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Britain's Prime Minister Boris Johnson greets European Commission President Ursula von der Leyen outside 10 Downing Street in London, Wednesday, Jan. 8, 2020. (AP Photo/Kirsty Wigglesworth)
Boris Johnson,Ursula von der Leyen

Bye bye EU. Grossbritanniens Prime Minister Boris Johnson und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Bild: AP

Am 31. Januar wird der Brexit Realität – 9 Punkte zum historischen Austritt



Mit dem Brexit verliert die Europäische Union (EU) erstmals in ihrer Geschichte einen Mitgliedstaat. Grossbritannien verlässt am 31. Januar nach 47 Jahren die Staatengemeinschaft. Durch eine Übergangsphase bleiben viele Auswirkungen zunächst nicht spürbar, für die EU ist der Austritt aber schon jetzt ein schwerer Schlag. Was das bedeutet, erfährst du hier im Überblick:

Einer der grössten EU-Staaten geht

Mit Grossbritannien schrumpft die EU um 66 Millionen Einwohner. Die verbleibenden 27 EU-Staaten kommen dann noch auf eine Gesamtbevölkerung von rund 446 Millionen Menschen. Flächenmässig verliert die EU rund 5,5 Prozent ihres Gebietes und zudem ihre zweitgrösste Volkswirtschaft nach Deutschland.

Während Übergangsphase noch im Binnenmarkt

In einer Übergangsphase bis zum 31. Dezember 2020 bleibt Grossbritannien noch im EU-Binnenmarkt und der Zollunion, um einen harten Schnitt für die Wirtschaft zu vermeiden. Waren und Dienstleistungen können damit von Unternehmen auf beiden Seiten problemlos in- und exportiert werden wie bisher. Während der Übergangszeit wollen die EU und London ein Handelsabkommen und weitere Vereinbarungen zu den künftigen Beziehungen ausarbeiten.

Beitragszahler ohne Stimmrecht

Grossbritannien hat während der Übergangsphase in den EU-Gremien kein Stimmrecht mehr und nimmt normalerweise nicht an deren Sitzungen teil. An den Beitragszahlungen an die EU ändert sich bis Ende 2020 nichts. Das Vereinigte Königreich zahle genauso weiter «als wäre es ein Mitgliedstaat», erklärt die EU-Kommission. Schmerzhaft spürbar wird der Verlust des nach Deutschland zweitgrössten Nettozahlers für die EU erst nach der Übergangsphase.

Kein Zurück mehr beim Brexit

Mit dem 31. Januar verliert Grossbritannien die Möglichkeit, den Brexit-Antrag bei der EU durch eine einseitige Erklärung zurückzunehmen. Das Vereinigte Königreich ist dann endgültig «draussen». Sollte es später wieder Mitglied werden wollen, gilt das übliche Aufnahmeverfahren nach Artikel 49 EU-Vertrag. Nach erfolgreichen Beitrittsverhandlungen müssten der Aufnahme alle Mitgliedstaaten zustimmen sowie das Europaparlament und nationale Parlamente. Der Prozess kann Jahre dauern.

EU aussen- und sicherheitspolitisch geschwächt

Nach dem Brexit zählt die EU mit Frankreich nur noch eine Atommacht und ein ständiges Mitglied des Uno-Sicherheitsrats in ihren Reihen. Die Briten können auch weiter an EU-Militäreinsätzen teilnehmen, aber nicht mehr deren Führung übernehmen oder Hauptquartiere stellen. Wie sich Grossbritannien nach dem Brexit aussen- und sicherheitspolitisch orientiert und ob es sich womöglich eher an den USA ausrichtet, ist eine der grossen Fragen in der EU.

EU-Parlament wird kleiner

Die 73 britischen EU-Abgeordneten verlieren zum 1. Februar ihren Job. Das EU-Parlament schrumpft durch den Brexit aber nur von 751 auf 705 Abgeordnete. Die restlichen 27 Mandate werden auf Mitgliedstaaten verteilt, die bisher nach ihrer Bevölkerung unterrepräsentiert waren.

Reisen noch problemlos

Für Grossbritannien-Besucher aus der EU ändert sich während der Übergangsphase nichts. Sie können weiterhin mit ihrem Personalausweis und ohne Visum einreisen, müssen sich nicht anmelden oder können kostenfrei zum Arzt.

EU-Bürger können bleiben

In Grossbritannien leben mehr als drei Millionen EU-Bürger. Sie haben ein Bleiberecht, um auch nach der Übergangsphase im Land zu wohnen, zu arbeiten oder zu studieren. Zudem haben sie Anspruch auf Sozialleistungen. All dies gilt auch für EU-Bürger, die noch vor Ende 2020 kommen.

Noch EU-Recht unterworfen

Grundsätzlich setzt Grossbritannien EU-Recht in der Übergangszeit wie bisher um. Das Vereinigte Königreich bleibt vorerst der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs unterworfen. Das gilt auch für alle Fälle, die bis zum Ende der Übergangsphase dort anhängig und erst später entschieden werden. EU-Staaten können sich ihrerseits aber bereits weigern, ihre Staatsbürger auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls an die britischen Behörden auszuliefern. (sda/afp)

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34Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 27.01.2020 05:24
    Highlight Highlight Boris Johnson gewann! Und das trotz dem ständigen Johnson-Bashing durch die Schweizer Mainstream-Medien! Unglaublich!
  • Markus97 26.01.2020 22:50
    Highlight Highlight Glückwunsch an Johnson. Ich habe mich wohl geirrt. Scheinbar ist es doch diese Art von Politiker die Dinge erledigt bekommt...
    • misohelveticos 27.01.2020 13:14
      Highlight Highlight @Markus97, erledigt ist der Brexit, wenn es BoJo gelingt, einen vernünftigen Vertrag mit der EU auszuhandeln. Sonderpunkte gibt es, wenn er das bis 31.12.2020 schafft.
      Er hat bisher nur eine Etappe erreicht, am Ende könnte trotzdem der No-Deal-Brexit stehen - dann ist Boris Johnson auf die lange Sicht erledigt, aber nicht der Brexit. Die Briten müssen eine wie auch immer geartete Einigung mit der EU treffen, wollen Sie nicht vom grössten Teil Europas wirtschaftlich ausgesperrt bleiben.
  • Ninha 26.01.2020 22:15
    Highlight Highlight Wenn die da mal nicht die Büchse der Pandora geöffnet haben... 😐
  • 044 508 39 39 het sie gseit 26.01.2020 21:43
    Highlight Highlight Bravo England ...👍
    geht doch.


    Ein wichtiges Statement gegen die bürokratische und depressive EU.
    • misohelveticos 27.01.2020 13:16
      Highlight Highlight Heute im Independent gelesen, dass die Nordirschen Firmen nach dem Brexit zusätzliche Formulare ausfüllen müssen, wenn Sie nach UK liefern wollen - dank Boris Johnsons Zollgrenze in der Irischen See.
      Aber Hauptsache die EU ist bürokratisch.
  • Kupetzky 26.01.2020 16:47
    Highlight Highlight Freue mich bereits auf die weiteren Akte des Dramas. Wie - Austritt von Schottland und ulster aus dem UK. Rezession. Versinken in der bedeutungslosigkeit. Wirtschaftliche Abhängigkeit von der USA Amerikanisierung der Gesellschaft. Etc. Etc. Etc.
    • rodolofo 26.01.2020 18:25
      Highlight Highlight In London soll ein "Singapur an der Themse" entstehen, was wiederum heisst, dass die "Unabhängigkeit Gross Britaniens" vor allem den Finanzplatz entfesseln und deregulierten soll!
      Die patriotischen "Einfachen Leute", unter ihnen Bauern, Fischer und Arbeiter, werden noch erschrecken, wenn sie merken, wie der Freihandel mit USA, China und der Welt ihre Löhne und Arbeitsbedingungen nach unten drücken!
      Das ist übrigens genau das, was ihnen der "unlustige" Corbyn von Labour während des Wahlkampfes prophezeit hat.
      Er wollte das Steuer herum reissen und hält nun das Steuer ohne Wagen in der Hand...
    • Juliet Bravo 26.01.2020 19:14
      Highlight Highlight Oder die Schlagzeile: „Verkauf des UK Gesundheitswesens an eine US Investmentfirma.“
  • Jawolaufensiedenn 26.01.2020 16:28
    Highlight Highlight Ach, die von der Leyen nehmen sie nicht mit - das ist aber schade🤭
    • misohelveticos 27.01.2020 13:18
      Highlight Highlight Ach die Schweizer SVP-Jünger nehmen Sie auch nicht mit. Noch viel bedauerlicher.
      Aber vielleicht kommt es ja noch, nach dem 17. Mai
  • anon 26.01.2020 14:47
    Highlight Highlight China und die USA sagen danke!
  • lilie 26.01.2020 14:43
    Highlight Highlight Tja, ich seh schon das nächste, jahrelange Drama auf uns zukommen: Der Brexit ändert ja bis auf den Wegfall der EU-Parlamentssitze vorerst gar nichts. Aber was wird ab 2021 sein? Vermutlich gibts dann eine weltweite Popcornkrise. 😏
  • John Henry Eden 26.01.2020 14:22
    Highlight Highlight Wir sollten jetzt dem Vereinigten Königreich beitreten. Dann wäre die Schweiz wirklich mal im Mittelpunkt des Weltgeschehens..

    Die Royal Navy wäre eine grossartige Option bei der Aushebung.
    • rodolofo 26.01.2020 18:35
      Highlight Highlight Auch bei uns in der Schweiz wollen ultra-liberale Voll-Privatisierer (um den rechtsfreisinnigen Gewerbeverbandspräsidenten Bigler) den öffentlich-rechtlichen Service Publique und die Gewerkschaften zu zerschlagen!
      Dabei setzen sie auf den kurzsichtigen Egoismus von "Geiz ist geil!"-SchnäppchenjägerInnen und auf ihre Big Business-Verbündeten in der EU!
      Doch laufen ihre hinterhältigen Machtspiele erfreulich schlecht!
      "No Bilag", die Multinationale Konzerne von hohen Gebühren befreit hätte, wurde abgelehnt.
      Die versuchte Schleifung der FlaM blockiert die Unterzeichnung des Rahmenabkommens.
    • Juliet Bravo 26.01.2020 19:15
      Highlight Highlight Was würde uns das bringen - ausser der Navy? Die Monarchie würde ich niemals akzeptieren.
    • Ninha 26.01.2020 22:13
      Highlight Highlight 😅 Die Schweizer und eine Königin? 😂 Made my day! 😂
    Weitere Antworten anzeigen
  • stadtzuercher 26.01.2020 14:12
    Highlight Highlight Na, geht doch.
    Ein Statement gegen alle, die uns weismachen wollten, der Brexit sei unmöglich, die Geschichte alternativlos.
    • lilie 26.01.2020 14:44
      Highlight Highlight @stadtzuercher: Den Brexit gibts vorerst immer noch nur auf dem Papier. Vor Ablauf der Übergangsfrist kann man gar nichts sagen.
    • nimmersatt 26.01.2020 14:47
      Highlight Highlight nichts ist alternativlos, die Tragweite der Alternative jedoch der entscheidende Faktor - den wird man erst in ein paar Jahren abschätzen können. Ich wäre daher noch nicht derart vorlaut optimistisch
    • beaetel 26.01.2020 14:48
      Highlight Highlight Möglich ist vieles. Auf die Konsequenzen bin ich dann mal gespannt. Denn die zieht bekanntlich jede Handlung nach sich.
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