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Pharma-Unternehmer Martin Shkreli zu sieben Jahren Haft verurteilt



Der wegen drastischer Preiserhöhungen bei einem lebensrettenden Medikament umstrittene Pharmaunternehmer Martin Shkreli ist zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Richterin Kiyo Matsumoto verkündete das Strafmass am Freitag in New York, nachdem eine Jury ihn im August wegen Wertpapierbetrugs bereits schuldig gesprochen hatte.

Bei dem Rechtsstreit in Brooklyn ging es nicht um Shkrelis Geschäfte im Pharma-Business, sondern um veruntreute Anlegergelder.

«Es tut mir schrecklich leid, Ihr Vertrauen verloren zu haben. Sie haben Besseres verdient. Bitte geben Sie mir eine Chance, zu zeigen, wozu ich fähig bin.»

Martin Shkreli zu den Investoren des Hedgefonds MSMB

Der 34-Jährige zeigte sich laut Berichten von US-Medien im Gerichtssaal reuevoll. «Geld war nie mein Beweggrund. Ich wollte meine Bedeutung und meinen Ruf vergrössern», zitierte ihn der TV-Sender CNBC.

epa06592165 Attorney Benjamin Brafman (R) talks to reporters outside a United States Courthouse after his client, former pharmaceutical executive Martin Shkreli, was sentenced to seven years in prison for securities fraud in New York, New York, USA, 09 March 2018. Shkreli was convicted of fraud for his actions at two hedge funds and at the drug company he ran, Retrophin.  EPA/JUSTIN LANE

Shkrelis Anwalt Benjamin Brafman. Bild: EPA/EPA

«Ich habe noch Arbeit zu leisten. Ich bin hier wegen meiner groben, dummen, fahrlässigen Fehler bei (dem Hedgefonds) MSMB.» Berichten zufolge kämpfte er mit den Tränen und bat die Richterin um «Gnade», dankte aber auch dafür, nicht die von der Staatsanwaltschaft geforderten 15 Jahre Haft bekommen zu haben.

Shkrelis Anwalt Ben Brafman kündigte in seinem Schlussplädoyer an, gegen das Urteil Berufung einzulegen. «Es hätte deutlich schlimmer kommen können», sagte Brafman nach Verkündung des Strafmasses. «Die Richterin hat ihre Entscheidung gefällt und wir alle müssen damit leben.»

epa06567474 (FILE) - Martin Shkreli, former chief executive of Turing Pharmaceuticals, stands with his attorney Benjamin Brafman (out of frame)during a press conference at the United States federal courthouse in Brooklyn, New York, USA, 04 August 2017 (issued 26 February 2018). A federal judge ruled that Former Turing Pharmaceutical CEO, Martin Shkreli should be held responsible for millions in financial losses when he is sentenced for defrauding investors. Shkreli will be sentenced on federal fraud charges on 09 March.  EPA/JUSTIN LANE

Medien bezeichneten Martin Shkreli schon als Staatsfeind Nummer 1. Bild: EPA/EPA

Nach richterlicher Anordnung vom Montag muss Shkreli knapp 7.4 Millionen Dollar zahlen und unter anderem seinen Besitz am einzigen Exemplar eines Albums der Rap-Gruppe Wu-Tang Clan aufgeben, dessen Kauf unzählige Fans gegen ihn aufgebracht hatte.

Wert von Hedgefonds aufgebläht

Den Wert der beiden zuvor von ihm geleiteten Hedgefonds – MSMB Capital Management und MSMB Healthcare Management – hatte Shkreli durch Aktienmanipulationen aufgebläht, urteilte die Jury im August.

«Dies wäre eine gute Zeit, um mich bei allen MSMB-Investoren zu entschuldigen», sagte Shkreli am Freitag. «Es tut mir schrecklich leid, Ihr Vertrauen verloren zu haben. Sie haben Besseres verdient. Bitte geben Sie mir eine Chance, zu zeigen, wozu ich fähig bin.» Shkreli sitzt seit September im Gefängnis.

Anwalt Brafman gestand ein, seinen Mandanten selbst manchmal kaum ertragen zu können. «Es gibt Zeiten, in denen ich ihn umarmen und festhalten und beruhigen will, und es gibt Zeiten, in denen ich ihn ins Gesicht boxen will», sagte Brafman dem Finanznachrichtendienst «Bloomberg» zufolge. Dennoch sei Shkreli aber ein «guter Mensch», der der seine «seltsamen, unangemessenen Verhaltensweisen nicht immer kontrollieren kann».

«Keinerlei Respekt vor dem Gesetz»

Die Staatsanwaltschaft bezeichnete Shkreli als «Mann, der Verantwortung für sein Handeln übernehmen muss» und als jemand, der «keinerlei Respekt vor dem Gesetz» habe. Es sei ein Fehler, den jungen Unternehmer als missverstandenes Genie zu sehen.

Shkreli war 2015 in die Schlagzeilen geraten, als seine Firma Turing Pharmaceuticals den Preis für das Entzündungs-Medikament Daraprim – das unter anderem Aids-Patienten helfen soll – schlagartig von 13.5 auf 750 Dollar pro Pille anhob.

Die Empörung über die drastische Preiserhöhung bei einem für manche Patienten überlebenswichtigen Medikament war riesig, Medien bezeichneten Shkreli teils als «meistgehassten Mann Amerikas» und «Staatsfeind Nummer 1». (sda/dpa)

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dirk Leinher 12.03.2018 08:25
    Highlight Highlight Widerlich: Der Betrug an Patienten ist anscheinend nicht so verwerflich, wie bereits reiche Investoren zu betrügen.
  • So en Ueli 10.03.2018 09:41
    Highlight Highlight Karma strikes back
  • BoJack 10.03.2018 03:48
    Highlight Highlight Danke für das Unbenennen des Artikels 😉
  • mille_plateaux 10.03.2018 01:27
    Highlight Highlight Shkreli wurde für ein Finanzdelikt verurteilt. Die beschämenden Machenschaften im Pharmasektor bleiben ungeahndet und werden von ebenso korrumpierbaren Köpfen weitergeführt.
    Shkreli war nicht der erste und wird auch nicht der letzte Mensch sein, der sich am medizinischen Leid Anderer bereichert.
  • mostlyharmless 10.03.2018 00:07
    Highlight Highlight
    Play Icon

  • Gar Ma Nar Nar 09.03.2018 23:57
    Highlight Highlight Recht so.
  • Sophon 09.03.2018 23:10
    Highlight Highlight Die Pharma rechnet aus, was z.B. bei Hepatitis bei konventioneller Behandlung so für Kosten entstehen. Dann setzen sie den Preis 50 Franken drunter. So kostet die einmalige Spritze dann so 150 Kilo- echt fair nicht? Immerhin hat unser Gesundheitsystem gerade 50 Franken gespart.

    DANKE liebe Pharma ihr seid echte Heilsbringer
  • A7-903 09.03.2018 22:56
    Highlight Highlight Eigentlich wollte das gericht ja nur 51 tage aufbrummen, haben dann aber 5000% aufgeschlagen.
    • Gar Ma Nar Nar 09.03.2018 23:58
      Highlight Highlight I see what you did there
  • Statler 09.03.2018 22:54
    Highlight Highlight Naja, er wurde jetzt dafür verurteilt, dass er Investoren betrogen und nicht dafür, dass er in gierigster Weise den Preis für Daraprim erhöht hat. Das war ja ok, weil es den Investoren noch mehr Kohle beschert hätte. Dass damit Menschenleben auf's Spiel gesetzt wurden, interessiert keinen.

    Merke: Wenn Du Reiche bescheisst, wirst Du verknackt. Wenn Du Bedürftige bescheisst, wirst Du von Ersteren gefeiert.

    Ich könnt gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen könnte.
  • AllknowingP 09.03.2018 22:48
    Highlight Highlight Und was passiert jetzt mit der Wu Tang Scheibe ?!?
    • Gar Ma Nar Nar 09.03.2018 23:59
      Highlight Highlight Die sei ja gar kein offizielles Wu album gemäss vielen Mitgliedern. Sondern aus Verses zusammengesetzt, die ein Wu Affiliate unter dem Vorwand, er brauche sie für sein eigenes Album, bekommen hat.
    • mille_plateaux 10.03.2018 01:24
      Highlight Highlight Wird an die höchstbietende Person verscherbelt.
    • AllknowingP 10.03.2018 07:30
      Highlight Highlight @ Linda
      Rück Raus. Nur einmal durchhören! Du bringst die CD, ich den Gin! Deal ?
  • Angelo C. 09.03.2018 22:32
    Highlight Highlight Sicher ein moralisch wie sozial verachtenswürdiger
    Zeitgenosse, dieser mancherorts meistgehasste Mensch...

    Man darf und muss aber anfügen, dass die Multis der Pharmaindustrie ähnlich überrissene kommerzielle Vorgehensweisen kennen. Sie erhöhen zwar nicht zuerst bescheidene Preise bis hin zum erkennbarem Wucher.

    Aber wenn man an Therapien oder Einzelpreise denkt, die pro Fall (von Anfang an) in die Hunderttausende von Franken gehen, dann halte ich das für genauso unmoralisch, ob die Kassen nun diese Medis zähneknirschend bezahlen, oder oft auch nicht.

    Es sind total überrissene Margen 😠!
    • What’s Up, Doc? 10.03.2018 12:28
      Highlight Highlight Da magst du recht haben mit den Margen, aber Shkreli und Konsorten spielen in einer dermassen menschen verachtenden Liga das ich Statler Zitieren möchte: "Ich könnt gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen könnte." Zum Thema: Dirty Money Folge 3 (Teure Medizin) auf Netflix.
  • mrmikech 09.03.2018 22:14
    Highlight Highlight Gut so, bye bye mr. Shkreli

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