Digital
Drohnen

Wie in Schweden gestohlene Radar-Blitzer im Ukraine-Krieg landen

Radarkamera («Blitzer») an einer Strasse in Schweden.
In solchen Blitzgeräten zur Geschwindigkeitskontrolle sind digitale Spiegelreflexkameras verbaut.Screenshot: Aftonbladet

Wie in Schweden gestohlene Radar-Blitzer im Ukraine-Krieg landen

Spoiler: Die Russen verbauen sie offenbar in militärische Drohnen.
21.10.2022, 10:4021.10.2022, 11:10

In Schweden verschwinden immer wieder Radarkameras, sogenannte Blitzer, unter mysteriösen Umständen. Und zwar brechen unbekannte Kriminelle die am Strassenrand aufgestellten Kästen auf und entwenden die verbauten Geräte – digitale Spiegelreflexkameras (DSLR) von Canon.

Die schwedische Boulevardzeitung «Aftonbladet» weist in einem aktuellen Bericht auf eine plausible Erklärung hin, was mit den gestohlenen Blitzern passiert sein könnte: Sie werden in russischen Aufklärungsdrohnen verbaut, die dann im Angriffskrieg gegen die Ukraine eingesetzt werden.

Welche Beweise gibt es?

Die Säpo – das Kürzel steht für Säkerhetspolisen – ist der nationale Nachrichtendienst des skandinavischen Landes. Dieser ist dem schwedischen Justizministerium unterstellt. Auf Anfrage gab ein Sprecher der Behörde an, dass man «Kenntnis habe von den kursierenden Informationen über die Verbindung zwischen den Diebstählen entlang der schwedischen Strassen und den selbstgebauten russischen Drohnen». Allerdings könne man zu diesen Vorgängen nicht ins Detail gehen oder über die Geheimdienstarbeit sprechen.

Das ukrainische Verteidigungsministerium hat vor geraumer Zeit ein Video veröffentlicht, in dem eine in der Ukraine abgestürzte russische Drohne auseinandergenommen wird. Wie die Zerlegung zeigt, ist in dem unbemannten Fluggerät eine Canon-Kamera mit Klettverschluss an einer kleinen Stahlplatte befestigt. Als Treibstofftank dient eine PET-Flasche.

Video: twitter/@Ninja998998

Trotz der relativ primitiven und laienhaften Konstruktion seien solche Drohnen erfolgreich zum Ausspionieren von ukrainischen Verteidigungsstellungen eingesetzt worden.

Wie verbreitet ist das Phänomen?

Nach Angaben der zuständigen schwedischen Verkehrsbehörde wurden in den vergangenen Monaten insgesamt rund hundert Radarkameras im ganzen Land gestohlen.

  • Am 27. August seien auf einer Landstrasse in der Region Uppsala elf Blitzer verschwunden.
  • Drei Tage später wurden laut Aftonbladet fast 50 Radarkameras im Raum Stockholm gestohlen.
  • Im September gingen die Diebstähle weiter.

Unabhängig davon, ob die Radarkameras nach Russland weiterverkauft wurden oder nicht, seien die Materialverluste für den schwedischen Staat teuer. Das Ersetzen eines Geräts koste rund 250'000 schwedische Kronen – 22'000 Franken.

Die russische Rüstungsindustrie ist wegen der vom Westen verhängten Wirtschaftssanktionen angeschlagen, aber nicht am Boden, wie diverse Analysten konstatieren. Trotz der Sanktionen würden immer wieder zahlreiche westliche IT-Komponenten in russischen Waffensystemen gefunden.

Quellen

(dsc)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
So sieht der neue «McDonald's» in Russland aus
1 / 10
So sieht der neue «McDonald's» in Russland aus
Menschen stehen im ehemaliges McDonald's-Restaurant in Moskau, an, um ihre Bestellung aufzugeben.
quelle: keystone / maxim shipenkov
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Terrorangriffe»: Iranische Kamikazedrohnen verwüsten Kiew
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Nach Datenleck bei 890'000 Ricardo-Konten: Jetzt schlagen die Betrüger per WhatsApp zu
Name, Adresse und Telefonnummer stimmen: Betrüger verschicken täuschend echte Phishing-Nachrichten. Ricardo warnt seine Kundschaft.
Die Nachricht wirkt auf den ersten Blick beunruhigend echt. Mit persönlicher Anrede beginnt eine WhatsApp-Nachricht, die von einer Schweizer Telefonnummer verschickt wurde. Angeblich sei bei einer Transaktion auf Ricardo eine «auffällige Aktivität» festgestellt worden. Darunter stehen die korrekte Wohnadresse des Empfängers und ein Link, über den die Kontoinformationen bestätigt werden sollen. Doch die Nachricht stammt nicht von Ricardo. Der Link führt ebenfalls nicht zur Plattform, sondern auf eine Internetadresse, die lediglich den Namen des Online-Marktplatzes enthält.
Zur Story