DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Er schrieb bis zum Schluss: Deutscher Dramatiker Tankred Dorst mit 91 gestorben



Wohl niemand hat das zeitgenössische deutsche Theater mit so vielen und so unterschiedlichen Stücken bereichert wie Tankred Dorst. Er schrieb bis zum Schluss. Am Donnerstag ist der Dramatiker mit 91 Jahren in Berlin gestorben.

ARCHIVBILD ZUM TOD DES DEUTSCHEN SCHRIFTSTELLERS TANKRED DORST, AM DONNERSTAG, 1. JUNI 2017 - Der Autor Tankred Dorst, aufgenommen am 15.06.2012 in Wiesbaden bei einem Interview. Dorst ist am 01.06.2017 im Alter von 91 Jahren in Berlin gestorben. Das teilte der Suhrkamp Verlag mit. (KEYSTONE/DPA/A3778/_Fredrik von Erichsen)

Tankred Dorst Bild: DPA dpa

Das teilte der Suhrkamp Verlag mit. In seinen mehr als 50 Stücken hat sich der vielfach preisgekrönte Autor auf unterschiedlichste Weise mit den Fragen der menschlichen Existenz auseinandergesetzt.

Grosse Regisseure wie Peter Zadek, Peter Palitzsch, Dieter Dorn und Hans Neuenfels arbeiteten eng mit ihm zusammen. 2006 gab der gebürtige Thüringer, bereits 80-jährig, mit einer Neuinszenierung von Wagners «Ring» in Bayreuth sein Debüt als Opernregisseur – allerdings von Buh-Rufen begleitet.

Als Dorsts schönstes und grösstes Drama gilt «Merlin oder Das wüste Land». Sein Panoptikum um den Zauberer und Teufelssohn Merlin besticht bis heute mit seiner bildreichen Sprache. Immer wieder fühlen sich namhafte Bühnen von dem 1981 am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführten achtstündigen Monumentalwerk aus der König-Artus-Welt herausgefordert.

Enge Zusammenarbeit mit Peter Zadek

Dorst wurde 1925 in Oberlind bei Sonneberg in Thüringen als Sohn eines Fabrikanten geboren. Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1947 studierte er zunächst Germanistik und Theaterwissenschaften. Den Weg zum Theater fand er über eine studentische Münchner Marionettenbühne, für die er seine ersten Stücke schrieb.

Seit Anfang der 70er Jahre arbeitete er künstlerisch eng mit seiner Lebensgefährtin und späteren Frau Ursula Ehler zusammen, die ihm auch bei der Arbeit am «Ring» in Bayreuth zur Seite stand. Bereits 1960 hatte die lange, fruchtbare Zusammenarbeit mit Peter Zadek begonnen, aus der auch Fernsehfilme wie «Rotmord» und der «Der Pott» hervorgingen.

In seiner Arbeit entzog sich Dorst stets der Einordnung in feste Kategorien. Er griff mythische oder historische Stoffe auf, schrieb Märchenstücke und Parabeln und reagierte auch auf aktuelle politische Entwicklungen.

Zu seinen bekanntesten Werken neben «Merlin» zählen das Revolutionsdrama «Toller» (1968 uraufgeführt), die Trilogie «Auf dem Chimborazo»/«Die Villa»/«Heinrich oder Die Schmerzen der Fantasie» (1975-1985) sowie die Stücke «Karlos» (1990) und «Herr Paul» (1994).

Zwischen Optimismus und Pessimismus

1999 wurde in München das unter dem Eindruck des Bosnienkrieges geschriebene Stück «Grosse Szene am Fluss» uraufgeführt. Im Februar 2005 feierte der Dramatiker mit der Uraufführung seines Dramas «Wüste» in Dortmund einen weiteren Erfolg – ein Meisterwerk voller Altersweisheit, Nachdenklichkeit, Skepsis und Humor.

«Ich selbst schwanke zwischen Optimismus und Pessimismus», sagte Dorst einmal. «Jeder Mensch hat eine persönliche Utopie, wie das Leben sein sollte, und erlebt dann eine Enttäuschung, dass es nicht so ist.» (sda/dpa)

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Kommentar

Wetten, dass es bald Oscars für dieses 38-jährige Regiewunder und Borat hagelt?

Die Golden Globes mussten sich im Vorfeld zu Recht viel Kritik anhören. Jetzt gaben sie sich grosse Mühe, doch noch irgendwie das Richtige zu tun. Und die Stars waren zuhause mindestens so aufgelöst wie sonst.

Wozu Award-Shows gut sind? Leute, die das Besondere suchen, sagen: «Für nichts natürlich!», und werden meist bestätigt, gelegentlich aber auch angenehm überrascht, wenn aussergewöhnliche Filme wie «The Favourite», «Parasite» oder heuer «Nomadland» mit Preisen dekoriert werden. Filme, die ohne Preis vielleicht nur einen Bruchteil des Publikums erreichen würden. Denn die Golden Globes und die Oscars kurbeln die Sichtbarkeit eines Films noch einmal gehörig an. In einem normalen Jahr …

Artikel lesen
Link zum Artikel