Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Two Neapolitian citizens on background observe an Italian policeman on guard during a large police operation against Camorra suspects in Naples'

Strassenbild aus Neapel. Die süditalienische Stadt hat mehr zu bieten als die Camorra.
Bild: EPA

Ausgerechnet Neapel: Apple eröffnet das erste europäische App-Entwicklerzentrum in der Mafia-Hauptstadt

Mit dem App Store hat Apple einen milliardenschweren neuen Wirtschaftszweig geschaffen. Nun lässt der US-Konzern in Süditalien Programmierer fördern.



Update: Apple-Chef Tim Cook hat in einem Interview mit der italienischen Zeitung «La Repubblica» unter anderem zur Standort-Wahl Stellung genommen. Er sei von Ministerpräsident Renzi darauf hingewiesen worden, dass der Süden Italiens wirtschaftlich schwach sei und Impulse brauchen könne. Dies sei mit ein Grund gewesen, warum Apple beschlossen habe, das Zentrum in Neapel zu eröffnen.

Napoli? Das ist doch der Vesuv!

epa00962949 A general view of Naples shows the snow covered Vesuvius, on Wednesday 21 March 2007.  EPA/CIRO FUSCO

Blick auf den neapolitanischen Hausberg, der manchmal Feuer, oder zumindest Rauch und Asche spuckt. Zuletzt 1944.
Bild: EPA

Wer Neapel hört, denkt an ...

Ein Arbeiter untersucht am Freitag, 1. Aug. 2008, auf dem Gelaende der Muellverbrennungsanlage Weisweiler bei Aachen abgeladenen Muell aus Neapel. In der Anlage in Weisweiler und anderen nordrhein-westfaelischen Verbrennungsanlagen  soll Muell aus der italienischen Stadt Neapel verbrannt werden.  (AP Photo/Hermann J. Knippertz) --- A garbage plant worker controls garbage from Naples in Italy that was transported the garbage incineration plant in Weisweiler, western Germany, on Friday, Aug. 1, 2008. The garbage from the Italian city will be burnt in German incinerating plants. (AP Photo/Hermann J. Knippertz)

Müllberge: Wer in Neapel eine Schutzgelderpressung dem Staat anzeigte, musste vorübergehend keine Abfallgebühr bezahlen.
Bild: AP

An heissblütige Fussball-Fans ...

Napoli's fans wave a flag with the face of Diego Maradona during their Europa League Group I stage match between Switzerland's Young Boys Bern and Italy's SSC Napoli at the Stade de Suisse Stadium in Bern, Switzerland, Thursday, October 23, 2014. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Diego Armando Maradona zauberte von 1984 bis 1991 für den SSC Napoli und wird bis heute verehrt.
Bild: KEYSTONE

Und wer denkt an Apple?

People stand outside before the official opening of the second official Apple Store in Chengdu, November 21, 2015.   CHINA OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN CHINA

Bild: CHINA STRINGER NETWORK/REUTERS

Noch gibt es in der süditalienischen Stadt keinen Apple Store. Dafür aber bald das erste europäische App-Entwicklerzentrum.

Apple hat am Donnerstag bekannt gegeben, dass in der drittgrössten Stadt Italiens ein entsprechendes Bildungsinstitut aufgebaut wird.

Laut Medienmitteilung will man dort den Studenten die praktischen Fähigkeiten vermitteln, die es braucht, um Anwendungen für das iPhone und andere iOS-Geräte wie das iPad zu entwickeln.

Für Tausende Entwickler

Laut Medienmitteilung sollen Tausende zukünftige Entwickler mithilfe eines speziellen Lehrplans darauf vorbereitet werden, Teil der Entwickler-Community von Apple zu werden.

Apple wird das App-Entwicklerzentrum aber nicht selber betreiben, sondern in Kooperation mit einer Partnerinstitution. Zusätzlich werde man im ganzen Land «mit Partnern zusammenarbeiten, die – abgestimmt auf diesen Lehrplan – Entwickler-Schulungen anbieten und Studenten somit zusätzliche Möglichkeiten eröffnen».

epa05019120 Apple CEO Tim Cook (C) poss for a picture at the inauguration of the academic year of Bocconi university in Milan, northern Italy, 10 November 2015.  EPA/MOURAD BALTI TOUATI

Apple-Chef Tim Cook war zuletzt im vergangenen Oktober in Italien. In Norditalien.
Bild: EPA/ANSA

Aus Schweizer Sicht interessant ist Apples Ankündigung, dass das Unternehmen damit rechne, das Programm auf andere Länder in der ganzen Welt auszuweiten. Europa sei die Heimat einiger der kreativsten Entwickler weltweit, lässt sich Apple-Chef Tim Cook zitieren.

Die Schaffung vieler Arbeitsplätze, die direkt oder indirekt mit der App-Entwicklung zu tun haben, ist natürlich beste PR in eigener Sache.

«‹Der unglaubliche Erfolg des App Store ist eine der treibenden Kräfte hinter den mehr als 1,4 Millionen Arbeitsplätzen, die Apple in Europa geschaffen hat und bietet über den gesamten Kontinent hinweg unbegrenzte Möglichkeiten für Menschen jedes Alters und für Unternehmen jeder Grösse.›»

Apple-Chef Tim Cook
quelle: medienmitteilung vom 21. Januar 2016

Der US-Konzern spricht von einem beispiellosen Wachstum und informiert auf der eigenen Website über das moderne Job-Wunder. Durch den weltweiten App-Verkauf hätten europäische Entwickler schon mehr als 10 Milliarden Euro verdient.

Die Durchschlagskraft des iOS-Ökosystems wird durch Schweizer App-Entwickler bestätigt. «Apple bietet uns eine globale Reichweite und Relevanz, eine starke Vertriebsplattform, hervorragende Geräte und effiziente Entwicklungswerkzeuge» sagt der Chef der Software-Schmide Bring! Labs AG, Marco Cerqui. «Für uns als Start-Up sind das zentrale Erfolgsfaktoren, um unsere Vision umzusetzen».

Die in Zürich beheimatete Firma hat die populäre Einkaufszettel-App «Bring!» fürs iPhone und Android herausgebracht.

Bild

Diese Zahlen nennt Apple auf der eigenen Website.
screenshot: apple.ch

Mafia-Krieg neu entflammt

Apple dürfte bei der Standort-Wahl die verschiedensten Faktoren sorgfältig gegeneinander abgewogen haben.

Bekanntlich gilt der Norden Italiens als der eigentliche Wirtschaftsmotor. Umso erstaunlicher mutete es an, dass der Süden zum Zug kommt. Neapel war lange wegen Korruption und Misswirtschaft in Verruf.

Nachdem es mehrere Jahre ruhig war in der Hafenstadt, entbrannte 2015 erneut ein Krieg zwischen verfeindeten Mafia-Clans. Die FAZ berichtete, es sei eine junge Generation von Mafiosi herangewachsen, die brutaler sei als ihre Väter. Die Polizei erscheine machtlos.

Dass sich Apple weder für Rom oder Mailand entschieden hat, sondern für Neapel, hat umso mehr grosse Symbolkraft. Es ist ein mutiger Entscheid, der für die Region viel bedeuten dürfte.

Verbrecherische Familien

Im Gegensatz zur sizilianischen Mafia (Cosa Nostra) und der kalabrischen Mafia (’Ndrangheta) mit ihrem überwiegend ländlichen Operationsfeld agiert die Camorra vorwiegend von Neapel und dem Umland aus. Die Camorra besteht aus autonomen Clans und ist daher nicht wie die Cosa Nostra vertikal organisiert. Die Familien-Clans operieren in der gesamten Europäischen Union mit Drogenhandel, Waffenhandel, Produktpiraterie von Luxusgütern, illegaler Müllentsorgung sowie Schutzgelderpressung.
Quelle: wikipedia.de

Apple seinerseits musste in Italien zuletzt negative Schlagzeilen hinnehmen, wie die Tageszeitung Corriere della Sera erinnert. Wegen eines Steuerstreits mit den italienischen Behörden zahlte der Konzern einem Insider zufolge 318 Millionen Euro nach.

Apple setzt nicht nur bei der Software-Entwicklung auf den Alten Kontinent. Man arbeite darüber hinaus mit Europas führenden Herstellern von mechanischen Mikro-Elektronik-Systemen zusammen, die die winzig kleinen Bauteile kreieren, die einige der Sensor- und Audio-Technologien in iOS-Geräten antreiben.

Im Wettstreit der Smartphone-Ökosysteme mit Android von Google gelte iOS trotz des geringeren Marktanteils nach wie vor als die lukrativere Plattform, konstatiert die Nachrichtenagentur SDA. Das Geld für Apps sitze bei Käufern der teureren iPhones oft lockerer.

Apple: Spannende Hintergrund-Storys

So arbeiten die heimlichen Bodyguards von Apple-Chef Tim Cook und Co.

Link zum Artikel

Exklusive Einblicke: Video zeigt das geheime Design-Labor von Apple

Link zum Artikel

Der Apple-Chef kündigt das «grösste, kühnste und ehrgeizigste Projekt» an. Spoiler: Es ist kein iPhone

Link zum Artikel

Vom iPhone zum iCar. Darum nimmt Apple die Autoindustrie ins Visier und knüpft sich Erzfeind Google vor

Link zum Artikel

Apple ist bemüht, in Asien für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen

Link zum Artikel

Apple gegen Samsung – oder: Wenn Mitarbeiter Geschäftspapiere aufessen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Die wichtigsten Gerüchte zum iPhone 7

Du hast watson gern?
Sag das doch deinen Freunden!
Mit Whatsapp empfehlen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

23 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
TanookiStormtrooper
21.01.2016 12:00registriert August 2015
Wie kann man nur die berühmteste Person aus Napoli vergessen?
Wer an Neapel denkt, denkt auch an den hier:
290
Melden
Zum Kommentar
Signor_Rossi
21.01.2016 13:35registriert July 2015
Hört doch mit dem Müll auf, es läuft zwar nicht so perfekt wie in der Schweiz, aber so übel wie auf dem Foto ist es mit dem Müll Problem auf den Straßen von Napoli nicht mehr
207
Melden
Zum Kommentar
23

Undercover-Journalist infiltriert Netzwerk von Schweizer Corona-Verschwörern

Ein junger Westschweizer Journalist verbrachte zwei Monate «undercover» bei einer Gruppierung, die gegen das Maskentragen und die SwissCovid-App kämpft. Seine Enthüllungen werfen unbequeme Fragen auf.

Dieser Beitrag dreht sich um die Enthüllungen eines jungen Westschweizer Journalisten, der eine Gruppe von Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern in der Romandie «infiltriert» hat. Dies im Auftrag des Westschweizer Online-Mediums Heidi.news, das nun in einer Serie über die Akteure und ihre beunruhigenden Ansichten berichtet.

Die Pandemie war geplant. Das Virus existiert nicht. Alles eine riesige Verschwörung, in Kombination mit 5G und obligatorischen Impfungen, um die Bevölkerung zu …

Artikel lesen
Link zum Artikel