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Politik: Eklat bei der AfD – «gäriger Haufen»: Petry rechnet mit der Partei ab

Frauke Petry, co-chairwoman of the AfD, leaves a press conference of the Alternative for Germany, AfD, in Berlin, Germany, Monday, Sept. 25, 2017, where she said that she won't be part of the par ...
Petry verlässt Pressekonferenz vorzeitig.Bild: AP/AP

Eklat bei der AfD – Hier stürmt Petry aus der Pressekonferenz

25.09.2017, 10:2525.09.2017, 14:31
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Paukenschlag unmittelbar nach der deutschen Bundestagswahl: Die erfolgreiche AfD macht ihre internen Spannungen für alle offensichtlich. Die Parteivorsitzende Frauke Petry will der Fraktion ihrer Partei nicht angehören.

Sie werde «vorerst als Einzelabgeordnete» in den Bundestag einziehen, sagte Petry am Montag und verliess eine gemeinsame Medienkonferenz mit der AfD-Spitze. Damit sind die seit langem schwelenden innerparteilichen Konflikte in der AfD unmittelbar nach ihrem Wahlerfolg dramatisch eskaliert.

Sie habe «nach langer Überlegung entschieden», nicht Mitglied der Fraktion zu werden. «Seien Sie aber versichert, dass ich weiterhin aktiv Politik machen werde, und dass mein politisches Ziel, mein Anspruch ist, dass wir eine konservative Wende 2021 in diesem Land im Bundestag hinbekommen. Dafür werde ich alles tun, damit das, was an vernünftigen AfD-Ideen seit 2013 erarbeitet wurde, auch tatsächlich politische Realität wird.»

Petry hatte in ihrem Wahlkreis in Sachsen ein Direktmandat errungen. Zu ihren weiteren Plänen machte sie zunächst keine Angaben. So antwortete sie nicht auf die Frage, ob sie AfD-Chefin bleiben werde. Sie bat um Verständnis, dass sie sich zunächst nicht weiter erklären werde. Die Öffentlichkeit werde aber in den kommenden Tagen von ihr hören.

Zuvor hatte Petry eine gemeinsame Medienkonferenz mit ihrem Co-Parteichef Jörg Meuthen sowie den Spitzenkandidaten Alexander Gauland und Alice Weidel verlassen und damit für einen Eklat gesorgt. In einer Stellungnahme während der Medienkonferenz kritisierte sie erneut, dass die AfD zuletzt vor allem mit abseitigen Positionen Schlagzeilen gemacht habe – eine Kritik, die sich besonders gegen Gauland richtet.

AfD-Spitze überrumpelt

Petry verwies in ihrem Statement auch auf den seit Monaten tobenden Machtkampf in der AfD-Spitze. Dieser Dissens sollte nicht totgeschwiegen werden. «Ich werde jetzt diesen Raum verlassen», sagte Petry wenige Minuten nach Beginn des gemeinsamen Medienauftritts.

Ihre Entscheidung hatte Petry offensichtlich nicht abgesprochen. Meuthen reagierte verdutzt über die «gerade geplatzte Bombe, von der ich auch keine Kenntnis hatte». Er entschuldigte sich für das Verhalten Petrys. «Das ist auch mit uns nicht abgesprochen gewesen», sagte er. Der Vorgang zeige, dass die AfD auch «ein gäriger Haufen» sei.

Meuthen attackierte Petry heftig. Dass sie sich zuletzt in öffentlichen Äusserungen wiederholt von den beiden Spitzenkandidaten distanziert habe, sei «wenig hilfreich» gewesen und «nicht hinnehmbar».

Gauland wies jegliche Schuld für die Abkehr von Petry zurück. Er glaube nicht, dass seine Äusserungen zur deutschen Vergangenheit und der Integrationsbeauftragten Aydan Özuguz dafür verantwortlich seien, sagte Gauland.

AfD will Regierung kontrollieren

Spitzenkandidatin Weidel kündigte eine «konstruktive Oppositionsarbeit» an. Die AfD werde künftig die Bundesregierung kontrollieren, was in den letzten vier Jahren praktisch nicht stattgefunden habe. Bestes Beispiel dafür sei die Flüchtlingspolitik.

Gauland warf Union und SPD vor, sie seien unfähig gewesen, das Land vernünftig zu regieren. «Wir wollen eine klare Opposition im Bundestag sein», sagte er.

Die AfD hatte am Sonntag 12,6 Prozent der Stimmen erhalten und stellt 94 Abgeordnete. Sie bildet damit die drittgrösste Fraktion im Parlament. Petry konnte in ihrem sächsischen Wahlkreis ein Direktmandat erringen. Sie ist auch sächsische Landesvorsitzende.

Meuthen ist Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg. Er hatte nicht für den Bundestag kandidiert. Petry hatte auf eine Spitzenkandidatur verzichtet. (sda/dpa/afp/reu)

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78 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Beobachter
25.09.2017 11:37registriert November 2014
Ich kann den Schritt und die Begründung Petry's nachvollziehen. Wenn man sich gestern Abend mal die Rede von Gauland angehört hat, dann lief es einem kalt den Rücken runter. U.a. sagte er da "...wir werden Merkel jagen....". Unverkennbare Nazi Rhetorik und wohl gewollte sprachliche Parallele zu den Aufrufen im 3. Reich, Juden zu jagen. Gauland hat sich längst selbst entlarft. Petry sieht sich als konservative Politikerin in der Mitte der Gesellschaft. Da muss sie sich abgrenzen und macht das auch. Den AfD internen Machtkampf wird sie wohl aber leider verlieren.
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Zarzis
25.09.2017 10:59registriert Dezember 2014
Top Narr hat seinen Arbeit getan und muss jetzt weg.
Es ergeht ihr jetzt so wie sie es mit Lucke machte.
Abserviert! Die Extremen haben sich schritt für schritt die Partei unter den Nagel gerissen. Erst musste Lucke mit der Petry nach rechts Rücken um dann im April an die Rechte Wand zu Rutschen. Petry war halt nur ein Nettes Gesicht um die Hässliche Fratze der AFD zu Verdecken. Jetzt ist Petry weg und die Gaulands und Höcke haben das sagen in dieser Partei.
Egal wie viel sie Abstreiten, das Völkische ist der einzige Kitt dieses Haufens.
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so wie so
25.09.2017 11:44registriert Juli 2015
Das schlimme daran ist, dass die Wählerschaft in der Unterschicht auf bessere Zeiten hofft. Köderfang mit Asylantenhass. Dabei sind gerade diese Leute für die Rechte genau so "Abschaum", die der Gesellschaft nur auf der Tasche liegt. Ich werde es nie verstehen
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