International
Energie

Iran fährt Uran-Produktion hoch – Atombehörde schlägt Alarm

«Anlass zu ernster Sorge»: Iran fährt Uran-Produktion hoch

26.02.2025, 16:2226.02.2025, 16:39

Iran hat die Herstellung von beinahe atomwaffentauglichem Uran in den vergangenen Monaten stark beschleunigt – trotz vorangegangener Gespräche über eine Begrenzung der Produktion.

Das berichtet die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien. Die iranischen Vorräte an Uran mit einem Reinheitsgrad von 60 Prozent seien seit Ende Oktober um gut 91 Kilogramm auf rund 275 Kilogramm angestiegen, hiess es in dem nicht-öffentlichen IAEA-Bericht, welcher der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die monatliche Produktionskapazität schnellte demnach von rund 8 Kilogramm auf bis zu 40 Kilogramm hoch.

Grossi sieht Anlass zu ernster Sorge

IAEA-Chef Rafael Grossi wies in dem Bericht darauf hin, dass Iran der einzige Staat ohne Atomwaffen sei, der solches Material herstelle. Die «signifikant gestiegene Produktion und Anhäufung» von 60-prozentigem Uran «gibt Anlass zu ernster Sorge», schrieb er in dem Dokument, das nächste Woche in einer Sitzung des IAEA-Gouverneursrates debattiert wird.

International Atomic Energy Agency Director General Rafael Mariano Grossi gestures while speaking to the madia after their talks in Moscow, Russia, Friday, Feb. 7, 2025. (AP Photo/Alexander Zemlianich ...
IAEA-Chef Rafael Grossi sagt, es gebe ernsthaften Anlass zur Sorge.Bild: keystone

Mitte November hatte Grossi in Teheran über eine mögliche Selbstbeschränkung bei der Herstellung dieses Materials verhandelt, damit die Menge nicht noch weiter ansteigt. Dafür hatte Iran auch schon erste technische Vorkehrungen getroffen. Doch nach einer Iran-kritischen IAEA-Resolution entschied sich Teheran, die Produktion zu beschleunigen.

Für Atomsprengkopf müsste Niveau erhöht werden

Für einen Atomsprengkopf wären laut Fachleuten etwa 50 Kilogramm dieses Materials nötig. Zuvor müsste es jedoch noch auf ein Niveau von 90 Prozent angereichert werden.

Offiziell beharrt die Islamische Republik darauf, kein Atom-Arsenal anzustreben. In letzter Zeit haben sich jedoch einige iranische Offizielle über eine mögliche Abkehr von dieser Doktrin geäussert und damit die internationale Sorge um das iranische Atomprogramm weiter befeuert. Iran könnte theoretisch seine Produktion jederzeit auf 90 Prozent umschwenken, sagte ein hochrangiger Diplomat, der mit dem Nuklearprogramm befasst ist. IAEA-Inspektoren könnten dies jedoch innerhalb von wenigen Tagen bemerken und die internationale Gemeinschaft informieren, sagte er.

US-Präsident Donald Trump hatte Anfang Februar erneut für ein «nukleares Friedensabkommen» mit Iran geworben. Teherans Aussenminister Abbas Araghchi deutete zunächst Gesprächsbereitschaft an, doch kurz darauf lehnte Irans oberster Führer Ali Chamenei Verhandlungen mit Trump kategorisch ab. In den vergangenen Monaten führten Deutschland, Frankreich und Grossbritannien ohne die Vereinigten Staaten Gespräche über ein mögliches neues Abkommen. Die jüngste Runde fand am Montag in Genf statt.

In seiner ersten Amtszeit hatte Trump 2018 den Ausstieg der Vereinigten Staaten aus dem Atompakt von 2015 verkündet, mit dem das iranische Nuklearprogramm stark eingeschränkt worden war. Seitdem hat Teheran schrittweise die Anreicherung wieder hochgefahren und IAEA-Inspektionen beschränkt. (sda/dpa/lyn)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
5 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5
Volk verpasst Meloni eine Ohrfeige – ihr grösstes Problem hiess Donald Trump
Das Nein der Italiener zur Justizreform ist die schmerzhafteste Niederlage, die Giorgia Meloni in ihrer gesamten politischen Karriere bisher einstecken musste. Die vor kurzem noch unangreifbar scheinende Regierungschefin wirkt plötzlich ratlos.
Das selbstgedrehte Video, das Giorgia Meloni nach dem Feststehen der Niederlage am Montagabend auf den sozialen Medien verbreitete, sprach Bände. Die sonst so angriffslustige und eloquente 49-jährige Römerin blickte bleich und starr in die Handy-Kamera und spulte einige vorbereitete, erwartbare Sätze ab: Dass die Regierung den Entscheid der Bürgerinnen und Bürger selbstverständlich respektiere, dass das Nein zur Justizreform eine «verpasste Chance war» gewesen sei, und dass man trotz allem zum Wohle der Nation weitermachen werde. Ende der Durchsage. Meloni wirkte wie ein begossener Pudel und fühlte sich wohl auch so.
Zur Story