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Corona: Israel erhöht den Druck auf zweifach Geimpfte

Israels Regierung erhöht den Druck: Ohne dritte Impfung gibt's keinen Grünen Pass

Wer in Israel vor sechs Monaten die zweite Impfung bekommen hat, braucht ab heute die dritte – ansonsten gibt's keinen Grünen Pass. Diese kurzfristige Ankündigung sorgt vor allem bei Lehrpersonen für Ärger. Ohne den grünen Pass werden sie freigestellt.
03.10.2021, 03:09
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Wegen hoher Infektionszahlen erhöht Israels Regierung in der Corona-Krise den Druck auf zweifach geimpfte Personen: Ab Sonntag gilt der sogenannte Grüne Pass, der den Zugang zum öffentlichen Leben erleichtert, nur noch bis zu sechs Monate nach der zweiten Impfung. Danach müssen Betroffene eine dritte Spritze als Auffrischung erhalten.

epa09436593 A nurse prepares a shot of COVID-19 vaccine in Jerusalem, Israel, 30 August 2021. Israel launched a campaign to offer a third Covid-19 vaccine dose for people over 30 who received a second ...
Der dritte Piks wird in Israel zur Pflicht, wenn man am öffentlichen Leben teilnehmen möchte.Bild: keystone

Auch wer positiv auf Corona getestet wurde, muss spätestens sechs Monate danach noch eine Impfung erhalten. Nach Zahlen des Gesundheitsministeriums könnten von der neuen Regelung mehr als eine Million Menschen betroffen sein.

Der Grüne Pass gilt in Israel für fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens: Alle Personen ab drei Jahren müssen nachweisen, dass sie geimpft, genesen oder negativ getestet sind, wenn sie Sport- oder Kulturveranstaltungen, Fitnessstudios, Museen, Restaurants, Universitäten oder Konferenzen besuchen wollen. Kinder bis zwölf Jahre können kostenlos getestet werden. Ab zwölf Jahren müssen die Kosten selbst übernommen werden.

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Der Grüne Pass funktioniert ähnlich wie das Covid-Zertifikat in der Schweiz: Um es zu erhalten, muss man geimpft, genesen oder getestet sein.Bild: keystone

Rund 61 Prozent der rund 9.4 Millionen Einwohner sind laut Gesundheitsministerium zweifach geimpft, rund 37 Prozent dreifach. Voraussetzung für die dritte Spritze ist, dass die zweite Impfung mindestens fünf Monate zurückliegt.

Israel hat Ende Juli als erstes Land weltweit damit angefangen, dritte Impfungen zu vergeben. Hintergrund der Entscheidung sind Zahlen des Gesundheitsministeriums, wonach die Effektivität der Impfung seit Anfang Juni stark nachgelassen hat.

Kritik vom Lehrerverband

Scharfe Kritik an der neuen Regelung kam vom israelischen Lehrerverband. Ab diesen Sonntag werden Lehrer ohne den Grünen Pass, die sich nicht auf das Coronavirus testen lassen wollen, vom Unterricht freigestellt. Die Lehrer dürfen dann auch nicht online unterrichten und erhalten kein Gehalt. «Es geht um rund 50 Prozent der Lehrer, das sind rund 80'000», sagte Ran Eres, Vorsitzender des Lehrerverbandes.

epa09439782 Teacher and children in class at an elementary school on the first day of school in Jerusalem, Israel, 01 September 2021. Israel started a national quick Covid-19 testing campaign for kids ...
Für viele Lehrer könnte die Zeit knapp werden, die dritte Spritze noch rechtzeitig zu erhalten.Bild: keystone

Der Verband fordert eine zweimonatige Übergangsfrist für die Lehrer, um die dritte Impfung zu erhalten. Die Regierung habe die neuen Vorgaben zu kurzfristig mitgeteilt, kritisierte Eres. Regelmässiges Testen sei auch nicht praktikabel für die Lehrer. Der Verband behalte sich vor, die Regelung vor Gericht anzufechten.

Anfang September registrierte Israel mit mehr als 11'000 die höchste Anzahl Neuinfektionen pro Tag seit Pandemiebeginn. Seither gehen die Infektionszahlen langsam zurück. Experten warnen allerdings immer noch vor einer Überlastung des Gesundheitssystems durch ungeimpfte schwerkranke Corona-Patienten. Die überwiegende Mehrheit der zuletzt rund 600 Schwerkranken ist laut Gesundheitsministerium ungeimpft. (saw/sda/dpa)

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62 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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smoking gun
03.10.2021 07:41registriert Oktober 2015
„Um fortlaufend gegen das immer wieder mutierenden Corona-Virus immun zu bleiben, könnte – analog zur Grippeimpfung – eine jährliche Vakzingabe notwendig sein“, sagte Pfizer-Chef Albert Bourla bereits im April 2021.

Wir haben gerade die Etablierung einer neuen Industrie erlebt. Und selbstverständlich will die Pharmaindustrie weiter diese neuen Produkte verkaufen.

Es wird nicht mehr aufhören.
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Hugo23
03.10.2021 07:31registriert August 2019
Sie dürfen dann auch nicht online Unterrichten... What? Wieso nicht? Kann man das Video auch über das Internet verbreiten?
Hier geht es wohl nichtmehr um den Schutz der Bevölkerung sondern um Schikanierung!
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Biindli
03.10.2021 08:46registriert Oktober 2015
Ich habe mehr als 6 Monate nach der Impfung und trotz doppelter Immunsuppression noch 30x mehr Antikörper als das Minimum, dass es braucht. Bevor man deshalb die gesamte Bevölkerung ein 3. Mal impft sollte man sich gut überlegen, wer das wirklich braucht. (Wahrscheinlich insbesondere 80+ in Institutionen) In der 3. Welt gibt es so viele, die auf eine Impfung warten.
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