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Kolesnikowa soll heute verhört werden – ihr drohen bis zu 5 Jahren Haft



Nach ihrer Entführung und Verhaftung soll die Oppositionelle Maria Kolesnikowa in Belarus (Weissrussland) an diesem Donnerstag von Ermittlern vernommen werden. Sie ist die einzige politische Gefangene bisher, die sich wegen des Versuchs der illegalen Machtergreifung verantworten soll. Ihre Anwältin Ljudmila Kosak bezeichnete die Vorwürfe als «absurden» Versuch, Andersdenkende mundtot zu machen.

epa08652100 (FILE) - Representative of Belarusian politician Viktor Babariko's campaign office Maria Kolesnikova attends a press conference of the Coordination Council of the Belarusian opposition in Minsk, Belarus, 24 August 2020 (reissued 07 September 2020). According to media reports citing eyewitnesses and fellow campaign members, Kolesnikova has been detained by unidentified persons in Minsk on 07 September.  EPA/TATYANA ZENKOVICH *** Local Caption *** 56293267

Maria Kolesnikowa sitzt hinter Gittern. Bild: keystone

Die 38-jährige Kolesnikowa, die viele Jahre in Stuttgart in der Kulturszene aktiv war, sitzt nach ihrer Verschleppung am Montag nun in Untersuchungshaft. Ihr drohen Medien zufolge im Fall einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft.

Kolesnikowa sei nach ihrer Entführung durch Maskierte in Minsk auch physische Gewalt angedroht worden, sagte Kasak. Sicherheitskräfte hätten sie gegen ihren Willen zur ukrainischen Grenze gebracht, um sie in das Nachbarland abzuschieben. Kolesnikowa hatte ihren Pass vor dem Grenzübergang zerrissen und so ihre Abschiebung vereitelt. Sie habe auch Quetschungen von der gewaltsamen Aktion davongetragen.

Solidaritätskundgebungen in Minsk

«Maria fühlt sich gut und wacker trotz des erlebten Stresses in den vergangenen zwei Tagen», sagte Kasak am Mittwochabend. Im Moment werde sie ohne ein Dokument festgehalten, in dem stehe, wer sie wann, wo und warum verhaftet habe. Sie werde Klage wegen der Entführung einreichen und wegen des Gesundheitszustands der Politikerin eine gerichtsmedizinische Untersuchung beantragen, sagte Kasak.

In Minsk kam es am Mittwoch zu Solidaritätskundgebungen, bei denen Menschen die Freilassung Kolesnikowas forderten. Es gab mehrere Festnahmen.

Belarusian medical workers gesture during a rally in support of Maria Kolesnikova, and other members of the Coordination Council created by the opposition to facilitate talks with Lukashenko on a transition of power, was detained Monday in the capital of Minsk with two other council members, in Minsk, Belarus, Wednesday, Sept. 9, 2020. The leading opposition candidate in Belarus' disputed presidential election said Wednesday that the political tension in her country should be solved internally, by the Belarusian people, but she did not exclude the need for future international mediation. (AP Photo)

Gesundheitsangestelle demonstrieren am Mittwoch in Minsk für Maria Kolesnikowa. Bild: keystone

Der Menschenrechtsausschuss der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE) verurteilte die politische Gewalt in Belarus. Als Reaktion auf die schweren Menschenrechtsverstösse werde der Europarat gemeinsam mit anderen internationalen Organen eine internationale Untersuchung einleiten, um die Verbrechen zu dokumentieren und zu verfolgen.

Die Behörden und die Vertreter der Zivilgesellschaft in Belarus seien eingeladen, sich an den Ermittlungen zu beteiligen. Die Ergebnisse würden der Justiz übergeben, damit Anklage wegen der Menschenrechtsverstösse erhoben werden könne.

Derweil zeichnet Lukaschenko Polizisten aus

Der umstrittene Staatschef Alexander Lukaschenko hatte im Interview mit russischen Staatsmedien das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen friedliche Demonstranten verteidigt. Er hatte Hunderte Uniformierte ausgezeichnet.

Die in sozialen Netzwerken von den Opfern der Gewalt verbreiteten schwersten Verletzungen, die auch viele Ärzte bestätigten, bezeichnete er als harmlos. Zudem hätten viele Demonstranten sich die Blutergüsse und blutigen Striemen selbst mit Farbe auf die Haut gemalt, behauptete er. Es gab mehrere Tote.

Video: watson/een

In der Ex-Sowjetrepublik kommt es seit der umstrittenen Präsidentenwahl am 9. August täglich zu Protesten gegen Staatschef Alexander Lukaschenko. Lukaschenko liess sich nach 26 Jahren an der Macht zum sechsten Mal in Folge zum Wahlsieger erklären – mit mehr als 80 Prozent der Stimmen.

Die Demokratiebewegung in dem Land zwischen EU-Mitglied Polen und Russland sieht hingegen die 37 Jahre alte Swetlana Tichanowskaja als die neue Präsidentin. Die EU hat die Wahl – wie die meisten anderen Ländern – nicht anerkannt. Russland und China hatten dem 66-Jährigen hingegen zum Sieg gratuliert. (sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Quacksalber 10.09.2020 10:27
    Highlight Highlight Westeuropa hat berechtigten schiss, dass Russland einmarschiert, wenn sie sich auch nur dem Schein nach einmischen. Ich wünsche der Bevölkerung viel Durchhaltewillen und Glück um das Diktatorregime loszuwerden.
  • dho 10.09.2020 10:09
    Highlight Highlight Streik wird dieses Regime zu Fall bringen.
  • Notabik 10.09.2020 08:30
    Highlight Highlight Wann wird dieses Schreckensregime von Lukaschenko endlich ausgehungert? Nicht nur an dennPranger stellen sondern konkrete Massnahmen beschliessen, liebe EU, liebe Schweiz. Das seit ihr der Freiheit auf unserem gemeinsamen Kontinent schuldig. Ein paar Funktionäre aus Belarus mit Sanktionen zu belegen reicht da bei weitem nicht aus.
  • rodolofo 10.09.2020 06:59
    Highlight Highlight Belarus befindet sich jetzt in einer totalen Blockade.
    Auch wenn dieser Zustand kaum auszuhalten ist, werden jetzt die Sensibilität und die Wahrnehmung enorm gesteigert!
    Jetzt ist es möglich, "den Teufel" zu sehen:
    Es ist Lukaschenko mit seinen "Sicherheitskräften", der auf fröhlich lachende und tanzende, friedlich und unbewaffnet demonstrierende Menschen brutal einschlagen lässt!
    Dieses Regime ist gleichbedeutend mit Tod und Verderben.
    Und damit ist auch klar, wo der Ausgang aus der Blockade zu finden ist: Dort, wo Lukaschenko und seine Folterknechte (und Putin) NICHT (mehr) sind!

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