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Brasilien hat ein Problem mit Fehlbildungen – doch ob's am Zika-Virus liegt, ist gar nicht klar

05.02.2016, 15:1411.02.2016, 11:14

«Der einzige Schluss, zu dem wir kommen können, ist, dass wir es mit einem herausfordernden Gesundheitsproblem zu tun haben und dass fehlende Daten zu diesem frühen Zeitpunkt Rückschlüsse nicht zulassen.»

Das ist das ernüchternde Fazit brasilianischer Wissenschaftler und Ärzte, die klären wollen, warum in ihrem Land so viel mehr Babys mit Mikrozephalie geboren werden. Aber stimmt das wirklich?

Mikrozephalie?

Dass Neugeborene einen zu kleinen Kopf und damit einhergehend oft Behinderungen haben, kann viele Ursachen haben: zum Beispiel Alkoholkonsum in der Schwangerschaft, eine Ansteckung mit Röteln oder Fehler bei der Zellteilung (Trisomien).

Löst das Zika-Virus auch Mikrozephalie aus?

Daniele Ferreira dos Santos mit ihrem Sohn Juan Pedro, der an Mikrozephalie leidet.<br data-editable="remove">
Daniele Ferreira dos Santos mit ihrem Sohn Juan Pedro, der an Mikrozephalie leidet.
Bild: Felipe Dana/AP/KEYSTONE

​Das Zika-Virus wurde bereits 1947 an einem Affen dokumentiert, der im Zika-Wald in Uganda gehalten wurde. Seither gab es immer wieder Ausbrüche, zuletzt auf den Inseln um Tahiti, doch nie wurden Fälle von Fehlgeburten verzeichnet. Bis zur Ankunft in Südamerika: Dort wurde der Erreger erstmals im Fruchtwasser von Schwangeren und Gewebe von Föten nachgewiesen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ).

Warum bringen die Behörden Zika und Mikrozephalie zusammen?

Im Jahr 2010 gab es in Brasilien pro 100'000 Geburten 5,5 Fälle von Mikrozephalie. In den letzten drei Monaten ist die Zahl auf 99,7 hochgeschnellt. Ende Januar gab es 4783 Verdachtsfälle: Als Erklärung für den Anstieg wurde das Auftauchen des Virus und die Erkenntnis herangezogen, dass Zika in Fruchtblase und Fötus eindringen kann.

So bekämpft Südamerika das Zika-Virus

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So bekämpft Südamerika das Zika-Virus
quelle: epa/efe / miguel gutierrez
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Was wird daran angezweifelt?

Anstieg der Fälle von Mikrozephalie im Bundesstaat Paraíba – ausgewiesen nach verschiedenen Definitionen, welcher Kopfumfang ungesund ist.&nbsp;<br data-editable="remove">
Anstieg der Fälle von Mikrozephalie im Bundesstaat Paraíba – ausgewiesen nach verschiedenen Definitionen, welcher Kopfumfang ungesund ist. 
Quelle
  • Die erhöhte Zahl von Mikrozephalie-Meldungen könnte mit dem Aufruf der Regierung im Oktober 2015 zusammenhängen, auch bei kleinstem Verdacht jeden Fall zu melden.
  • Von den 4783 Verdachtsfällen ist das Gros (3670) noch nicht diagnostisch geklärt. Bei 709 Fällen wurde der Verdacht nachträglich ausgeräumt. «Nur» in 404 Fällen handelt es sich tatsächlich um Mikrozephalie.
  • Bisher konnte nur in 17 Fällen ein klarer Zusammenhang mit dem Zika-Virus festgestellt werden. Allerdings werden viele Hospitäler auch erst jetzt mit zuverlässigen Tests ausgerüstet.
  • Wann ist ein Schädel zu klein? In Brasilien werden die Babys erfasst, deren Kopfumfang kleiner als 32 Zentimeter ist. Laut FAZ könnten mit dieser Grenze aber auch gesunde Kinder als krank eingestuft werden, obwohl sie einfach bloss klein sind.
  • Die Krankheit trifft überproportional häufig arme Familien: Spielt Ernährung eine Rolle? Oder ethnische Besonderheiten?

Und jetzt?

​Ohne verlässliche Daten lässt sich das Phänomen nicht erklären. Ärzte und Wissenschaftler haben zusammen mit der WHO deshalb das Projekt Open Zika ins Leben gerufen, um die Fälle besser erfassen und kategorisieren zu können. Ausserdem müssten betroffene Kinder über einen längeren Zeitraum beobachtet werden, so die Forscher. Den Aktionsplan der Regierung heissen sie dennoch gut. Ob es nun am Zika-Virus liegt oder nicht: Die Bekämpfung von Mücken und Moskitos ist in jedem Fall gut für die Volksgesundheit.

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Klar ist: Das Zika-Virus kann zu Lähmungen führen
Eine Infektion mit dem Zika-Virus kann das Guillain-Barré-Syndrom auslösen: Typische Symptome dieser entzündlichen Erkrankung der Nerven sind Lähmungen, die meist an den Händen oder Füssen beginnen. Auch die Atemwege können lahmgelegt werden. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. In Rio de Janeiro sind mehrere schwere Fälle bekannt geworden. Wie die Zeitung «O Globo» berichtete, habe das Universitätsspital Antônio Pedro seit Januar 16 Menschen mit Lähmungserscheinungen behandelt. In Kolumbien sollen laut «Guardian» drei Menschen an der Krankheit gestorben sein. Derzeit kämen dort auf 1000 Zika-Fälle 2,3 Patienten mit dem Syndrom. (sda/spon/phi)

(phi)

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