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Katholische Kirche verkauft Häuser, um Sex-Opfer zu entschädigen: Kann das die Wut tilgen?

Ursprünglich wollten Frankreichs katholische Priester die Gläubigen für die Verbrechen zur Kasse bitten.
08.11.2021, 22:25
Stefan Brändle, Paris / ch media

Die Opfer-Zahlen, die eine zivile Untersuchungskommission in Frankreich Anfang Oktober präsentiert hatte, schockierten die Welt: Mindestens 216'000 Minderjährige sollen französische Priester seit dem Jahr 1950 missbraucht haben.

Katholische Bischöfe gehen in Lourdes auf die Knie: Im Wallfahrtsort traf sich die Bischofskonferenz, um über die Entschädigung der Missbrauchs-Opfer zu diskutieren.
Katholische Bischöfe gehen in Lourdes auf die Knie: Im Wallfahrtsort traf sich die Bischofskonferenz, um über die Entschädigung der Missbrauchs-Opfer zu diskutieren.Bild: keystone

Wenn man die nicht kirchlichen Täter von Ferienkolonien und Katechismusunterricht einbezieht, waren es wohl sogar mindestens 330'000 Opfer. Sofort wurden Forderungen nach Entschädigungen laut. Gestern nun hat sich die Führungsetage der katholischen Kirche Frankreichs im Wallfahrtsort Lourdes getroffen, um das weitere Vorgehen festzulegen.

Konferenzvorsteher Eric de Moulins-Beaufort unterstrich, dass die Bischofskonferenz alles tun wolle, um die Opfer zu entschädigen und eine möglichst weitgehende Wiedergutmachung zu ermöglichen.

Auch der Vatikan soll das «Sparschwein öffnen»

Die katholische Kirche will sich Geld leihen, um die noch lebenden, heute meist erwachsenen Pädophilie-Opfer zu entschädigen. Zudem werde sie Immobilien, Liegenschaften und mobile Vermögenswerte abstossen, um liquide Mittel für die Opferentschädigungen zu erhalten.

Der Mitgründer des katholischen Vereins «Parler et revivre» (Sprechen und wieder leben), Olivier Savignac, verlangte am Montag, dass auch der Vatikan sein «Sparschwein öffnen» solle.

Soll den Geldhahn für Entschädigungen öffnen: Papst Franziskus, am 7. November 2021 im Vatikan.
Soll den Geldhahn für Entschädigungen öffnen: Papst Franziskus, am 7. November 2021 im Vatikan.Bild: keystone

Die Idee, den «Opferbatzen» der Gläubigen nach dem sonntäglichen Gottesdienst für die Entschädigungen zu verwenden (wie es einige Kirchen im Land versucht hatten), verwarf der Vorsteher der Bischofskonferenz. Die Höhe der Entschädigung steht noch nicht fest. Im Vorfeld des Untersuchungsberichtes hatte die Bischofskonferenz von fünf Millionen gesprochen. Dieser Betrag sei viel zu tief, monierten viele Französinnen und Franzosen.

Die Justiz rechnet mit einer Welle von Anzeigen

Offen ist auch, wie die katholische Kirche mit den Tätern umspringen will. Interne Gerichte sollen die Beschuldigten nach kanonischem Recht beurteilen, wobei erstmals auch die Opferseite vertreten sein soll. Gerichtsklagen vor zivilen Gerichten sind in vielen Fällen wegen der bereits erreichten Verjährungsfrist nicht mehr möglich.

Der Leiter der Untersuchungskommission, Jean-Marc Sauvé, hat nach der Anhörung von mehreren hundert Opfern selber gegen 22 Kirchenvertreter Klage eingereicht.

Der Justiz oder Kirche sind 4832 Personen namentlich bekannt, die Opfer von sexuellen Übergriffen durch katholische Würdenträger geworden sind. Viele haben von sich aus auf eine Klage verzichtet, und das nur zum Teil wegen der Verjährungsfristen. Das Medienecho des Sauvé-Berichts war und ist allerdings so gross, dass die Gerichte mit einer Welle von Anzeigen rechnen. (bzbasel.ch)

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