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Pissoirs an jeder Ecke: Als Mann hat man es in Amsterdam ganz einfach. Als Mann ... bild: shutterstock

Holländerin uriniert in der Öffentlichkeit – 2 Jahre später spricht das ganze Land darüber

Eine junge Holländerin wurde wegen Urinierens in der Öffentlichkeit zu einer Busse verdonnert. Der Richter meinte, sie hätte das Männer-Klo benutzen sollen. Doch damit hat er eine Lawine losgetreten. 



Ein Abend im Mai 2015. Geerte Piening läuft nach dem Ausgang nach Hause. Plötzlich drückt die Blase. Was tun? Das nächste öffentliche WC, das Frauen benutzen können, ist zwei Kilometer entfernt. Die Bar, in der sie den Abend verbracht hat, ist bereits geschlossen.

«Ob ich jetzt dort noch auf die Toilette gegangen wäre, macht gar keinen Unterschied», erzählt die 23-Jährige rückblickend. «Jeder weiss, dass wenn man was trinkt, dass man dann auf einmal fünf Minuten später wieder muss. So geht das halt manchmal an so einem Abend. Ich konnte nirgends mehr hin, nichts hatte mehr offen.» 

«Hätte ich in meine Hosen machen sollen?»

Geerte Piening

Also entscheidet sich die junge Frau dazu, ihr Geschäft in der Öffentlichkeit zu erledigen. «Wildplassen», wie es die Holländer nennen. «Hätte ich in meine Hosen machen sollen?», fragt Piening. 

Freunde der 23-Jährigen halten Wache und schauen, dass niemand zu nahe kommt. Doch das Unheil nimmt seinen Lauf. Auf einmal tauchen aus dem Dunkeln drei Polizisten auf. «Da konnte ich aber nicht mehr stoppen», erklärt Piening. «Was ich da mache, fragte mich ein Agent. Dabei war das doch ziemlich eindeutig.» 

Piening hat keine Lust zu diskutieren, sie nimmt die Busse von 140 Euro zunächst hin. Doch am nächsten Morgen denkt sie sich: «Das fechte ich an!» Man mache dies als Frau ja nicht zum Spass. So in einer Gasse sitzen mit den Unterhosen auf den Knien. 

Richter empfiehlt das Männer-Klo

Über zwei Jahre hat es gedauert, bis die Angelegenheit vor Gericht behandelt wurde. Nun ist das Verdikt da. Geerte Pieining ist schuldig. Sie hätte sich an das Verbot gegen das «Wildplassen» halten müssen, so der Richter. 

«Wenn es keinen Abfalleimer in der Nähe hat, dann wirft man den Müll auch nicht einfach auf den Boden.»

Doch Piening hat mit ihrer Beschwerde einen Nerv getroffen, die Geschichte wird in Holland auf und ab diskutiert. Sie führte ins Feld, dass es im Zentrum von Amsterdam zwar 35 öffentliche Pissoirs für Männer gäbe, für Frauen aber nur drei Toiletten. 

Der Richter sah dies zwar ein. Doch das sei so, weil es viel mehr Männer gäbe, die in der Öffentlichkeit urinieren würden. «In all den Jahren, in denen ich hier arbeite, sind Sie erst die zweite Frau, der das passiert ist», so der Richter.

Er meint, Piening hätte sich halt einfach auf einem Pissoir für Männer erleichtern müssen. «Das ist zwar nicht schön, aber ich denke, in der Not kann man das mal machen.» Wenn es keinen Abfalleimer in der Nähe habe, so der Richter, werfe man den Müll auch nicht einfach auf den Boden. Immerhin reduzierte er die Busse von 140 auf 90 Euro, weil sie so lange auf ein Urteil warten musste.

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Urinoir in Amsterdam: Wie soll man sich hier als Frau erleichtern? bild: shutterstock

Widerstand geplant

Aber Amsterdam wäre nicht Amsterdam, wenn die Bevölkerung dieses Verdikt einfach so auf sich sitzen lassen würde. Auf Facebook wurde ein Event gegründet, der Frauen dazu aufforderte kommenden Freitag gleichzeitig ins Pissoir am Leidseplein zu urinieren.

Da sich für den Event über 1000 Personen anmeldeten, wurde die Aktion mittlerweile auf die ganze Stadt ausgeweitet. Frauen sollen sich auf den Pissoirs fotografieren und die Bilder auf Facebook und Instagram unter dem Hashtag #urinoirplassen teilen. Was die Veranstalter damit vorhaben, ist noch nicht bekannt. Auf jeden Fall dürfte es sich lohnen, den Hashtag morgen mal im Auge zu behalten. 

Was meint eigentlich Geerte Piening zum ganzen Hype? «Es ist ein enorm feministisches Ding geworden, das war eigentlich gar nicht die Meinung», so die Frau, die alles ins Rollen gebracht hat. Aber auf der anderen Seite sei es auch gut, dass das Thema endlich angegangen werde. «Es ist doch echt peinlich für Amsterdam, dass man sich als Frau nirgends erleichtern kann.» (cma)

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zat 22.09.2017 17:25
    Highlight Highlight Ich musste diesen Sommer auch plötzlich dringend. Allerdings grosses Geschäft, da hätte mir ein Pissoir auch mit Frauen-Pinkler-Teilen nichts genutzt. Daher bin ich für genügend öffentliche WC-Anlagen an strategischen Punkten. Zudem gibt es Tage im Monat einer Frau... lassen wir die Details.
    Ach ja, da ich ortsunkundig war, bin ich ins Restaurant zurück, in welchem wir eine Stunde zuvor gegessen hatten, kam mir aber etwas blöd vor.
  • p4trick 22.09.2017 15:30
    Highlight Highlight Wird ein Hund auch gebüsst beim Pinkeln?
    • Lavamera 22.09.2017 18:18
      Highlight Highlight Ein Hund hinterlässt viel weniger Urin als ein Mensch und der Geruch ist viel weniger penetrant.
  • Goldbach 22.09.2017 08:41
    Highlight Highlight Die spinnen die Holländerinnen.
    Wildpinkler werden gebüsst, das ist richtig so.
    Ein Wildpinkler kann nicht vor der Busse verschont werden, weil er eine Frau ist.
    Das wäre nämlich verbotene Diskriminierung.
    Darum ist das Täubelen der Feministen in dieser Sache entlarvend. Sie wollen keine Gleichberechtigung, sondern die totale Vorzugsbehandlung. Ich nenne das psychotisches Prinzesinnensyndrom.
    • flimmergruen 22.09.2017 11:06
      Highlight Highlight vielleicht wollen sie auch einfach gleichviele Uriniermöglichkeiten wie die Männer? 35 statt 3?
    • karl_e 22.09.2017 11:45
      Highlight Highlight Was soll man dann mit den Millionen von Hunden tun, die immer wildpinkeln? Windeln oder Pampers?
  • Booker 22.09.2017 05:40
    Highlight Highlight Wie eine Frau ein Pissoir benützen soll würde ich erst Genremalerei sehen. Diese Teile passen ja überhaupt nicht auf die weibliche Anatomie. Oder wäre die Idee sich da einfach im Pissoir auf den Boden zu erleichtern ?
    • Nuka Cola 22.09.2017 14:11
      Highlight Highlight Es gibt entsprechende Teiler, die haben übrigens sehr viele Frauen in GB, damit die Frau ins Pissoir urinieren kann. Denn ein Pissoir nimmt nunmal nur einen Bruchteilbdes Platzes eines WCs in Anspruch.
  • mAJORtOM95 21.09.2017 22:56
    Highlight Highlight Und ich dachte, wir hätten auf der Erde richtige Probleme...
    (facepalm)
  • Evan 21.09.2017 20:27
    Highlight Highlight Holland sollte statt diesen Dingern richtige WC installieren
  • Menel 21.09.2017 20:07
    Highlight Highlight Selbst ist die Frau!

    Benutzer Bild
    • Menel 21.09.2017 20:48
      Highlight Highlight Ja, das geht gut ☺
    • Nuka Cola 21.09.2017 22:15
      Highlight Highlight In GB hatten unglaublich viele Frauen soein Teil dabei, hab ich mich gewundert, als im MCes ne Frau vorm Pissoir stand.
    • Lukakus 21.09.2017 23:18
      Highlight Highlight Und was macht man nach dem Geschäft mit dem Teil? Waschen? Womit? Einfach zurück in die Tasche? Für den Prozess ja toll, aber danach...?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Carl Gustav 21.09.2017 19:57
    Highlight Highlight Darum brauchen wir endlich mehr Frauen in den Regierungen.
    Denkt daran, liebe Parlamentarier/innen, wenn ihr dass nächste mal urinieren müsst im Ausgang.
    Chance verpasst gestern😭😭

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