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Jerusalem: Palästinenser schützen sich vor Tränengas, das von der israelischen Polizei geworfen wurde.
Jerusalem: Palästinenser schützen sich vor Tränengas, das von der israelischen Polizei geworfen wurde.
Bild: AP/AP

Tempelberg-Krise eskaliert: Palästina bricht Beziehungen zu Israel ab

21.07.2017, 17:0822.07.2017, 06:42

Der Streit um den Tempelberg in Jerusalem ist am Freitag eskaliert und hat mindestens drei Menschenleben gefordert. Wegen der verschärften Kontrollen am Jerusalemer Tempelberg hat die Palästinensische Autonomiebehörde die diplomatischen Beziehungen zu Israel eingefroren. 

Kein Kontakt mehr zu Israel: Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas.
Kein Kontakt mehr zu Israel: Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas.
Bild: EPA/EPA

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sagte am Freitag, die Beziehungen würden erst dann wieder aufgenommen, wenn Israel die Sicherheitsmassnahmen wieder aufhebe. Zuvor war der Streit um die Massnahmen eskaliert.

Nach dem Freitagsgebet wurden nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörden drei Palästinenser bei Konfrontationen in Ost-Jerusalem getötet und rund 400 weitere in Jerusalem und im Westjordanland verletzt.

Mehrere Verletzte schwebten in Lebensgefahr, teilte das Gesundheitsministerium mit.

Zudem habe ein Angreifer am Freitag zwei Israelis in einer jüdischen Siedlung im Westjordanland getötet. Der Angreifer sei in ein Haus in der Siedlung Neve Zuf nordwestlich von Ramallah eingedrungen und habe dort zwei israelische Zivilisten erstochen, teilte die Armee am Abend mit.

Zwei weitere Israelis seien bei dem Messerangriff verletzt worden. Der Täter sei erschossen worden. Angaben zu dessen Identität machte die Armee nicht.

Rings um die Altstadt von Jerusalem herrschten am Freitag grosse Spannungen, es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften angesichts des von Israel stark eingeschränkten Zugangs zur Altstadt und zum Tempelberg.

Aus Sorge vor neuer Gewalt während der Freitagsgebete hatte Israel den Zugang zur Altstadt und dem Tempelberg für alle Männer unter 50 Jahren verboten. Hunderte Palästinenser, darunter religiöse Führer, protestierten gegen die Massnahme. Stellenweise setzte die Polizei Blendgranaten ein.

Palästinenser versorgen einen verwundeten Kollegen.
Palästinenser versorgen einen verwundeten Kollegen.
Bild: EPA/EPA

Palästinensische Vertreter hatten Muslime dazu aufgerufen, in Massen zum Freitagsgebet auf dem Tempelberg zu kommen. In den vergangenen Tagen war es dort immer wieder zu Zusammenstössen gekommen.

Gebete auch an Militärsperren

Hunderte jüngerer Männer, denen der Zugang verwehrt wurde, beteten dann auf der Strasse ausserhalb der Altstadtmauern. Auch an Militärsperren im Westjordanland beteten Muslime, die keine Einreisegenehmigung erhielten. Nach Angaben einer Polizeisprecherin griffen Muslime nach dem Gebet Sicherheitskräfte mit Steinen an.

Die Palästinenser lehnen die Kontrollen durch Metalldetektoren ab und sehen ihre Aufstellung als Versuch Israels, mehr Kontrolle über die heilige Stätte zu erlangen. Israel betont aber, es wolle den Status quo nicht verändern. Die Kontrollmassnahmen wurden nach einem blutigen Anschlag am Tempelberg vor einer Woche eingeführt, bei dem zwei israelische Polizisten und drei arabische Angreifer getötet worden waren.

Abbas bittet Trump um Hilfe

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas habe in einem Telefongespräch mit dem US-Nahostgesandten Jared Kushner den Abbau der Metalldetektoren gefordert, berichtete die regierungstreue palästinensische Nachrichtenagentur Wafa am Freitag.

US-Präsident Donald Trump müsse «sich sofort einmischen, um Israel dazu zu zwingen, seine Massnahmen an der Al-Aksa-Moschee rückgängig zu machen», forderte Abbas dem Bericht zufolge. Anderenfalls könne die Lage ausser Kontrolle geraten, warnte er.

Palästinenser während des Freitagsgebetes in Jerusalem.
Palästinenser während des Freitagsgebetes in Jerusalem.
Bild: AP/AP

Das israelische Sicherheitskabinett hatte am Freitagmorgen beschlossen, die umstrittenen Metalldetektoren vorerst nicht abzubauen. «Israel verpflichtet sich, den Status quo auf dem Tempelberg zu wahren und einen freien Zugang zu den heiligen Stätten zu gewährleisten», hiess es aus Regierungskreisen. Gleichzeitig müsse man die Sicherheit der Betenden und Besucher auf dem Tempelberg garantieren.

Der Tempelberg in Jerusalems Altstadt war immer wieder Brennpunkt religiöser Spannungen. Muslime verehren ihn als Al-Haram al-Scharif (Edles Heiligtum).

Für Muslime und Juden wichtig

Der Tempelberg (Arabisch: Al-Haram al-Scharif) ist das drittwichtigste Heiligtum des Islams nach Mekka und Medina. Nach islamischer Überlieferung ritt der Prophet Mohammed von dort aus mit seinem Pferd in den Himmel. An dieser Stelle steht heute der Felsendom, mit dessen Bau im Jahr 687 begonnen wurde. Die goldene Kuppel ist ein bekanntes Wahrzeichen Jerusalems. Zusammen mit der benachbarten Al-Aksa-Moschee ist der Felsendom das drittwichtigste islamische Heiligtum.

Für die Juden ist der Ort ebenfalls von höchster Bedeutung, weil dort zwei jüdische Tempel standen. Die Klagemauer am Fuss des Tempelbergs ist der Überrest der ehemaligen westlichen Stützmauer des zweiten Tempels. Er wurde in der Zeit des Königs Herodes (73 bis 4 vor Christus) erbaut und von den Römern im Jahr 70 zerstört. (blu/sda/dpa/afp)

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