DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
dpatopbilder - 08.04.2018, Nordrhein-Westfalen, Münster: Trauerkerzen und Blumen liegen vor dem Unglücksort, der Gaststätte «Großer Kiepenkerl». Ein Mann war am 07.04. mit einem Kleintransporter in der Altstadt in eine Gruppe von Menschen gerast und hatte zwei von ihnen getötet. Foto: Friso Gentsch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Jens R. tötete bei seiner Amokfahrt in Münster zwei Personen. Bild: dpa

Kommentar

Rechte Hetze, linke Freude: Der schiefe Diskurs nach dem Attentat in Münster

Nach der Amokfahrt in Münster wurden von rechter wie auch von linker Seite vorschnelle Schlüsse zum Hintergrund des Täters gezogen. Die Diskussion über die Motivation einer solchen Tat verkommt so zu einem politischen Kampf um die Deutungshoheit der Ereignisse. 

timo stein



Die Empörung von rechts

Kaum liefen die ersten Meldungen um kurz nach halb fünf am Samstagnachmittag zum Attentat in Münster über die Agenturen, waren sie auch schon online: zynische Danke-Merkel-Post von rechts.

Ganz vorne dabei AfD-Frontfrau Beatrix von Storch, die twitterte: «Wir schaffen das!» Die Botschaft: Merkel und ihre Flüchtlingspolitik sind Schuld. Die Liste solcher «Debattenbeiträge» von rechts liesse sich beliebig fortsetzen.

Während die Polizei Münster Twitter nutzte, um ruhig und transparent zu informieren, verbreiteten andere dort gezielt Desinformation und machten Stimmung.

Das Onlineportal Buzzfeed erstellte eine Übersicht über die Fake- Bilder, die sich schnell im Netz zu verbreiten begannen. 

Die Absurdität dieser Empörungsdynamik ging in die nächste Phase, als sich gegen den frühen Abend herausstellte, dass die Tat wohl keinen islamistischen Hintergrund hat. Als bekannt wurde, dass es sich bei dem mutmasslichen Täter um Jens R. aus dem Sauerland handelte, schlug die Stunde des «Ja, aber ...» am rechten Rand.

Was folgte, war die übliche Strategie: Von Storch versuchte erst, ihren «Wir schaffen das»-Post zu relativieren, um dann zu erklären, warum sie trotzdem Recht hatte.

Mit demselben Eifer löschten andere rechte Putztruppen ihre vorschnellen Schuldzuweisungen.

Die Erleichterung von links

Auf der anderen Seite des politischen Spektrums gab es eine Art triumphierendes Aufatmen.

Zwischenzeitlich tauchten Meldungen auf, wonach der Amokfahrer dem rechten Spektrum zuzuordnen sei – auch das stellte sich schnell als falsch heraus. Bisher gibt es keine Erkenntnisse darüber, dass Jens R. aus politischen Motiven gehandelt habe.

Diese Dynamik zeigt, wie dysfunktional mittlerweile über solche Gewalttaten gesprochen wird. Es geht nicht um Opfer, denen es «egal ist, welche Religion der Täter hatte», wie der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Armin Laschet bei seiner Trauerrede sagte.

Nicht Nationalität und Herkunft, sondern Motivation und Ideologie hinter solchen Taten sind entscheidend. Geht es doch darum, nicht von einem Einzeltäter auf Menschengruppen zu schliessen.

Stattdessen spielen in der aufgehitzten Diskussion weniger die tatsächlichen Folgen der Tat eine Rolle, als dass es um den politischen Kampf um die Deutungshoheit der Ereignisse geht. Dabei sollte gerade auch die Tatsache, dass der mutmassliche Täter ein Deutscher ist, im Grunde keine Rolle spielen.

Jens R. raste in Münster mit seinem VW-Bus in eine Menschenmenge:

1 / 7
Auto rast in Menschenmenge: Tote und Verletzte in Münster
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Schwere Explosion in Leverkusen – 16 Verletzte, ein Toter

In einem Chemiebetrieb im Westen Deutschlands ist es am Dienstagmorgen nach Angaben der Betreiberfirma Currenta aus unbekannter Ursache zu einer Explosion gekommen. Die Explosion hatte sich nach Angaben des Unternehmens aus bisher unbekannter Ursache gegen 09.40 Uhr im Tanklager des Entsorgungszentrums Bürrig ereignet. Danach kam es zu einem Brand im Tanklager. Anwohner des Chemparks Leverkusen wurden aufgefordert, geschlossene Räume aufzusuchen sowie Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Das …

Artikel lesen
Link zum Artikel