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Bild: JONATHAN ERNST/REUTERS
Analyse

Putin hat einen teuflischen Plan – durchschaut Trump ihn rechtzeitig?

11.01.2017, 11:49

Russland besitzt offenbar ein kompromittierendes Dossier über Donald Trump. Ob davon etwas wahr ist, versucht das FBI nun herauszufinden. In einem anderen Punkt hingegen ist sich die US-Bundespolizei sicher: Nicht nur die demokratische, auch die republikanische Partei wurde gehackt. Dabei handelte es sich um alte Domains und «old stuff», wie Direktor James Comey in einer Anhörung vor dem Senat erläuterte. Veröffentlicht wurde davon bislang nichts. Noch nicht, könnte man ergänzen.

Man muss kein Hellseher sein, was Russland mit dieser potentiell toxischen Mischung aus Fakten, Halbwahrheiten und Lügen bezweckt: Während im Wahlkampf die Demokraten und ihre Kandidatin Hillary Clinton diskreditiert wurden, könnten jetzt die Republikaner und Donald Trump an der Reihe sein.

Die Erkenntnis eines deutschen Undercover-Reporters über seine Zeit beim russischen Staatssender RT ruft sich in Erinnerung:

«Der Konferenztisch im ersten Stock, hier in der Redaktion in Berlin, ist nicht der Ort, an dem Lügen entstehen. Es ist der Ort, an dem Zweifel gestreut werden. Hier entsteht keine Wahrheit, hier wird Wahrheit aufgelöst.»
Martin Schlak, Reporter.
neon

Die Vorstellung, Putin wolle einen Russland-freundlichen Präsidenten im Weissen Haus installieren, war schon immer reichlich naiv. Trump ist nicht mehr als ein Etappensieg: Es geht letztlich nicht darum, einen bestimmten Kandidaten über den anderen triumphieren zu lassen, sondern beide zu zerstören. Amerika soll nicht glauben, Trump sei besser als Clinton oder umgekehrt, sondern den Glauben an beide verlieren. Oder noch besser, nicht mehr wissen, was es glauben soll. Und schliesslich politische Institutionen grundsätzlich infrage stellen.

Die deutsche Sprache kennt hierfür einen präzisen Begriff: Zersetzung.

Ahnt Trump, dass er Protagonist im zweiten Teil von Wladimir Putins grossem Plan für die USA ist? Er bezeichnet die Berichte über das angebliche kompromittierende Dossier auf Twitter als «Fake News».

Gut möglich, dass er damit recht hat. Aber vermutlich schliesst er Russland als Quelle aus, mit dem er eine «gute Beziehung» haben will. Wer das nicht will, sei «dumm».

Er sieht die Fake News, aber weigert sich, ihre wahrscheinlichste Quelle zu sehen. Trump will gute Beziehungen zu einem Regime, das ihn absägen will. Er verkennt somit, in welcher Gefahr sich seine Präsidentschaft befindet, bevor er sie überhaupt angetreten hat. Wer ist jetzt dumm?

Vielleicht ist aber auch Putin naiv, wenn er glaubt, man könne Trump mit kompromittierenden Informationen zu Fall bringen. Ein Video mit Prostituierten in Moskau? So what, viel schlimmer als jenes mit dem Zitat «Grab 'em by the pussy» kann es nicht sein. Und das vermochte seine Kandidatur bekanntlich nicht zu versenken.

Doch der Wahlkampf ist vorbei, nächste Woche übernimmt Trump die Zügel. Clinton, ihr Server und die gehackten E-Mails können nicht mehr von seinen eigenen – wahren oder erfundenen – Unzulänglichkeiten ablenken. 

Vielleicht käme Trump zu einer anderen Einschätzung seiner Lage, wenn er die Bedrohung aus Russland nicht bei jeder Gelegenheit klein reden würde. Das schafft er nicht, weil er dadurch aus seiner Sicht die Legitimität seines unpresidented (sic!) Wahlsiegs schmälern würde. Das würde an seinem Ego nagen. Nein, das geht nicht.

So tickt Putin – privat wie politisch

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