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Trump schimpft über Netanjahu – und lobt die Hisbollah

Trump schimpft über Netanjahu – und lobt die Hisbollah

Während ganz Amerika sich nach dem Terrorangriff der Hamas mit Israel und seiner Regierung solidarisiert, schimpft Donald Trump auf den israelischen Ministerpräsidenten und lobt die libanesische Terrormiliz.
13.10.2023, 09:4813.10.2023, 11:48
Renzo Ruf, Washington / ch media
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Der Präsident gab den Ton vor: Amerika, sagte Joe Biden diese Woche im Weissen Haus, stehe voll hinter Israel. Das Land habe «die Pflicht», auf den Terror der Hamas mit aller Härte zu reagieren. Und Washington werde den Verbündeten dabei unterstützen. Die USA würden «immer» an der Seite Israels stehen, bekräftigte Aussenminister Antony Blinken am Donnerstag in Tel Aviv – klare Worte, die von Demokraten und Republikanern geteilt werden.

Trump Netanjahu
Benjamin Netanjahu (rechts) ist im rechten Amerika ein gern gesehener Gast. Dieses Bild zeigt ihn 2020 während einer Visite im Weissen Haus mit dem damaligen Präsidenten Donald Trump.Bild: Keystone

In einem Radiointerview, das am Mittwoch aufgezeichnet worden war, kritisierte Donald Trump den israelischen Ministerpräsidenten. Benjamin Netanjahu, sagte der Republikaner, sei «nicht vorbereitet gewesen». Und: Netanjahu, ein langjähriger Bekannter des Präsidentschaftskandidaten, sei nun «sehr stark lädiert».

«Das war eine ganz schreckliche Sache»

Später, während einer Rede vor Hunderten von fanatischen Anhängerinnen und Anhängern in Florida, verurteilte Trump den Hamas-Angriff in klaren Worten. Dann behauptete der Ex-Präsident aber auch, Hamas habe davon profitiert, dass er bei der letzten Wahl angeblich um seinen Sieg betrogen worden sei.

Und er kritisierte den israelischen Ministerpräsidenten für eine Episode, die sich während seiner Präsidentschaft abgespielt hatte. Netanjahu habe sich 2020 in letzter Sekunde geweigert, an der Ermordung des iranischen Generals Qassem Soleimani teilzunehmen. «Ich werde das nie vergessen – ich werde nie vergessen, dass Bibi Netanjahu uns im Stich gelassen hat. Das war eine ganz schreckliche Sache. Und dann versuchte Bibi, sich damit zu brüsten. Das gefiel mir überhaupt nicht.»

In der Rede fand Trump auch – doch eher überraschend – freundliche Worte für die Hisbollah, die sich seit 1997 auf der schwarzen Liste des US-Aussenministeriums befindet. Er bezeichnete die libanesische Terrororganisation als «sehr schlau». Das war kein Versprecher. Trump wiederholte sich und sagte: «Die sind alle sehr schlau», brutal zwar, aber eben auch «smart», um dann gleich anzufügen, dass die Medien es nicht schätzten, wenn er solche Komplimente verteile.

DeSantis findet Trumps Aussagen «absurd»

In diesem Fall waren es allerdings nicht nur Kommentatoren, die den Ex-Präsidenten kritisierten, sondern auch Parteifreunde. So bezeichnete Präsidentschaftskandidat Ron DeSantis die Aussagen Trumps als «absurd».

Die Komplimente Trumps drohen auch davon abzulenken, dass die Republikaner eigentlich das Gefühl hatten, sie bekämen politisches Oberwasser. So machten namhafte konservative Stimmen die Biden-Regierung zumindest indirekt für das Terror-Massaker verantwortlich, weil sie eine diplomatische Annäherung an Iran befürwortet hatten, der Schutzmacht von Hamas und Hisbollah.

Auch taten sich einige demokratische Schlüsselfiguren am linken Parteirand anfänglich schwer damit, die Terrorattacke in klaren Worten zu verurteilen. So verurteilte die Abgeordnete Rashida Tlaib, deren Eltern in Ramallah beziehungsweise Jerusalem geboren worden waren, das Hamas-Massaker erst am Mittwoch als «Kriegsverbrechen». (bzbasel.ch)

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103 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Grobianismus
13.10.2023 10:06registriert Februar 2022
Manchmal habe ich das Gefühl, den Politikern geht es gar nicht mehr darum, die eigene Meinung zum Thema zu vertreten, sondern den politischen Gegnern einfach ans Bein pi**en zu können.
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Pafeld
13.10.2023 11:24registriert August 2014
Ist doch offensichtlich, was Trump hier treibt. Ganz im Sinne der Marktwirtschaft wird das Bedürfnis nach Meinungsbestätigung befriedigt, wo es sonst niemand tut. Selbst wenn er dafür seinen Rechtspopulistenbruder im Geist verraten muss. Auf welche Zielgruppe er damit abziehlt, sollte allerdings aufhorchen lassen. Denn das dürften kaum die Linken sein, denen der israelische Orban schon immer ein Dorn im Auge war. Sondern wohl eher jene Kreise, die mit Hakenkreuzen und weissen Roben gerne mal durch die Strasse ziehen.
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Hoagie
13.10.2023 12:34registriert Oktober 2018
Die grundsätzliche Strategie von Trump und seinen Gesinnungsgenossen ist ja einfach nur noch dagegen sein.
Masken? Nein!
Impfen? Nein!
Umweltschutz? Nein!
Ukrainehilfe? Nein!
Und wenn Biden sich für Israel ausspricht, dann ist man eben auf der anderen Seite.
Bei uns haben wir ja auch so eine unkonstruktive Partei, die viel rumschreit und keine Lösungen bietet. Dem Wähler scheint das aber leider zu reichen.
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