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Lateinamerika

Mindestens 22 Tote bei Erdrutsch in Venezuela

Streets are flooded after heavy rains caused a river to overflow in Las Tejerias, Venezuela, Sunday, Oct. 9, 2022. (AP Photo/Matias Delacroix)
Die Strassen sind nach starken Niederschlägen überflutet worden: Las Tejerias, Venezuela, am 9. Oktober 2022.Bild: keystone

Mindestens 25 Tote bei Erdrutsch in Venezuela: Hurrikan «Julia» wütet in Lateinamerika

Der Hurrikan Julia trifft Mittelamerika hart: Nach heftigem Regen sind in Venezuela bei einem Erdrutsch mindestens 25 Menschen gestorben, 52 Personen werden noch vermisst.
09.10.2022, 22:2410.10.2022, 07:15
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«Leider sind 25 Menschen tot geborgen worden, wir setzen die Suche fort», sagte Innenminister Remigio Ceballos am Sonntagabend (Ortszeit) im Fernsehen. Und es werde nach mindestens 52 Vermissten gesucht, erklärte die Vizepräsidentin des südamerikanischen Landes, Delcy Rodríguez, am Sonntag (Ortszeit) vor Journalisten am Unglücksort, der Stadt Las Tejerías. Der Wirbelsturm «Julia» habe am Samstag einen sogenannten Trog – ein Tiefdruckgebiet – verursacht und fünf kleinere Flüsse zum Überlaufen gebracht.

Die bis zu sechs Meter hohen Wassermassen rissen Felsen und Bäume von den Hängen und spülten Autos weg. Laut Behördenangaben waren rund tausend Helfer im Rettungseinsatz. Auf von Drohnen der Rettungsteams aufgenommenen Bildern waren grosse Mengen Schlamm und Erde zu sehen, die mehrere Strassen in Las Tejerías bedeckten. Bewohner versuchten, den Schlamm mit Schaufeln aus den Häusern zu entfernen.

«Julia» hatte sich am Freitag über dem Karibischen Meer vor Kolumbien gebildet und war in der Nacht zum Sonntag (Ortszeit) als Hurrikan der niedrigsten Kategorie 1 von 5 an Nicaraguas Karibikküste auf Land getroffen. Es gab am Sonntag Überschwemmungen in mehreren Ländern Mittelamerikas. Auch Kolumbien, Nicaragua oder El Salvador waren beispielsweise betroffen.

epa10233683 Inhabitants try to clean and fix the damage caused by the passage of Hurricane Julia in San Andres, Colombia, 09 October 2022. Julia was a category one hurricane that left two injured and  ...
Im kolumbianischen San Andres versuchen Einwohner die Schäden, die «Julia» verursacht hat, zu beheben.Bild: keystone

«Julia» zog Richtung Westen über Nicaragua, schwächte dabei ab und wurde zu einem Tropensturm herabgestuft. Voraussichtlich am Abend werde der Sturm Nicaraguas Pazifikküste erreichen, hiess es vom NHC. Dieses warnte, dass bis Dienstag lebensbedrohliche Sturzfluten und Erdrutsche in ganz Mittelamerika und dem Süden Mexikos möglich seien. Der Vorhersage nach sollte «Julia» in der Nacht und am Montag entlang oder nahe der Pazifikküsten von Honduras, El Salvador und Guatemala weiterziehen.

Las Tejerías hat gut 50'000 Einwohner und liegt rund 50 Kilometer südwestlich der venezolanischen Hauptstadt Caracas sowie etwa 70 Kilometer südlich der Karibikküste. Bilder zeigten, dass Schlamm grosse Teile des Ortes bedeckte, Baumstämme lagen zwischen Trümmern auf dem Boden. Unter den Toten seien Kinder, sagte Rodríguez, wie im Fernsehen zu sehen war. Die Tragödie sei eine Folge der Klimakrise. Staatspräsident Nicolás Maduro schrieb auf Twitter, er habe drei Tage Staatstrauer angeordnet.

epa10185054 Venezuelan President Nicolas Maduro speaks at a press conference with Haitham al-Ghais (not pictured), the Secretary General of the Organization of Petroleum Exporting Countries (OPEC), at ...
Venezuela Staatspräsident Nicolás Maduro hat drei Tage Staatstrauer angeordnet.Bild: keystone

In El Salvador wurde ein landesweiter Notstand ausgerufen, die Schulen sollten dort wie auch in Honduras am Montag geschlossen bleiben. In Honduras wurden mehrere Flughäfen für kommerzielle Flüge geschlossen. Nach Angaben des Katastrophenschutzes in Nicaragua standen mehr als 800 Häuser in dem mittelamerikanischen Staat unter Wasser, rund 13'000 Menschen seien evakuiert worden.

Auf der kolumbianischen Insel San Andrés, an der «Julia» kurz vor Nicaragua nah vorbeigezogen war, fielen die Schäden nach einem Tweet des Katastrophenschutzchefs, Javier Pava, wegen guter Vorbereitungen mit 101 beschädigten und zwei zerstörten Häusern leicht aus.

Nur gut zwei Wochen zuvor hatte tagelanger Regen in Mittelamerika Erdrutsche und Überschwemmungen verursacht, durch die in Honduras und El Salvador insgesamt mindestens 20 Menschen ums Leben kamen. Im Jahr 2020 hatten die verheerenden Hurrikans «Eta» und «Iota» die Region mit etwa 50 Millionen Einwohnern heimgesucht. Mindestens 250 Menschen starben, Teile Mittelamerikas standen wochenlang unter Wasser.

Die Hurrikansaison im Atlantik dauert von Juni bis November. In den vergangenen Wochen richteten die beiden starken Hurrikans «Fiona» und «Ian» in Teilen der Karibik sowie Nordamerikas grosse Zerstörung an.

Tropische Wirbelstürme entstehen über warmem Ozeanwasser. Aufgrund des Klimawandels erhöht sich zwar nicht deren Anzahl, wohl aber die Wahrscheinlichkeit starker Stürme. (con/sda/dpa)

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Verheerender Erdrutsch in Shenzhen
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Verheerender Erdrutsch in Shenzhen
n der südchinesischen Stadt Shenzhen ist am Dienstag das erste Todesopfer aus einer Lawine von Schlamm und Schutt geborgen worden, die einen Industriepark verwüstet hatte.
quelle: ap/ap / andy wong
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20 Jahre nach dem Erdrutsch in Gondo VS
Video: sda
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