International
Indien

Kaum Sauerstoff, Kliniken am Limit: Indiens dramatische Corona-Lage

Kaum Sauerstoff, Kliniken am Limit: Indiens dramatische Corona-Lage spitzt sich zu

28.04.2021, 19:0528.04.2021, 19:05

Kaum Sauerstoff, Ärzte und Krankenhauspersonal am Limit, überlastete Krematorien. Kein Land weltweit erlebt derzeit eine so dramatische Corona-Krise wie Indien. Die zweite Welle hat das südasiatische Land mit seinen 1.3 Milliarden Einwohnern stark getroffen.

epa09164897 Indian health workers attend to a suspected COVID-19 positive patient at a COVID-19 hospital in Kolkata, Eastern India, 28 April 2021. India recorded a massive surge of 362,000 fresh COVID ...
Bild: keystone

Besonders in der Hauptstadt Delhi sind Krankenhausbetten und Medikamente Mangelware. Familien warten mit ihren an Covid-19 erkrankten Angehörigen vor den Kliniken oft vergeblich, viele Menschen sterben, bevor sie ein Arzt überhaupt behandeln kann.

Auch die Daten zeichnen ein verheerendes Bild. Seit Tagen werden täglich mehr als 300'000 Neuinfektionen registriert, Tausende sterben im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Seit Pandemiebeginn gibt es nun insgesamt mehr als 200'000 Corona-Tote im Land, wie aus den Zahlen des indischen Gesundheitsministeriums vom Mittwoch hervorgeht.

Beds lie inside an indoor stadium converted into COVID-19 treatment center for emergencies in the wake of the spike in the numbers of positive coronavirus cases in Srinagar, Indian controlled Kashmir, ...
Betten, soweit das Auge reicht: Ein aufgebautes Covid-Notfallzentrum in Srinagar, 28. April 2021.Bild: keystone

Experten befürchten, dass die tatsächliche Zahl der Toten deutlich höher sein dürfte. Krankenhäuser weisen Angehörige teils an, selbst Sauerstoff für ihre Kranken zu organisieren. Einige noch gesunde Menschen sichern sich eigene Vorräte – falls es sie auch noch trifft.

Der britische Thronfolger Prinz Charles rief zu mehr internationaler Hilfe für Indien auf. «Zusammen werden wir diesen Kampf gewinnen», schrieb Charles am Mittwoch in einer öffentlichen Nachricht an die Menschen in Indien. Er sei tief traurig über die tragischen Bilder aus dem Land. Die Betroffenen in Indien seien in seinen Gedanken und

Grosse Sorglosigkeit als Auslöser

Als Grund für die besonders verheerende zweite Welle führen Experten oft die grosse Sorglosigkeit im Hinblick auf Corona-Regeln im Land an. Auch die Virusmutante B.1'617 steht im Verdacht, eine Rolle zu spielen.

FILE - In this March 29, 2021, file photo, Indians, their faces smeared with color and glitter, dance as water is sprinkled on them during Holi celebrations in Prayagraj, India. India���s death toll f ...
Menschen am diesjährigen Holi-Fest in Prayagraj am 29. März 2021.Bild: keystone

Der deutsche Virologe Christian Drosten zeigte sich angesichts der bisherigen Erkenntnisse über die indische Corona-Variante jedoch weiter relativ gelassen. Die Variante sei zwar etwas verbreitungsfähiger und robuster gegen die Immunität, sagte der Wissenschaftler von der Charité in Berlin im Podcast «Coronavirus-Update» (NDR-Info) vom Dienstagabend. Das sei auch im Vergleich mit anderen Varianten «nichts, was einen wirklich gross beunruhigt».

Zudem haben in Indien bislang weniger als zehn Prozent der Menschen mindestens eine Impfdosis erhalten – und das obwohl Indien eigentlich als «Apotheke der Welt» bekannt ist und massenhaft Impfstoffe herstellt.

Ab Mai sollen sich in Indien alle ab 18 Jahren impfen lassen dürfen. Allerdings gibt es weiterhin Engpässe, immerhin braucht es für die grosse Bevölkerung mit mehr als 1.3 Milliarden Menschen auch viel Impfstoff. In Indien mit der zweithöchsten Bevölkerung weltweit wurden insgesamt rund 17.6 Millionen Corona-Fälle registriert. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Währenddessen in der Schweiz: Highlights Bundesrats-PK 28. April
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Brasilien-Wahl: Stimmabgabe landesweit verlängert
In Brasilien ist die Stimmabgabe bei der Stichwahl um das Präsidentenamt auf Anordnung des Obersten Gerichts landesweit um zwei Stunden verlängert worden.
Die Wahllokale sollen nun bis 19.00 Uhr Ortszeit (23.00 Uhr MESZ) geöffnet bleiben, wie der Richter Cristiano Zanin vom Obersten Gerichtshof (STF) entschied. Die bereits begonnene Auszählung wurde daraufhin unterbrochen.
Zur Story