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«Tropen-Trump» räumt ab: Bolsonaro gewinnt Präsidentschaftswahl in Brasilien



Die Brasilianer haben den ultrarechten Ex-Militär Jair Bolsonaro zum neuen Präsidenten gewählt. Seine Anhänger hoffen auf ein Ende der Korruption. Seine Gegner befürchten einen Angriff auf die noch junge Demokratie und eine Welle von Hassverbrechen.

Die Brasilianer haben der traditionellen Politikerkaste des Landes eine schallende Ohrfeige verpasst und den Rechtspopulisten Jair Bolsonaro zum neuen Präsidenten gewählt.

epa07126566 Far-right candidate of the Social Liberal Party (PSL) Jair Bolsonaro (R) votes at a polling station in Rio de Janeiro, Brazil, 28 October 2018. Brazilians are called to vote in the second round of the country's presidential elections, where far-right candidate Jair Bolsonaro is favorite to win in all surveys. Fernando Haddad of the Workers Party will face Jair Bolsonaro, of the Social Liberal Party (PSL) in the second round of voting.  EPA/RICARDO MORAES / POOL

Jair Bolsonaro bei seiner Stimmabgabe in Rio de Janeiro.  Bild: EPA/REUTERS POOL

Auf den Ex-Militär entfielen am Sonntag rund 55,5 Prozent der Stimmen, sein Gegner Fernando Haddad von der linken Arbeiterpartei erhielt 44,5 Prozent. Das teilte das Wahlamt nach Auszählung von knapp 95 Prozent der Stimmen mit.

Der Wahlsieg des ultrarechten Politikers könnte einen radikalen Politikwechsel in Brasilien nach sich ziehen. Der frühere Fallschirmjäger will den Zugang zu Waffen erleichtern, wichtige Ministerien mit Militärs besetzen und möglicherweise aus dem Pariser Klimaschutzabkommen aussteigen.

Noch bis vor Kurzem galt der in Anlehnung an US-Präsident Donald Trump auch «Tropen-Trump» genannte Politiker als skurriler Hinterbänkler im Parlament.

Er provozierte immer wieder mit Ausfällen gegen Frauen, Schwarze und Schwule sowie mit seiner Sympathie für die Militärdiktatur (1964–1985). Einer Abgeordneten bescheinigte er einmal, sie sei es nicht wert, vergewaltigt zu werden, weil sie «sehr hässlich» sei.

Doch das war für die meisten Brasilianer offenbar nachrangig, zu gross war der Wunsch nach einem echten Politikwechsel. Über alle Parteigrenzen hinweg sind die meisten Politiker in Schmiergeldaffären verwickelt.

«Lava Jato» (Autowäsche) gilt als der grösste Korruptionsskandal Lateinamerikas und hat auch Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hinter Gitter gebracht, den politischen Ziehvater Haddads. Bolsonaro hingegen gilt als einigermassen sauber.

«Bolsonaro ist der einzige Politiker in diesem Land, der nicht in Korruption verwickelt ist», sagte seine Anhängerin Kelly Barreto vor dem Haus des Politikers in Rio de Janeiro. «Mit Bolsonaro werden sich das Bildungswesen, die Gesundheitsversorgung und die Sicherheitslage verbessern. Nur mit ihm wird sich Brasilien verändern.»

ARCHIV – ZUR MELDUNG, DASS DAS WAHLGERICHT IN BRASILIEN DIE PRAESIDENTSCHAFTSKANDIDATUR VON EX-STAATSCHEF LULA DA SILVA FUER UNGUELTIG ERKLAERT HAT, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Former Brazilian president Luiz Inacio Lula da Silva reacts by offering a speech after hearing the decision of his trial, at the Plaza de la Republica of Sao Paulo, Brazil, 24 January 2018. TA three-judge panel in Porto Alegre, Brazil, unanimously upheld the corruption conviction of former Brazilian President Luiz Inacio Lula da Silva. The appeals court in the coastal city voted to uphold the conviction and increase Lula's prison sentence, from the original ruling of nine and a half years to 12. (KEYSTONE/EPA/MARCELO CHELLO)

Wegen Korruption im Knast: Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. Bild: EPA EFE

Mehr Waffen und harte Strafen

Auch die grassierende Gewalt wollen die meisten Brasilianer nicht länger hinnehmen. Bolsonaro verspricht einfache Lösungen. Er will das Waffenrecht legalisieren, das Strafmündigkeitsalter herabsetzen und die Polizei zu einem härteren Vorgehen gegen Kriminelle ermutigen.

Angesichts von über 63'000 Tötungsdelikten im vergangenen Jahr verfangen seine Rufe nach einer Politik der harten Hand. «Was mir am besten gefällt an Bolsonaro, sind seine Vorschläge zur öffentlichen Sicherheit. In Rio kann man heutzutage nicht mehr vor die Tür gehen, ohne Angst zu haben, überfallen zu werden», sagte die Wählerin Leandra Nascimento.

Unter Linken, Menschenrechtlern und Minderheiten geht jetzt die Angst um, Bolsonaros Hasstiraden könnten zu Gewalt gegen Homosexuelle, Schwarze und Indigene führen. Kurz vor der Wahl hatte der schneidige Ex-Militär angekündigt: «Es wird eine in Brasilien niemals gesehene Säuberung geben.» (sda/dpa)

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