DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Auch in Soleto werden die Rettungssanitäter immer häufiger gebraucht. (Symbolbild)
Auch in Soleto werden die Rettungssanitäter immer häufiger gebraucht. (Symbolbild)Bild: EPA

Nach Corona-Ausbruch in Alterszentrum: Pfleger lassen Bewohner zurück – neun Tote

In einem süditalienischen Alterszentrum ist das Coronavirus ausgebrochen. Das Pflegepersonal liess die Bewohner danach anscheinend einfach zurück. Bereits neun Leute sind gestorben.
06.04.2020, 15:0506.04.2020, 19:10

In den vergangenen Tagen sind neun Bewohner des Altersheims «La Fontanella» im apulischen Soleto ums Leben gekommen. Im Alterszentrum war das Coronavirus ausgebrochen. Doch nicht alle Opfer sind an Covid-19 gestorben – einige von ihnen sind verhungert.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Der italienische TV-Sender La7 berichtet, das Pflegepersonal habe das Alterszentrum nach dem Ausbruch des Virus verlassen. Als der Bürgermeister von Soleto Ärzte ins Altersheim schickte, fanden diese eine besorgniserregende Situation vor.

Das Alterszentrum «La Fontanella» in Soleto.
Das Alterszentrum «La Fontanella» in Soleto.Bild: google street view

Mattia Marchello, einer der Ärzte, beschreibt seine Eindrücke so: «Das Pflegeheim ist verlassen worden, nur die 87 Bewohner sind zurückgeblieben. Mindestens 70 von ihnen haben das Coronavirus. Die, die ihnen zu essen und zu trinken geben müssten, waren nicht da. Die Menschen hatten kalt, waren schmutzig und hatten Hunger.»

Soleto liegt rund 20 Kilometer südlich von Lecce:

Die Behörden wurden durch Angehörige der Bewohner auf das Alterszentrum aufmerksam. Valentina Treglia, die Enkelin einer Bewohnerin, sagt: «Wir haben einen Video-Anruf von der Grossmutter gekriegt und gemerkt, dass etwas nicht so ist wie sonst. Sie hat niedergeschlagen gewirkt.»

Wenig später wurde sie in den Notfall eingeliefert, wo sie verstarb. Nicht am Coronavirus, wie der Arzt den Angehörigen erklärte: «Sie ist verhungert.» Auch Arzt Marchello bestätigt, es sei anzunehmen, dass einige Bewohner nicht am Coronavirus gestorben, sondern schlicht verhungert sind.

Die Leitung des Alterszentrums hat sich bisher noch nicht zur Situation geäussert. Im Verlauf des Montags will sie ihre Sicht auf die Ereignisse darlegen, wie TG Norba berichtet. Die Staatsanwaltschaft hat eine Strafuntersuchung eingeleitet. (dab)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Coronavirus: Was du wissen musst

1 / 15
Coronavirus: Was du wissen musst
quelle: ap / zoltan balogh
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

«Masken für alle? Ein Witz»

Video: srf

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

39 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Borki
06.04.2020 15:40registriert Mai 2018
Wie schrecklich muss es sein, so zu sterben. Und wie schrecklich, seine Angehörigen so zu verlieren. Da bleibt doch dass Gefühl, die Mutter / den Vater im Stich gelassen zu haben. Mein Beileid.

Es fällt mir schwer, zivilisiert auszudrücken, was ich über das Personal denke. Also lasse ich es...
60321
Melden
Zum Kommentar
avatar
sentir
06.04.2020 15:58registriert Juni 2015
Jeder einzelne Angestellte, vom Direktor bis zum Pfleger, gehört für Jahre weggesperrt!

Es ist das Eine, nicht mehr da arbeiten zu wollen, aber Niemandem etwas sagen und die Leute verrecken lassen, ist unter aller Sau.
Ich würde für vorsätzlichen Mord plädieren...
50733
Melden
Zum Kommentar
avatar
Sherlock_Holmes
06.04.2020 15:43registriert September 2015
Während sich viele andere – selbst mit unzureichendem oder fehlendem Schutz – bis zur Erschöpfung um Kranke kümmern, war im geschilderten Fall die Angst und der Selbsterhaltungstrieb offenbar grösser.

Dass es überhaupt dazu kommen konnte, macht enorm betroffen.

Was zu den unhaltbaren Zuständen führte kann nur vermutet werden und muss zweifelsohne geklärt werden.

Es wirft jedoch leider ein weiteres Schlaglicht auf die Missstände im Süden Italiens zum Leidwesen der Betroffenen und nicht zuletzt einer grösstenteils wunderbaren, herzlichen, hilfsbereiten, mutigen und engagierten Bevölkerung.
33015
Melden
Zum Kommentar
39
Amsterdam will dem Cannabis-Tourismus ein Ende setzen
In Amsterdam beabsichtigt die Bürgermeisterin dem Cannabis-Tourismus einen Riegel vorzuschieben. Es gibt aber Widerstand.

Die Niederlande sind bekannt für Tulpen, Käse und ihre Küsten. Nicht wenige Touristen kommen aber auch wegen der Coffeeshops, in denen sie bislang Cannabis und daraus gefertigte Produkte erwerben konnten. Vor allem Amsterdam ist bekannt für diese Läden. Jetzt soll damit aber Schluss sein.

Zur Story