Macher von Apple und Google

Link zum Artikel

Google und Apple bekämpfen Coronavirus gemeinsam mit Contact Tracing in Android und iOS

Link zum Artikel

Europa bietet sich eine einmalige Chance – wir sollten sie nicht verpassen!

Link zum Artikel

Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zur Corona-Warn-App «Pepp-PT»

Link zum Artikel

Eine Schweizer App gegen das Virus? «Wir müssen alle am selben Strick ziehen»

Link zum Artikel

Forscher kündigen länderübergreifende Contact-Tracing-App an – Bund will prüfen

Link zum Artikel

Die Schweiz rüstet sich für den digitalen Kampf gegen das Coronavirus

Link zum Artikel

Wie eine App die Schweiz vor Covid-19 retten kann

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Nicht mehr anzeigen

Smartphone-Tracking in Pandemie-Zeiten

Zu viel am Handy? Dr. Watson weiss, woran du leidest

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

51
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
51Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mia Mey 22.04.2020 09:20
    Highlight Highlight Ich hab zwar ein iPhone, aber kein Abo. Und ab und zu bleibt das Ding auch zu Hause.
    Warum muss, soll den jeder ein Handy rumtragen? Die ganze Überwachung funktioniert nur wenn alle das machen. Dazu lass ich mich nicht zwingen.
  • Pogo 22.04.2020 07:50
    Highlight Highlight Also wenn sogar Ueli Maurer dagegen ist, muss wohl was an der Kritik dran sein^^
  • Nik G. 21.04.2020 08:23
    Highlight Highlight Wer den Quellcode nicht öffentlich macht, will Geschäfte machen! Unter diesen Umständen wird die App nie auf meinem Smartphone landen.
    • You will not be able to use your remote control. 21.04.2020 13:21
      Highlight Highlight > Wer den Quellcode nicht öffentlich macht, will Geschäfte machen!

      Das wollen die Anbieter von Freier Software normalerweise auch. Freie Software gibt dir als Nutzer/Kunde spezielle Rechte, damit wird nicht das Geschäfte machen verhindert:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Software#Die_vier_Freiheiten
  • Donald 21.04.2020 01:55
    Highlight Highlight Österreich hat schon lange so eine App. Warum geht es bei uns so lange?
  • weissauchnicht 21.04.2020 00:46
    Highlight Highlight Wie war das nochmals bei Crypto und dem BND? Also wenn der Datenschutz so sicher ist, wie die Verschlüsselungstechnik von Crypto, dann muss mir niemand mit einer zweifelhaften Corona-App kommen. Auch wenn man den Entwicklern vielleicht Unrecht tut, ich fürchte, die Deutschen haben beim Thema Datenschutz ihre Glaubwürdigkeit bereits verspielt. Wenn es dann auch noch an Transparenz fehlt...
  • xHascox 21.04.2020 00:26
    Highlight Highlight Die Dokumente von PEPP-PT auf Github sind lächerlich und widersprüchlich meiner Meinung nach. Das dargestellte System baut nicht auf Privacy by Design, sondern reines Vertrauen in die Regierung oder wer auch immer dahintersteht.
  • ghawdex 20.04.2020 22:46
    Highlight Highlight Wie eine dezentrale Corona-Tracing-App funktionieren könnte.

    https://www.republik.ch/2020/04/16/so-funktioniert-eine-corona-tracing-app-die-ihre-privatsphaere-schuetzt

  • Rethinking 20.04.2020 21:24
    Highlight Highlight Schön, dass sich die Schweizer Forscher für den Datenschutz einsetzen...
  • drjayvargas 20.04.2020 20:27
    Highlight Highlight Das Problem besteht unter Anderem auch darin, dass viele Leute denken, so eine App würde "sicher" machen. Dabei gilt es klipp und klar zu verstehen, dass eine allfällige App als Ergänzung zu sehen ist.
    Und dass nun Regierungen ihre Versäumnisse auf die Technologie abwälzen wollen, sehe ich auch nicht gerade positiv.
    Die Technologien um ein sicheres, sauberes und Datenschutz-konformes Produkt abzuliefern sind vorhanden und bekannt. Die Möglichkeiten eines "Hijacks" solch einer App sind aber schon fast zu einladend für Staaten und Datensammler. Nachwievor bleibe ich maximal skeptisch.
    • Re Né 20.04.2020 21:29
      Highlight Highlight Hätte man kaum besser in Worte fassen können. 👏🏼 Applaus ausschließlich an Dich und an keinerlei App-Entwickler! 🙋🏼‍♂️
    • Ueli der Knecht 20.04.2020 21:59
      Highlight Highlight "Die Technologien um ein sicheres, sauberes und Datenschutz-konformes Produkt abzuliefern sind vorhanden und bekannt."

      Diese Technologien sind aber in handelsüblichen Smartphones nicht eingebaut.

      Der Bluetooth-Standard setzt voraus, dass alle Geräte eine eindeutige und weltweit einzigartige ID haben (ähnlich einem Fahrzeugkennzeichen), die bei jeglicher Bluetooth-Kommunikation als Randdaten frei Haus mit gehen müssen.

      Diese ID (für Googler: BD_ADDR) lässt sich einfach auf deren Inhaber, bzw. auf Personen zuordnen.

      Daher ist die Technologie an sich nicht sicher, sondern schrottreif.
    • Marcipedia 20.04.2020 22:40
      Highlight Highlight Schade. Alle in einen Topf zu werfen ist unfair gegenüber allen, welche Quelloffen und ohne Hintergedanken Apps für die Allgemeinheit programmieren... Ja, mir ist bewusst, dass es sich durchaus nur um eine Minderheit handeln könnte! Dennoch verdienen diese Unterstützung und keine Vorverurteilung.
    Weitere Antworten anzeigen
  • LillyRose 20.04.2020 20:19
    Highlight Highlight Stellt euch vor, die App meldet Corona-Alarm, irgendwie. Ihr seid grad am Einkaufen. Was dann? Irgend jemand in der Nähe hat in seiner App eingegeben, dass er das Virus hat, oder Symptome, oder macht sich einen Scherz und meldet aus Langeweile Symptome. Deine App meldet das bei dir. Achtung Virus in der Nähe! Man weiss ja dann aber nicht, wer es ist. Ist auch besser so.. Verlassen dann alle sofort panisch den Laden aus Angst sich anzustecken? Oder wie muss man sich das vorstellen?
    • @schurt3r 20.04.2020 20:44
      Highlight Highlight Nein, das musst du dir anders vorstellen.

      Die App meldet KEINE infizierten Personen, die sich in der Nähe befinden. Die App weist dich daraufhin, dass du dich möglicherweise infiziert hast, weil du in der Vergangenheit in relativ engem Kontakt warst mit einer infizierten Person.

      Und man wird nicht einfach Fehlalarme auslösen können. Es wird eine (anonyme) Verifizierung geben. Vielleicht über einen QR-Code oder dergleichen (von der Stelle, die den Test durchgeführt hat, bzw. das Testresultat überprüft hat).
    • Twinleaks 20.04.2020 22:22
      Highlight Highlight Beim Einkaufen oder im ÖV hat man mit Dutzenden engen Kontakt. Da kommen eine Menge Bluetooth Austausche zusammen. Wie lange muss so ein Kontakt gedauert haben, damit man gewarnt wird?
    • Marcipedia 20.04.2020 22:43
      Highlight Highlight Können mir die Blitzer erklären, was genau an den Ausführungen von schurt3r falsch oder blitzwürdig ist?
  • Erklärbart. 20.04.2020 20:11
    Highlight Highlight Ich habe von Anfang an gesagt, dass das mit der gemeinsamen APP für die Katz ist. Jeder Staat soll seine eigene APP haben. Wenn einer das Virus hat, darf er nicht verreisen und gut ist. Somit ist das Ausland auch geschützt.

    Ich sehe keinen einzigen Nutzen in einer gemeinsamen App. Ausser dass die Staaten möglichst viele Daten über möglichst viele Leute sammeln können.

    • @schurt3r 20.04.2020 20:47
      Highlight Highlight Jeder Staat soll eine eigene App haben, mit eigener Organisation für die Verifizierung (von Infektionen, Überprüfung von positiven Tests).

      Gerade für die Schweiz und ihre vielen Nachbarn ist aber eine länderübergreifende Funktionsweise sehr sinnvoll. Wobei der Datenschutz mit Privacy by Design gewährleistet sein muss.
    • Scenario 20.04.2020 21:16
      Highlight Highlight @Erklärbär: Schlussendlich wird wahrscheinlich auch jeder Staat seine "eigene" App haben, indem man einfach whitelabelt. Aber es wäre sehr sehr dumm einen eigenen Weg zu gehen, wenn man in der Gemeinschaft sehr viel mehr erreichen kann. Nicht umsonst ist Open Source Software so erfolgreich, da sie den Ansatz "alle helfen allen" verfolgen und jeder seinen Beitrag zur Software leisten kann. Dies führt zu tieferen Kosten für alle.
  • Saimen83 20.04.2020 20:10
    Highlight Highlight Die Gefahr der Massenüberwachung ist in der Tat akut. Meines Erachtens einer der besten Artikel hierzu ist folgender:
    https://www.nzz.ch/feuilleton/coronavirus-yuval-noah-harari-ueber-die-welt-nach-der-pandemie-ld.1547988
    • @schurt3r 20.04.2020 20:50
      Highlight Highlight Interessanter Beitrag, dreht sich aber um eine andere Problematik. Biometrisches Monitoring sowie massive staatliche Überwachung wie in China, Südkorea etc. sind hierzulande undenkbar.
    • Saimen83 20.04.2020 21:21
      Highlight Highlight Es geht um neue Technologien und wie diese uns vor Epidemien schützen können. Wer solche Technologien einsetzt muss kontrolliert werden. Daher ist es ein absolutes No-Go wenn es der Staat, Polizei, Militär macht. Von China mögen wir weit entfernt sein, wo jeder Bürger das App einsetzen musste, von der Variante Südkoreas, welches freiwillig ist, sind wir aber nicht mehr weit entfernt.
    • Black hat (minus hat) 20.04.2020 21:30
      Highlight Highlight Das Problem mit Harari ist meiner Meinung nach, dass er immer mehr abdriftet in dystopische Fantasien. Sieht man auch an der Entwicklung seiner Bücher. Während die ersten noch sehr spannend und faktenbasiert waren, sind seine neueren Publikationen Ideologie-getriebene politische Schriften, die bloss noch vorgeben sachlich zu sein.
    Weitere Antworten anzeigen
  • darkgrey 20.04.2020 20:06
    Highlight Highlight Meine Gedanken dazu:

    - Unser komplettes Leben wird von Apps, Browsern, Facebook etc. minutiös aufgezeichnet. Was würde sich jetzt ändern?
    - Gerade in der Schweiz wären Hintertüren sehr schnell aufgedeckt, hierfür gibt es genug Leute mit Grips und Fähigkeiten.
    - Opensource: auch da können sich Firmen und Regierungen die Daten einsehen und "verwenden". Zudem öffnet es Tür und Tor für Hacker, die entweder Daten entwenden und verkaufen, oder noch schlimmer die Daten manpulieren bis die das Tracing komplett sinnlos ist...
    • Scenario 20.04.2020 21:22
      Highlight Highlight @darkgrey: Du hast leider das Konzept nicht ganz verstanden. Es geht nicht nur um Opensource vs Closed Source, sondern auch um dezentrale vs zentrale Datenspeicherung.

      Jeder normaldenkende Mensch, sollte bei so einem heiklen Thema Opensource und dezentrale Datenspeicherung befürworten. Wenn du als Anwender die anderen beiden Optionen befürwortest, dann trifft das Sprichwort "Nur die dümmsten Kälber wählen Ihren Schlächter selber" schon ziemlich ins Blaue.
    • You will not be able to use your remote control. 21.04.2020 13:38
      Highlight Highlight > Opensource [...] öffnet Tür und Tor für Hacker

      Blödsinn!
  • Berserktiger 20.04.2020 19:47
    Highlight Highlight Interessant, vor wenigen Wochen noch waren alle (auch auf watson) wegen der App in Feierlaune und kritische Kommentare (wie von den ETH-Profs) bezüglich dem Datenschutz wurden (wie so oft) in die Ecke der Aluhüte gedrängt, bzw. zu Tode geblitzt.

    Kann mir nun einer der Schlaumeier von vor zwei Wochen bitte erklären, was man "damals" denn genau besser wusste und warum das Debakel mit den deutschen Entwicklern nicht absehbar war? Habt ihr wirklich gedacht dieses mal werden unsere persönlichen Daten anders gehandhabt als sonst und dass Privatunternehmen und Staaten da nicht reinpfuschen werden?
    • Satanarchist 20.04.2020 19:57
      Highlight Highlight Genau. Schon vor zwei Wochen war ich auch strikt dagegen und das wurde hier damals nicht gerade gut aufgenommen hier. Aber jetzt ist ja alles anders.
    • @schurt3r 20.04.2020 19:57
      Highlight Highlight Dass sich PEPP-PT dermassen schlecht entwickeln würde, war damals nicht abzusehen. Die Deutschen sind ja dann von den ursprünglich guten Zielen abgewichen, was in den letzten Tagen zum Rückzug diverser renommierter Forscher-Gruppen und Institutionen geführt hat.

      Das Ziel bleibt, datenschutzkonforme Contact-Tracing-Apps zu entwickeln. Und zwar durch Wissenschafts-Teams, die völlig transparent und unabhängig von Wirtschaftsinteressen arbeiten.

      Die Schweiz ist hier dank DP-3T und den EPFL/ETH-Leuten auf einem sehr guten Weg.
    • Waseli 20.04.2020 21:05
      Highlight Highlight @Satanarchist:
      Kritisch und strikt dagegen sind für mich zwei paar Schuhe.
      Und wie schurt3r ja schreibt - DP-3T wehrt sich und verfolgt einen Ansatz, der für jedermann auf github einsehbar ist.
    Weitere Antworten anzeigen
  • bokl 20.04.2020 19:39
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
    • wel_hued_morn_scho_wieder_gester_isch 20.04.2020 19:47
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
  • mbr72 20.04.2020 19:37
    Highlight Highlight Wenn das eine zentralisierte Lösung ohne Quellcode-Offenlegung gibt, friert zuerst die Hölle ein, bevor ich die App auf mein Handy lade...
    • PeteZahad 20.04.2020 19:58
      Highlight Highlight Auch ich würde die App nicht installieren. Aber mal ehrlich: Wie viele deiner bereits installierten Apps sind dezentral und Open Source?
    • homo sapiens melior 20.04.2020 20:27
      Highlight Highlight Ich bin zwar sehr offen für eine App, die hilfreich wäre bei Corona. Aber deinen Beitrag, mbr72, kann ich wortwörtlich so unterschreiben. Ich würde sogar Handys in meinem Leben aufgeben als sowas zu installieren. Da geht's um Prinzipien und Grenzen.
    • NotWhatYouExpect 21.04.2020 08:26
      Highlight Highlight Auch wenn der Quellcode offengelegt wird, so ist die zentrale Lösung schlecht, denn wir wissen nicht was die Leute, die die Daten / Server besitzen, mit diesen machen.

«Hören wir auf zu sagen, es sei eine Grippe!»: Arzt schildert Situation in Bergamo

Seit Montag ist ganz Italien eine Sperrzone. Wer reisen will, muss dies begründen können. Schulen und Universitäten bleiben bis am 3. April geschlossen, Sportveranstaltungen wurden abgesagt. Restaurants und Bars dürfen nur noch bis 18 Uhr geöffnet sein.

Bis Dienstagabend hat das neue Coronavirus in Italien 631 Todesopfer gefordert. Mehr als die Hälfte davon in der Region Lombardei, die an die Schweiz grenzt. Im Norden der Lombardei befindet sich die Stadt Bergamo, wo das Gesundheitssystem …

Artikel lesen
Link zum Artikel