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FILE - In this Aug. 4, 2011 file photo, refugees walk amongst huts at a refugee camp in Dadaab, Kenya. Earlier 
in 2017, some Somali refugees whose resettlement in the United States was stopped by President Donald Trump's executive order were sent back to the Dadaab refugee camp in northern Kenya. A federal judge in Hawaii further weakened the already-diluted travel ban in a ruling Thursday, July 13, 2017, by vastly expanding the list of U.S. family relationships that visitors from six Muslim-majority countries, Syria, Sudan, Somalia, Libya, Iran and Yemen, can use to get into the country. (AP Photo/Schalk van Zuydam, File)

Bild: AP/AP

Schlepper stossen Flüchtlinge mit Knüppeln über Bord: Die gefährliche Flucht aus dem Jemen

Tagtäglich bringen skrupellose Schlepperbanden afrikanische Flüchtlinge von der somalischen Küste in den nur 100 Kilometer entfernten Jemen. Was auf der gefährlichen Überfahrt in den überfüllten Holzbooten geschieht, wird nur selten berichtet.

Michael Wrase, Limassol / Nordwestschweiz



Das «Tor der Tränen» nennen die Jemeniten die strategisch bedeutende Meerenge, die den Golf von Aden mit dem Roten Meer verbindet. Der Legende nach sollen dort bei einem schweren Erdbeben Zehntausende von Menschen ertrunken sein. Durch die Naturkatastrophe, heisst es, sei der afrikanische vom asiatischen Kontinent getrennt worden.

Schauplatz entsetzlicher Tragödien ist das «Tor der Tränen» bis heute geblieben. Tagtäglich bringen skrupellose Schlepperbanden afrikanische Flüchtlinge von der somalischen Küste in den nur 100 Kilometer entfernten Jemen. Was auf der gefährlichen Überfahrt in den überfüllten Holzbooten geschieht, wird nur selten berichtet.

Wahllos schlagen die vom Whisky oder der Kaudroge Khat berauschten Kapitäne mit Holzknüppeln auf ihre Schutzbefohlenen ein, wenn diese ihre Anweisungen nicht befolgen oder es – wie zu Beginn dieser Woche – beim Aussteigen an der Küste der jemenitischen Rotmeerprovinz Schabwa zu Verzögerungen kommt.

«Aus Furcht, von Milizen aufgegriffen zu werden, stiessen die Schlepper mehr als 180 Flüchtlinge ins stürmische Meer», teilte gestern die Internationale Organisation für Migration (IOM) unter Berufung auf Augenzeugen mit. Mindestens 55 von ihnen, darunter viele Kinder, ertranken. Weitere 30 werden vermisst. Ihre Überlebenschancen sind gering.

Bereits am Mittwoch hätten Menschenschmuggler 120 Menschen aus ihren Booten ins offene Meer getrieben. 50 seien ertrunken. Es könnte sich um den «Beginn eines neuen Trends» handeln, sagte IOM-Sprecherin Olivia Headon der Nachrichtenagentur Reuters.

Video: srf

Flucht in ein Bürgerkriegsland

Die Schlepperbanden hätten mit ihrem entsetzlichen Verbrechen ihre Boote retten und durch das «Tor der Tränen» zurück nach Somalia fahren können, wo Tausende auf die Überfahrt in den Jemen warteten. Die meisten der Flüchtlinge gehören offenbar der äthiopischen Volksgruppe der Oromo an, gegen die die Regierung in Addis Abeba gnadenlos vorgeht.

In this Tuesday, May 19, 2015 photo, newly-arrived Yemeni refugees wait at the Obock port in northern Djibouti. Many of the refugees arrived with just the few belongings they could carry, mostly on small rickety fishing boats, others on bigger vessels crammed with people, reversing a centuries-old perilous route that has seen countless African migrants take to the seas in the other direction. (AP Photo/Mosa'ab Elshamy)

Eines der Boote, worauf sich zahlreiche Jemeniten auf dem Weg in eine andere Welt machten. (Archivbild)  Bild: AP/AP

Die grösste ethnische Gruppe in dem ostafrikanischen Land ist nach Erkenntnissen von Amnesty International willkürlichen Verhaftungen ausgesetzt. Es gebe Fälle von Folter und aussergerichtlichen Hinrichtungen.

Wie verzweifelt die Oromo sein müssen, zeigt letztlich auch ihre Bereitschaft, in ein Land zu flüchten, in dem seit mehr als zwei Jahren ein brutaler Bürgerkrieg tobt und mehr als 400'000 Menschen von der Cholera infiziert sind.

111'500 afrikanische Flüchtlinge kamen 2016 in den Jemen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahr waren es nach Schätzungen der UNO knapp 60'000. Die Heimatlosen hoffen auf Arbeit in Saudi-Arabien oder den Emiraten am Persischen Golf.

Doch Flüchtlinge aus Bürgerkriegsstaaten sind dort unerwünscht. Das gilt für Syrien und den Irak sowie für Somalia und den Jemen, in dem 80 Prozent der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen ist. Als «Gastarbeiter» werden auf der arabischen Halbinsel vor allem Nicht-Muslime aus Indien, Thailand und Sri Lanka verpflichtet.

Jemeniten gelten als Unruhestifter

Auch die Jemeniten sind auf der Flucht. Sie gelten aber als Unruhestifter, weshalb die meisten Einwohner des ärmsten Land Arabiens lieber in ihrer von arabischen Kampfflugzeugen zerbombten Heimat bleiben als auf der Flucht ins Ungewisse zu sterben. Allerdings ist auch die Leidensfähigkeit der Jemeniten begrenzt. Mehr als 5000 liessen sich 2016 von Menschenschmugglern nach Somaliland und Djibouti bringen.

Eine andere Flüchtlingsroute führt von der jemenitischen Küste über das Rote Meer in den Sudan – und von dort aus auf dem Landweg zur libyschen Mittelmeerküste.

Der Tod lauert auch auf dieser Route: Anfang März hatten saudische «Apache»-Kampfhelikopter am «Tor der Tränen» ein Holzboot mit über 100 afrikanischen Flüchtlingen beschossen und versenkt. Bis zu 50 Menschen kamen bei dem von Menschenrechtsorganisationen als «Kriegsverbrechen» eingestuften Vorfall ums Leben. 80 konnten gerettet werden. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • silverstar 11.08.2017 16:05
    Highlight Highlight Die Migrationsdebatte kann heute nicht mehr geführt werden, ohne die Problematik mit einzubeziehen, das heute Unmengen von Organisationen durch die Migranten Geld verdienen.

    Immer mehr Menschen merken, das mit der Ausrichtung auf Flüchtlinge/Migranten, hier schnell und viel Geld zu machen ist.
    Seien dies nun staatliche Gelder oder Spendengelder.

    Je mehr Leute an diesen Geldtöpfen hängen, um so schwieriger wird es, eine sachliche Debatte zu führen.
  • Frausowieso 11.08.2017 11:23
    Highlight Highlight Ein kleiner Teil der Araber scheffelt Geld wie blöd und wird vom Westen als begehrte Investoren umgarnt. Dabei verdienen sie ihr Geld mit dem elend der Bevölkerung und stürzen die Länder ins Chaos. Genau so in Afrika, wo Warlords mit Rohstoffen Geld verdienen und der Westen will einfach nur die Rohstoffe, egal vom wem. Die Flüchtlingsströhme werden immer weiter zunehmen und der Westen wird sich weiter abschotten (müssen). Ich mag gar nicht daran denken, es wird mir ganz schlecht dabei.
  • Samurai Gra 11.08.2017 11:23
    Highlight Highlight "Der Tod lauert auch auf dieser Route: Anfang März hatten saudische «Apache»-Kampfhelikopter am «Tor der Tränen» ein Holzboot mit über 100 afrikanischen Flüchtlingen beschossen und versenkt. Bis zu 50 Menschen kamen bei dem von Menschenrechtsorganisationen als «Kriegsverbrechen» eingestuften Vorfall ums Leben. 80 konnten gerettet werden"
    Bitte was? 😱
    Wo bleiben die Sanktionen gegen Saudi-Arabien? Ich verlange gleich Harte Sanktionen wie gegen den Iran!
    • Daniel Caduff 11.08.2017 12:52
      Highlight Highlight Das wäre natürlich auch gerechtfertigt. Saudi Arabien ist eine der schlimmsten Diktaturen / Terrorstaaten auf der Welt. Das Werte- und Strafsystem ist vergleichbar mit dem IS!

      Aber Saudi Arabien sitzt halt auch auf den grössten Ölreserven der Welt und kauft jedes Jahr für Milliarden Dollars westliche Güter, inkl. Waffen (Auch die CH exportiert seit kurzem ja wieder Waffen nach SA).

      Wenn SA am Ölpreis schraubt, dann hat das Auswirkungen wie in den 70ern. Deswegen sind Sanktionen gegen SA eher nicht zu erwarten.

      Schönes Beispiel für westliche Doppelmoral.
    • Samurai Gra 11.08.2017 19:19
      Highlight Highlight @Daniel: Dann machen wir uns schleunigst unabhängig vom Öl 🙂
  • Zwerg Zwack 11.08.2017 09:04
    Highlight Highlight Von Somalia nach Jemen, oder vom Regen in die Traufe...
  • Thinktank 11.08.2017 05:57
    Highlight Highlight Wenn die EU oder Russland irgend was tun, was der EU ,UNO oder einer anderen selbsternannten Weltaufsichtsbehörde nicht gefällt, dann werden Massnahmen getroffen. Die unzähligen afrikanischen Terrordiktaturen lässt man gewähren. Wir bezahlen alle dies nutzlosen Organisationen, die dafür zuständig wären, dieses Leid zu beenden. Ich fühl mich nicht zuständig.
    • Makatitom 11.08.2017 08:44
      Highlight Highlight Viel schlimmer, den arabischen Terror-Diktatoren und - Unterstützer verkaufen wir noch Waffen und Überwachungssoftware. Und dann wundert ihr euch, wieso immer mehr mensche
    • öpfeli 11.08.2017 08:50
      Highlight Highlight Da fast jeder so denkt wie du (ich bin nicht zuständig), ändert sich auch nichts.
      Nicht mal die eigene Einstellung.
    • Kyle C. 11.08.2017 11:50
      Highlight Highlight Wir sind alle dafür verantwortlich mit unserem Konsum, mit unserem Wahlverhalten und vielem mehr. Aber das ist natürlich nur ein Teil des Problems. Aber es trägt dazu bei.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Booker 11.08.2017 05:25
    Highlight Highlight So wird aber regelmässig auch selektioniert zwischen "Ungläubigen" und Muslimen, um dann weniger überladen ins Reich der Ungläubigen, nämlich Europa, zu gelangen.
  • Hugo Wottaupott 11.08.2017 04:08
    Highlight Highlight Solang sich in deren Herkunftsländern nichts ändert ändert sich auch nichts an der Gesamtflüchtlingssituation.
  • pachnota 11.08.2017 00:06
    Highlight Highlight Der Westen trägt insofern Mitschuld, dass er die Flüchtlingsboote überhaupt akzeptiert.

    Würde er diese direkt wieder dorthin stellen wo sie herkommen, gäbe es schnell keine Jobs mehr für die Schlepper.

    Aber eben, es geht wieder mal um Selbstbereicherung.
    Nicht nur bei den Schlepperbanden, sondern auch bei unseren westlichen "Helfer".
    • Enzasa 11.08.2017 08:24
      Highlight Highlight Ihre Aussage steht für die Doppelmoral Europas.
      Mauer, Abschotten, zurückschicken unsere kleine Insel der Glückseligkeit muss nur vor den Flüchtlingen geschützt werden.
      Die Augen vor dem Leid verschließen und alle pauschal als Wirtschaftsflüchtlinge deklarieren.
    • Daniel Caduff 11.08.2017 08:25
      Highlight Highlight Sag mal, hast Du den Artikel überhaupt gelesen?

      Die grösste ethnische Gruppe in dem ostafrikanischen Land ist nach Erkenntnissen von Amnesty International willkürlichen Verhaftungen ausgesetzt. Es gebe Fälle von Folter und aussergerichtlichen Hinrichtungen.

      Wie verzweifelt die Oromo sein müssen, zeigt letztlich auch ihre Bereitschaft, in ein Land zu flüchten, in dem seit mehr als zwei Jahren ein brutaler Bürgerkrieg tobt und mehr als 400'000 Menschen von der Cholera infiziert sind."

      Siehe auch Syrien (Balkanroute): Kann man schon sperren, dann stauen sich die Leute halt in der Türkei...
    • Maracuja 11.08.2017 08:45
      Highlight Highlight @pachnota: Der Westen trägt insofern Mitschuld ...

      Was hat der Westen damit zu tun, wenn Afrikaner auf die Arabische Halbinsel flüchten? In dieser Gegend sind gar keine westlichen Hilfsorganisationen aktiv, was im übrigen gut aufzeigt, dass Flüchtling die gefährliche Überfahrt auch wagen, wenn im Notfall mit keiner Hilfe zu rechnen ist (wäre im Mittelmeer nicht anders). Das einzig westliche, das im Artikel erwähnt wird, sind die Helikopter, mit deren Hilfe die Saudis ein Boot mit Flüchtlingen beschossen - Lieferung von Waffen an diesen Unrechtsstaat sollte endlich eingestellt werden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Bijouxly 10.08.2017 23:40
    Highlight Highlight Danke für den informativen Artikel, davon habe ich noch nie etwas gelesen..!

    Kleine grammatikalische Anmerkung: Man kann niemanden "über Boot stossen" sondern entweder "vom Boot" oder "über Bord".
    • Hugo Wottaupott 11.08.2017 13:54
      Highlight Highlight über boot stossten = du und SIE
    • Bijouxly 11.08.2017 18:04
      Highlight Highlight @Hugo
      ?
      "stossten" gibt es auch nicht, sondern "stiessen"

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