«Was wird noch vertuscht?»: Gelöschte Epstein-Dateien sorgen für Manipulationsvorwürfe
Keine 24 Stunden, nachdem ein Teil der Epstein-Dateien auf der Webseite des Ministeriums heruntergeladen werden konnten, wurde unter anderem ein konkretes Foto, das Donald Trump zeigt, aus einem Datensatz entfernt. Der Vorwurf wurde zuerst vom demokratischen Sichtungskomitee der Akten auf X geäussert. Adressiert wird Justizministerin Pam Bondi in Bezug auf die Dateien:
Auf der besagten Aufnahme sind zum Teil eingerahmte Fotos zu sehen. Eines der Fotos ist schon älter und zeigt den heutigen US-Präsidenten Donald Trump mit seiner Frau Melania in Begleitung des gestorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein und dessen langjähriger Vertrauter Ghislaine Maxwell. Auf einem anderen ist Trump zu sehen, wie er umringt von jungen Frauen posiert. Ex-US-Präsident Bill Clinton ist auf einer Aufnahme ebenfalls abgebildet.
Wie Untersuchungen von mehreren Medien ergaben, waren mindestens 16 Dateien in der neueren Version des publizierten Datensatzes nicht mehr abrufbar. Nebst dem Foto mit der Trump-Abbildung wurden laut der New York Times zwölf Fotos gelöscht, die den berüchtigten Massagesaal in Epsteins Anwesen in New York zeigen. Dort fanden viele Übergriffe des verurteilten und verstorbenen Sexualstraftäters statt.
Am späten Freitagnachmittag hatte das Ministerium nach massivem Druck der Öffentlichkeit zunächst vier Datensätze auf seiner Webseite hochgeladen, die Tausende Dateien enthalten. Darin zu finden waren neben Fotos auch Dokumente. Vieles ist komplett geschwärzt – das Ministerium erntete dafür bereits Kritik.
Eine Sprecherin des Weissen Hauses hatte nach Beginn der Veröffentlichung Tausender Dateien am Freitagabend noch beteuert, dass die derzeitige US-Regierung die «transparenteste» in der Geschichte des Landes sei. In den nächsten Wochen sollen Vize-Justizminister Todd Blanche zufolge weitere Hunderttausende Dokumente veröffentlicht werden. Die Seiten müssten vor einer Veröffentlichung zum Schutz der Identität der Opfer bearbeitet werden, begründete er die Verzögerung der Publikation.
Fotos und andere Materialien würden auch weiterhin «mit grosser Sorgfalt und unter Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen» geprüft und bearbeitet, teilte das Justizministerium am Sonntag auf X mit.
Vize-Justizminister: Akten nicht zugunsten Trumps geändert
Blanche beteuerte im Gespräch mit dem US-Sender ABC News zuvor, dass sein Haus keine Dateien verändert habe, um Präsident Trump zu schützen. Nichts werde deswegen zurückgehalten. Er verneinte die Frage, ob es eine Anweisung gegeben habe, Material zum Epstein-Skandal zu bearbeiten, das einen Zusammenhang zum Präsidenten habe. Weiter sagte er:
Die Glaubwürdigkeit dieser Aussage wird aber angezweifelt – nebst der jetzigen Löschungsvorwürfe hatte Trump sich auch während Monaten gegen eine Freigabe der Dokumente im Allgemeinen gewehrt, ohne eine Begründung dafür zu liefern. Im Wahlkampf im vergangenen Jahr ging er hingegen mit Versprechungen bezüglich Transparenz mit den Epstein-Files gar auf Stimmenfang.
Trump kannte Epstein gut, was durch Fotos und andere Dokumente weitreichend belegt ist. Konkrete Beweise auf eine Verwicklung des Republikaners in den Skandal gibt es aber nicht. Für eine Mitwisserschaft Trumps betreffend den Sexualaktivitäten Epsteins gibt es nur Indizien. Und für ein strafbares Verhalten Trumps fehlen selbst diese. Der US-Präsident hatte jegliche Vorwürfe dieser Art stets bestritten.
In den nun veröffentlichten Dokumenten kommt Trump zwar vereinzelt vor, nach ersten Auswertungen scheint es jedoch kaum neue Informationen über das Verhältnis zwischen Epstein und Trump zu geben. Der US-Präsident äusserte sich zunächst nicht, obwohl insbesondere der demokratische Ex-Präsident Bill Clinton häufig auf den Fotos zu sehen ist – gegen diesen schoss Trump in der Vergangenheit im Zusammenhang mit dem Fall Epstein öffentlich, er regte gar eine Untersuchung gegen Clinton durch das Justizministerium an.
Darum sind die Epstein-Akten so brisant
Der Fall Epstein beschäftigt die Öffentlichkeit seit langem. Jahrelang hatte der US-Multimillionär aus New York einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Über mehrere Jahre hinweg soll Epstein minderjährige Mädchen etwa in New York und Florida auch selbst missbraucht haben. Vor sechs Jahren starb er im Alter von 66 Jahren in einer Gefängniszelle, nach offizieller Darstellung durch Suizid.
Der Finanzier hatte beste Kontakte in die High Society, was zahlreiche Spekulationen über die Tragweite des Skandals mit sich brachte. Immer wieder kam die Frage auf, welche prominente Persönlichkeiten in Epsteins Machenschaften verwickelt gewesen sein könnten. Per Gesetz wurde schliesslich vor einem Monat die Veröffentlichung der Akten verfügt, gegen die sich Trump lange gewehrt hatte. (sda/dpa/con)
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