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Israel: Warum Elon Musk in Israel von Netanyahu empfangen wurde

«Taten sagen mehr als Worte»: Warum Elon Musk in Israel von Netanyahu empfangen wurde

Der reichste Mann der Welt schlägt sich während eines Israel-Besuchs ganz auf die Seite von Benjamin Netanyahu. Liefert der israelische Ministerpräsident eine Vorlage, wie man Elon Musk zur Vernunft bringen kann?
28.11.2023, 05:50
Renzo Ruf, Washington / ch media
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Elon Musk besuchte zusammen mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu (Mitte) den Kibbuz Krar Aza, Schauplatz eines Hamas-Massakers.
Elon Musk besuchte zusammen mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu (Mitte) den Kibbuz Krar Aza, Schauplatz eines Hamas-Massakers.Bild: Handout/Getty Images Europe

Der reichste Mann der Welt hat am Montag Israel besucht. Elon Musk machte sich mit eigenen Augen ein Bild des Massakers, das die Terrororganisation Hamas am 7. Oktober in einem Kibbuz angerichtet hatte. Der Unternehmer wurde dabei vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu und weiteren Offiziellen begleitet; später stand auch ein Treffen von Musk mit Präsident Isaac Herzog auf der Agenda.

Musk ist ständig unterwegs, sind doch Standbeine seines Technologie-Imperiums wie Tesla, Starlink und X weltweit präsent. Überraschend an diesem Besuch waren aber die ausgesprochen proisraelischen Stellungnahmen, die der 52-Jährige während seines Besuchs abgab. Denn in den vergangenen Wochen war Musk nicht nur in den USA scharf für den antisemitischen Hass kritisiert worden, den er als Alleineigentümer der Internet-Plattform X tolerierte – und den er, mit im Minimum unglücklich formulierten Stellungnahmen, auch noch förderte.

Netanyahu spricht, Musk hört zu

So hatte Musk vor einigen Tagen die Behauptung eines X-Nutzers, dass jüdische Gemeinschaften einen «dialektischen Hass» gegen Menschen mit weisser Hautfarbe schürten, als die «eigentliche Wahrheit» bezeichnet. Daraufhin stornierten zahlreiche Unternehmen, die auf dem Internet-Dienst Werbung schalteten, ihre Anzeigen. Dies soll X mehrere Millionen von Dollar gekostet haben. Musk ruderte daraufhin zurück und bezeichnete die Unterstellung, er sei ein Antisemit, als «weit von der Wahrheit entfernt».

Der israelische Ministerpräsident scheint dem Multimilliardär – der immer wieder mit provokanten Stellungnahmen zu weltpolitischen Brandherden wie der Ukraine für Aufsehen sorgt – zu glauben. Im Anschluss an die Kibbuz-Visite nahm Netanyahu ein 23 Minuten dauerndes Gespräch mit Musk auf (das natürlich auf X veröffentlicht wurde).

Darin erwähnte der Regierungschef die Vorwürfe gegen Musk mit keinem Wort. Stattdessen reduzierte Netanyahu den reichsten Mann der Welt zum weitgehend passiven Gesprächspartner, der ab und zu «genau, genau» sagen durfte, während der Ministerpräsident über Nazideutschland, die Hamas und das palästinensische Volk dozierte.

Starlink braucht nun Zustimmung der Regierung Netanyahu

Musk bekräftigte während seiner Wortmeldungen, dass Israel «keine andere Wahl» habe, als die Hamas-Terroristen «zu neutralisieren». Er zeigte sich «erschüttert» über die Eindrücke, die er während seines Kurzbesuchs im Kibbuz Kfar Aza gewonnen hatte.

Und er versicherte Netanyahu, dass er seinen Beitrag dazu leisten werde, dass die Palästinenser «eine gute Zukunft» hätten, sobald der Einsatz der israelischen Streitkräfte zu Ende sei. Wichtig sei es nun, dass Terror-Organisationen wie die Hamas ihre antiisraelische Propaganda nicht mehr verbreiten könnten, damit es ihnen nicht gelinge, eine neue Generation von Mördern zu trainieren.

Netanyahu wird seine Gründe gehabt haben, dass er Musk nicht direkt auf den antijüdischen Hass ansprach, der auf X frei zugänglich ist. Immerhin erhielt die israelische Regierung am Montag das Zugeständnis von Musks Internet-Firma Starlink, dass sie in Israel und im Gaza-Streifen nur mit Erlaubnis des Kommunikationsministeriums tätig sein werde.

Zuvor hatte Musk noch versichert, dass humanitäre Organisationen, die im Gaza-Streifen tätig seien, Starlink nutzen könnten. Israel beschuldigt gemeinnützige Organisationen häufig, im Gaza-Streifen mit der Hamas zusammenzuarbeiten.

Die nächsten Tage werden zeigen, ob Netanyahu dem Unternehmer im privaten Gespräch weitere Zusicherungen abringen konnte. Als sich die beiden letztmals im September in Kalifornien trafen, hatte Musk versichert, dass er gegen alles einstehe, das «Hass und Konflikt» fördere.

An diese Zusicherung schien er sich aber bereits einige Tage später nicht mehr zu erinnern – vielleicht auch, weil der Technologie-Tausendsassa immer wieder mit absurden Verschwörungstheorien sympathisiert, wie es sein Biograf Walter Isaacson formulierte.

Passend dazu schrieb Musk am Montag auf X: «Taten sagen mehr als Worte.» (aargauerzeitung.ch)

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79 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Linus Luchs
28.11.2023 07:30registriert Juli 2014
Die beiden haben ja durchaus einen gemeinsamen Nenner. Beide haben keine Berührungsängste mit Extremisten am rechten Rand, wenn es darum geht, die eigene Macht zu sichern.
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Graf von Rüdesheim
28.11.2023 07:38registriert Februar 2022
In meinen Augen ist Musk ein seelenloser Spindoctor, der immer wieder mal ausprobiert, wie er den Spin drehen muss um am meisten Kohle zu scheffeln. Ein widerlicher Zögling der abartigen Theorien von Adam Smith. Nach einer kurzen Epoche der gemässigten sozialen Marktwirschaft schiessen diese Zombies wieder wie Pilze aus dem Boden.
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bcZcity
28.11.2023 06:38registriert November 2016
Mal ganz Abseits dieses PR- und Business Besuches, frage ich mich schon warum man ihm eine Schutzweste in der Grösse XS gegeben hat?! 🤣
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