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Israels Regierung erhöht den Druck: Ohne dritte Impfung gibt's keinen Grünen Pass

Wer in Israel vor sechs Monaten die zweite Impfung bekommen hat, braucht ab heute die dritte – ansonsten gibt's keinen Grünen Pass. Diese kurzfristige Ankündigung sorgt vor allem bei Lehrpersonen für Ärger. Ohne den grünen Pass werden sie freigestellt.
03.10.2021, 03:09

Wegen hoher Infektionszahlen erhöht Israels Regierung in der Corona-Krise den Druck auf zweifach geimpfte Personen: Ab Sonntag gilt der sogenannte Grüne Pass, der den Zugang zum öffentlichen Leben erleichtert, nur noch bis zu sechs Monate nach der zweiten Impfung. Danach müssen Betroffene eine dritte Spritze als Auffrischung erhalten.

Der dritte Piks wird in Israel zur Pflicht, wenn man am öffentlichen Leben teilnehmen möchte.
Der dritte Piks wird in Israel zur Pflicht, wenn man am öffentlichen Leben teilnehmen möchte.
Bild: keystone

Auch wer positiv auf Corona getestet wurde, muss spätestens sechs Monate danach noch eine Impfung erhalten. Nach Zahlen des Gesundheitsministeriums könnten von der neuen Regelung mehr als eine Million Menschen betroffen sein.

Der Grüne Pass gilt in Israel für fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens: Alle Personen ab drei Jahren müssen nachweisen, dass sie geimpft, genesen oder negativ getestet sind, wenn sie Sport- oder Kulturveranstaltungen, Fitnessstudios, Museen, Restaurants, Universitäten oder Konferenzen besuchen wollen. Kinder bis zwölf Jahre können kostenlos getestet werden. Ab zwölf Jahren müssen die Kosten selbst übernommen werden.

Der Grüne Pass funktioniert ähnlich wie das Covid-Zertifikat in der Schweiz: Um es zu erhalten, muss man geimpft, genesen oder getestet sein.
Der Grüne Pass funktioniert ähnlich wie das Covid-Zertifikat in der Schweiz: Um es zu erhalten, muss man geimpft, genesen oder getestet sein.
Bild: keystone

Rund 61 Prozent der rund 9.4 Millionen Einwohner sind laut Gesundheitsministerium zweifach geimpft, rund 37 Prozent dreifach. Voraussetzung für die dritte Spritze ist, dass die zweite Impfung mindestens fünf Monate zurückliegt.

Israel hat Ende Juli als erstes Land weltweit damit angefangen, dritte Impfungen zu vergeben. Hintergrund der Entscheidung sind Zahlen des Gesundheitsministeriums, wonach die Effektivität der Impfung seit Anfang Juni stark nachgelassen hat.

Kritik vom Lehrerverband

Scharfe Kritik an der neuen Regelung kam vom israelischen Lehrerverband. Ab diesen Sonntag werden Lehrer ohne den Grünen Pass, die sich nicht auf das Coronavirus testen lassen wollen, vom Unterricht freigestellt. Die Lehrer dürfen dann auch nicht online unterrichten und erhalten kein Gehalt. «Es geht um rund 50 Prozent der Lehrer, das sind rund 80'000», sagte Ran Eres, Vorsitzender des Lehrerverbandes.

Für viele Lehrer könnte die Zeit knapp werden, die dritte Spritze noch rechtzeitig zu erhalten.
Für viele Lehrer könnte die Zeit knapp werden, die dritte Spritze noch rechtzeitig zu erhalten.
Bild: keystone

Der Verband fordert eine zweimonatige Übergangsfrist für die Lehrer, um die dritte Impfung zu erhalten. Die Regierung habe die neuen Vorgaben zu kurzfristig mitgeteilt, kritisierte Eres. Regelmässiges Testen sei auch nicht praktikabel für die Lehrer. Der Verband behalte sich vor, die Regelung vor Gericht anzufechten.

Anfang September registrierte Israel mit mehr als 11'000 die höchste Anzahl Neuinfektionen pro Tag seit Pandemiebeginn. Seither gehen die Infektionszahlen langsam zurück. Experten warnen allerdings immer noch vor einer Überlastung des Gesundheitssystems durch ungeimpfte schwerkranke Corona-Patienten. Die überwiegende Mehrheit der zuletzt rund 600 Schwerkranken ist laut Gesundheitsministerium ungeimpft. (saw/sda/dpa)

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