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Candidate for the 2017 presidential election Marine Le Pen, French National Front (FN) political party leader, gets make-up before a debate organised by French private TV channel TF1 in Aubervilliers, outside Paris, France, March 20, 2017. REUTERS/Patrick Kovarik/Pool

Le Pen bereitet sich auf das erste TV-Duell gegen Macron vor. Bild: POOL/REUTERS

«Sie waren für den Burkini, oder?» Wie Macron im ersten TV-Duell Le Pen auseinandernahm



Mit einem heftigen Schlagabtausch zwischen dem unabhängigen Bewerber Emmanuel Macron und der Rechtspopulistin Marine Le Pen ist Frankreichs Präsidentschaftswahlkampf in die heisse Phase gestartet. 

Bei der ersten TV-Debatte der fünf aussichtsreichsten Kandidaten beharkten sich Le Pen und Macron am Montagabend unter anderem zur Frage des Islam und der hitzigen französischen Debatte um religiöse Symbole im öffentlichen Raum. Gemäss einer sofort nach der Ausstrahlung durchgeführten Online-Umfrage unter 1157 Zuschauern hat Macron die Debatte gewonnen. 29 Prozent der Befragten erklärten Macron zum klaren Sieger. Le Pen landete abgeschlagen auf dem dritten Platz. Auch der unabhängige Kandidat Jean-Luc Mélenchon lag laut den Zuschauern noch vor Le Pen. 

Le Pen wärmte dabei den Streit um Ganzkörper-Schwimmanzüge für Musliminnen auf, der im vergangenen Sommer zu heftigen Diskussionen geführt hatte.

«Vor einigen Jahren gab es keine Burkinis an den Stränden», sagte sie. «Emmanuel Macron, Sie waren für den Burkini, oder?» Macron warf Le Pen daraufhin Provokation vor. «Sie tappen in die Falle, die Franzosen zu spalten», so der 39-Jährige. «Das hat nichts mit der Laizität (der Trennung von Kirche und Staat) zu tun.»

Protektionismus und EU-Austritt

Gut einen Monat vor dem ersten Wahlgang am 23. April gelten Le Pen und Macron als klare Favoriten für den Einzug in die Stichwahl. Die Umfragen sagen Macron dafür derzeit einen klaren Sieg gegen Le Pen voraus, allerdings ist die Entscheidung vieler Wähler noch unsicher. Die Rechtspopulistin setzt auf Protektionismus und will ein Referendum über den EU-Austritt.

«Ich will die Präsidentin Frankreichs sein und nicht eine unbestimmte Region der Europäischen Union beaufsichtigen», sagte Le Pen und fügte hinzu: «Ich will nicht die Vizekanzlerin von Angela Merkel sein.»

Macron tritt dagegen für einen proeuropäischen, sozialliberalen Kurs an. Er sagte, den traditionellen Parteien sei es seit Jahrzehnten nicht gelungen, «die Probleme von gestern» zu lösen. «Sie werden das auch nicht morgen schaffen.»

Independent centrist presidential candidate for the presidential election Emmanuel Macron smiles prior to a television debate at French TV station TF1 in Aubervilliers, outside Paris, France, Monday, March 20, 2017. The five leading candidates for France's presidential election are holding their first debate Monday, with centrist Emmanuel Macron and far-right leader Marine Le Pen leading polls and jobs and security among voters' top concerns. (Patrick Kovarik/Pool Photo via AP)

Gilt als Favorit im Präsidentschafts-Rennen: Emmanuel Macron. Bild: AP/AFP POOL

«Präsident der nationalen Sanierung»

Macron fuhr Le Pen auch in die Parade, als diese anderen Kandidaten vorwarf, «nicht das Interesse der Franzosen» sondern grosser Konzerne zu vertreten – und dabei auf Macrons Lebenslauf anspielte. Der frühere Wirtschaftsminister ist Absolvent der Polit-Kaderschmiede ENA und war nach einer Beamtenkarriere zeitweise bei einer Bank tätig, bevor er in die Politik ging. «Ich werde Sie keine Verleumdung verbreiten lassen», hielt Macron ihr entgegen.

Der von Ermittlungen zum Verdacht einer Scheinbeschäftigung angeschlagene Konservative François Fillon stellte bei der Debatte seine staatsmännische Erfahrung als früherer Premierminister heraus. «Ich werde der Präsident der nationalen Sanierung sein», versprach er. Fillon will weitgehende Wirtschaftsreformen und einen klaren Sparkurs. In Umfragen liegt er aber derzeit abgeschlagen auf dem dritten Platz.

«Einwanderung seit 1930 stabil»

Zur Einwanderung lagen die Positionen weit auseinander. Während Le Pen ankündigte, die Immigration stoppen zu wollen, hielt der sozialistische Bewerber Benoît Hamon entgegen: «Der Anteil der Ausländer in Frankreich ist seit den 1930er Jahren stabil.» Der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon hielt eine Begrenzung für nicht umsetzbar. Fillon forderte ein Quoten-System bei der Einwanderung, das aber nicht für Asylbewerber gelten soll.

Le Pen versuchte, mit weitreichenden Forderungen zur Sicherheitspolitik zu punkten – nach der Serie von Terroranschlägen ein brisantes Thema. Im Kampf gegen die Kriminalität will sie in den kommenden fünf Jahren 40'000 neue Gefängnisplätze schaffen. Der konservative Anwärter Fillon verwies dagegen auf Frankreichs angespannte Haushaltslage und warnte vor Versprechungen, die entweder nicht gehalten werden könnten oder das Land in den Bankrott führten. 16'000 neue Gefängnisplätze reichten.

Umstrittenes Format

Mit der Fernsehdebatte, die es in dieser Form in Frankreich vor einer Präsidentschaftswahl noch nie gegeben hat, beginnt die heisse Phase des Wahlkampfs. Bis zur ersten Wahlrunde sind noch zwei weitere Fernsehdebatten geplant. Sie könnten das Präsidentschaftsrennen massgeblich beeinflussen, zumal viele Franzosen noch unentschlossen sind, wem sie ihre Stimme geben sollen.

Über das Format der ersten TV-Debatte hatte es einigen Unmut gegeben. Denn bei der Präsidentschaftswahl treten elf Kandidaten an. Eingeladen wurden aber nur die fünf in Umfragen Bestplatzierten. (cma/sda/dpa/reu)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Luca Brasi 21.03.2017 09:42
    Highlight Highlight Und Mélenchon wird natürlich wieder nur am Rande erwähnt, obwohl er laut Umfragen im TV-Duell gepunktet hat. Rechtspopulisten wie Le Pen oder "linksliberale" Sonnyboys wie Macron sind den Medien eben lieber.
  • Muster Mustermann 21.03.2017 08:55
    Highlight Highlight Mich nimmt es Wunder, welche Leute Le Pen wählen. Aus welcher Region sie mehrheitlich kommen. Soziale Schicht, Bildung, Durchschnitsalter etc. gibt es da irgendwelche Zahlen und Statistiken? Bei Trump war es so, dass vor allem die Zentral-Amerikaner ihn gewählt haben. Sie seien weniger gebildet und aus eher tieferen sozialen Schichten. Gibt es da Parallelen?
    • Madison Pierce 21.03.2017 11:46
      Highlight Highlight Le Pen hat Anhänger in vielen Schichten, ähnlich wie Trump: die Rassisten mögen sie, weil sie gegen Ausländer ist, die "Abgehängten" erhoffen sich ein besseres Sozialsystem und die Unternehmer haben genug vom Sozialismus.

      Hier ein interessanter Artikel über ihre Anhänger im Nordosten Frankreichs: https://www.dasmagazin.ch/2017/03/03/adieu-les-bleus/ Liest sich wie Artikel zu Trump-Wählern aus dem "Rust Belt".
  • INVKR 21.03.2017 08:31
    Highlight Highlight "Sie waren für den Burkini, oder?" Was für eine dümmliche Frage. Nichtmuslime sind in der Regel nicht "für den Burkini", sondern einfach der Meinung, dass sowas den Staat nichts angeht. Man muss nicht aus jedem Furz einen Kulturkampf machen.
  • whiteshark 21.03.2017 08:23
    Highlight Highlight Finde es schade, dass Watson immer die selben Titel verwendet: "Die Rechten wurden wieder auseinandergenommen..."
  • Bulwark 21.03.2017 08:04
    Highlight Highlight Nur so, um es wieder in Erinnerung zu rufen:
    Auch Trump wurde immer als Verlierer aller möglichen Debatten präsentiert, hat aber am Ende die Wahl für sich entscheiden können. Von dem her sind wir hier noch lange nicht über den Berg...
    • bcZcity 21.03.2017 08:23
      Highlight Highlight Wie ist das Wahlsystem in Frankreich?
    • mbr72 21.03.2017 08:52
      Highlight Highlight Mit dem Unterschied, dass seine Wahl in mehrfacher Hinsicht manipuliert war und zudem bei der Public Vote trotzdem weit abgeschlagen war!
    • satyros 21.03.2017 10:17
      Highlight Highlight @bcZcity: Allgemeine Volkswahl. Die beiden bestplatzierten Kandidierenden ziehen in einen zweiten Wahlgang ein (ausser jemand schaffe das absolute Mehr im ersten, was aber ausgeschlossen sein dürfte).
  • Posersalami 21.03.2017 07:40
    Highlight Highlight "Macron tritt dagegen für einen proeuropäischen, sozialliberalen Kurs an"
    Sozialliberal? HALLO!! Macron verkörpert den Neoliberalismus wie kein zweiter! Unter ihm wird nichts besser. Da kann sich Le Pen eigentlich zurück lehnen und sich dann halt in 5 Jahren wählen lassen, wenn die Bürger noch wütender und zahlreicher sind. Nicht dass ich glaube, dass Le Pen auch nur ein Problem lösen könnte! Macron wird es mit seinem Programm leider auch nicht. Aber jubelt ihn nur schön an die Spitze, anstatt die Probleme anzusprechen.
    • Triumvir 21.03.2017 08:16
      Highlight Highlight Besser als die Ultrarechtsaussentussi Le Pen ist er allemal. Zudem wie unfähig Vertreter des sog. Wutbürgertums sind, können wir tagtäglich am Beispiel Trump beobachten. Ultrarechte sind einfach nicht fähig, eine vernünftige Politik für alle Einwohnerinnen eines Staates in die Realität umzusetzen. Denn Herumschreien und Realpolitik zu betreiben, sind zwei total gegensätzliche Sachen.
    • FrancoL 21.03.2017 08:35
      Highlight Highlight Es geht auch hier um eine REINE Abwägung und man tut gut daran nicht einen zweiten Trump zu wählen.
      Auch für Dich gilt: anprangern ist gut, Lösungen anbieten wäre besser und einen realistischen Lösungsansatz in Deinem Post kann ich nicht erkennen. Man kann vor der politischen Realität in Frankreich die Augen nicht verschliessen. Es treten nun mal die an die antreten und so schlecht steht der Macron in diesem Feld nicht da.
    • Fabio74 21.03.2017 09:38
      Highlight Highlight Die Probleme sind vielfältig. Aber eine Faschistin schafft nur Probleme.
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