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This image released by Fox Searchlight shows Caspar Phillipson as John F. Kennedy, left, and  Natalie Portman as Jackie Kennedy in a scene from the film,

Dallas, 22. November, 1962: Noch wähnen sich John F. Kennedy (Caspar Phillipson) und Gattin Jackie (Natalie Portman) auf einem ganz normalen Businesstrip. Bild: AP/Fox Searchlight

Jackie Kennedy, die First Lady, die ihren Mann zum Mythos machte

Der Film «Jackie» von Pablo Larraín mit Natalie Portman zeigt die monströsen Tage von Kennedys Ermordung.



Der Mann ist tot. Sein Blut fliesst auf das Kleid seiner Frau, etwas Hirn klebt auch daran, die roten Rosen aus ihrem Bouquet mischen sich dazwischen. Der Schrecken ist immens. Die Lähmung auch. Mitten an einem sonnigen Novembertag in Dallas, 1963. John F. Kennedy ist tot. Und in Jackies (Natalie Portman) Kopf beginnt eine irre Raserei aus Schock, Trauer und Berechnung.

In den nächsten Stunden, vielleicht sogar schon innerhalb von Minuten flüchtet sie sich in das kalte Regelwerk der Kalkulation. Denn ihr ist klar: Der Präsident, der eben ermordet wurde, ihr Mann, hat in den zweieinhalb Jahren seiner Amtszeit noch nicht allzu viel geleistet. Er wird den Amerikanern höchstens als «reich und schön» in Erinnerung bleiben, da ist sie sich mit Schwager Robert Kennedy (Peter Sarsgaard) einig. Als eine Art «Great Gatsby». Glamourös, aber lässlich.

Trailer zu «Jackie»

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Video: YouTube/FoxSearchlight

Was John F. Kennedy jetzt braucht, ist ein Mythos. Jackie, die Witwe, übernimmt den Job der Mythen-Architektin. Und «Jackie», der Film (Regie: Pablo Larraín), zeigt, wie sie das macht. Wie sie blitzschnell symbolisch wegweisende Entscheidungen trifft. Indem sie sich beispielsweise dafür entscheidet, ihr blutiges Kleid viele Stunden lang in aller Öffentlichkeit zu tragen. Die Welt soll sehen, was ihrem Mann angetan wurde. Wie er auf dem Schlachtfeld der Wirklichkeit gemetzelt wurde. Ein Soldat, ein mittelalterlicher Ritter. 

Sie zieht sich nicht zurück, lässt sich nicht aus den Fotos und den TV-Aufnahmen drängen. Plant eine Prozession mit 103 Staatsoberhäuptern, die allen Sicherheitsrichtlinien widerspricht, bestimmt gegen alle Regeln, wo genau ihr Mann auf dem Soldatenfriedhof Arlington beigesetzt werden soll.

This image released by Fox Searchlight shows Natalie Portman as Jackie Kennedy in a scene from the film,

Der Tag nach dem Tod: Bald wird Jackie aus dem Weissen Haus verstossen. Bild: AP/Fox Searchlight

Sie zerspringt dabei schier vor Unsicherheit und Anstrengung (Natalie Portman oh, Natalie Portman, wie grossartig ist sie!), sie nervt unendlich, aber die Geschichte wird ihr in allem Recht geben. Sie ist zu diesem Zeitpunkt erst 34 Jahre alt. Im August haben die Kennedys ihr drittes Kind kurz nach der Geburt verloren.

Bevor Jacqueline Bouvier zehn Jahre früher Mrs. Kennedy wurde, arbeitete sie als Journalistin. Sie galt als scharf, witzig und politisch zunehmend pointiert. Ihre Aufträge waren gross. Die grössten. Sie gehörte zu den amerikanischen Journalisten, die am 2. Juni 1953 aus London über die Krönung von Elizabeth II. berichten durfte. Sie konnte sich da hautnah anschauen, wie man das macht mit der Macht und den Medien. Wie man einen Mythos und eine Aura kreiert, obwohl der Mensch dahinter recht einfach ist.

Das Leben der Jackie Kennedy

Schnell lernt sie, dass eine Frau, die massentauglich sein will, einen klugen Kopf am besten in schönen Kleidern und einer etwas naiven Fassade versteckt. Nachdem sie das Weisse Haus zu einem präsidialen Geschichtsmuseum zurecht renoviert hat, macht sie fürs Fernsehen eine grosse, lehrreiche, aber seltsam unterwürfig inszenierte Führung. 

Der Film beginnt und endet mit Jackies Vermächtnis. Mit der Entstehung des Urtextes, der Kennedy zur Lichtgestalt machte. Es heisst «An Epilogue» und erschien am 6. Dezember 1963 im «Time Life Magazine». Der preisgekrönte Journalist Theodore H. White (Billy Crudup) hatte Jackie Kennedy dafür stundenlang in ihrem Haus in Hyannisport besucht.

Die «White House Tour» von 1962

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Video: YouTube/The Film Archives

Im Film erzählt sie ihm alles und erlaubt ihm nichts. Er kennt zwar am Ende die ganze Geschichte, darf aber so gut wie nichts darüber schreiben. Was sich daraus ergibt, ist ein enorm faszinierender Text. Gross, erhaben, distanziert, als hätte ihn die Herrscherin eines riesigen Weltreichs diktiert. Farben, Symbole, Gefühle, alles ist riesig. Opernhaft. Und leicht gespenstisch. Ein Palast aus Trauer und Schicksal.

Aber einst, das macht Jackie dem Journalisten weis, war der Palast voller Licht und Freude, war «Camelot», der Hof des Sagenkönigs Artus, um dessen Tafelrunde sich die besten Ritter der westlichen Welt versammelten. Das glitzernde «Camelot» ist seit jenem 6. Dezember das Synonym für die Ära Kennedy. 

Jackies Kleid mit dem Blut des Präsidenten wird übrigens erst im Jahr 2103 fürs Publikum freigegeben. Jackies Tochter hat dies so verfügt. Dann wird Camelot noch einmal gross und tragisch schimmern.

«Jackie» gibt es jetzt im Kino zu sehen. Der Film ist für drei Oscars nominiert (beste Hauptdarstellerin, bester Soundtrack, beste Kostüme).

Michelle Obama, eine andere grosse First Lady

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