«F*** ICE»: Die Grammys werden politisch – die 5 wichtigsten Punkte zur Gala
Bad Bunny und Billie Eilish werden ausgezeichnet und für Anti-ICE-Aussagen gefeiert
Bei den Golden Globes am 11. Januar gaben sich die Hollywood-Stars zahm, beinahe verängstigt, als ob sie auf keinen Fall den Zorn Donald Trumps auf sich ziehen wollten. Praktisch kaum ein Promi wagte sich hinaus auf die Äste und nahm offen Stellung gegen die US-Regierung. Sonst gaben die Stars in der Vergangenheit gerne auch politische Statements ab.
Drei Wochen, eine Eskalation in Minneapolis und etliche weitere Grenzüberschreitungen der Trump-Regierung später sieht es anders aus. Bei den Grammys, der wichtigsten Musik-Preisverleihung, nahmen gleich mehrere Stars ihren Mut zusammen und gaben politisch gefärbte Statements ab.
Deutlich äusserte sich beispielsweise Bad Bunny, der für das beste Album, sein Werk «DeBÍ TiRAR MáS FOToS», ausgezeichnet wurde. Es ist das erste Album komplett auf Spanisch, das diese Auszeichnung bekam. Bevor er Gott danken möchte, so der Puerto Ricaner bei seiner Rede, wolle er etwas anderes loswerden:
«Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Fremden, wir sind Menschen, und wir sind Amerikaner», fuhr er fort. Die Reaktion des Publikums sprach Bände: Bad Bunny erntete frenetischen und andauernden Applaus.
Noch etwas pointierter äusserte sich Billie Eilish, die ebenfalls ausgezeichnet wurde: «Fuck ICE», sagte die 24-Jährige, die sich schon häufiger ablehnend zu Donald Trump und seiner Politik geäussert hatte. Es sei im Moment gerade wirklich hart, die richtigen Worte zu finden, so Eilish bei ihrer Dankesrede. Doch angesichts der Stimmung an der Veranstaltung heute fühle sich «hoffnungsvoll».
Eilish sagte in Anlehnung auf das Vorgehen der Abschiebebehörde ICE und die US-Geschichte auch, dass «niemand illegal ist auf gestohlenem Land». Für diese und ihre weiteren Aussagen erhielt sie viel Applaus.
Eilish und ihr Bruder Finneas O'Connell sind mit «Wildflower» für den Song des Jahres ausgezeichnet worden. Präsentiert wurde die Kategorie von Musikerin Carole King. Diese trug auf der Bühne einen Button mit der Aufschrift «ICE Out». Auch andere Gäste hatten einen solchen Button an ihre Kleidung geheftet, darunter die Musikerinnen Kehlani und Amy Allen.
Moderator Noah stichelt immer wieder gegen Trump und Co.
Auch Moderator Trevor Noah zeigte sich deutlich angriffiger als sein Pendant bei den Golden Globes, Nikki Glaser. Glaser, eigentlich bekannt für ihren bissigen Stil, nahm in ihrer Moderation vor allem Hollywood selbst auf die Schippe, politische Seitenhiebe verteilte sie nicht.
Anders Noah: Der 41-jährige Südafrikaner hat bei seiner sechsten und letzten Moderation der Grammy-Verleihung ein regelrechtes Witze-Feuerwerk gezündet und x-fach auf Donald Trump und dessen umstrittene Politik in seinen Pointen angespielt.
In den USA gebe es ein neues Trinkspiel, witzelte Noah bei der Gala in Los Angeles. «Jedes Mal, wenn man die Nachrichten anschaltet, trinkt man.» Zudem sei «Anxiety» (auf Deutsch «Angst» oder «Sorge») – ein Song der Rapperin Doechii – nun die neue Nationalhymne des Landes.
Auch Neo-Trump-Fan und Rapperin Nicki Minaj bekam ihr Fett weg: Minaj sei nicht bei der Veranstaltung, so Noah. Sie sei im Weissen Haus und unterhalte sich mit dem US-Präsidenten über «wirklich wichtige Dinge» – zum Beispiel darüber, wer den grösseren Hintern habe. Minaj hatte sich zuletzt als grosser Trump-Fan präsentiert. Früher hatte sie sich kritisch gegenüber ihm geäussert.
Im Verlauf der Gala legte Noah nach. «Wenn die Dinge hier weiter schlechter werden, kann ich dann zu dir nach Puerto Rico kommen und da leben?», fragte er den Musiker Bad Bunny. «Ich brauche einen Plan B.» Bad Bunny informierte ihn dann allerdings direkt darüber, dass Puerto Rico zu den USA gehört.
Später erklärte Noah, warum diese sechste Moderation der Gala auch seine letzte sei.
US-Präsident Trump ist einerseits dafür bekannt, viel Fernsehen zu schauen – und hat immer mal wieder angedeutet, dass er sich auch vorstellen könnte, über seine Amtszeitbegrenzung hinaus Präsident zu bleiben. Heute befürchten Kritiker des 79-Jährigen auch, dass dieser die Macht im Land nicht mehr auf demokratischem Weg abzugeben gedenkt.
Nach der Verleihung des Grammys für den besten Song an die Sängerin Billie EIlish sagte Noah, das sei eine Auszeichnung, die jeder wolle – «genau so sehr wie Trump Grönland will. Epsteins Insel ist weg. Er braucht eine neue, um mit Bill Clinton abzuhängen». Im Anschluss machte Noah dann auch gleich deutlich, warum er sich all die scharfen Seitenhiebe trauen könne:
Der Dalai Lama gewinnt einen Preis
Im weitesten Sinne ebenfalls politisch war die Auszeichnung des Dalai Lamas, dem geistlichen Oberhaupt Tibets, das bis heute unter der Repression durch China leidet. Der Dalai Lama, der im Exil lebt, wurde aber tatsächlich für eine künstlerische Leistung prämiert – für seine Erzählstimme. Er setzte sich mit dem Hörbuch «Meditations: The Reflections of His Holiness the Dalai Lama» durch.
Der Dalai Lama selbst war nicht anwesend, um die Auszeichnung in Los Angeles entgegenzunehmen. Stellvertretend tat dies Songwriter und Komponist Rufus Wainwright. Die Kategorie, in der der Dalai Lama gewann, war «Beste Aufnahme für Hörbuch, Erzählung und Storytelling». Er setzte sich unter anderem gegen Ketanji Brown Jackson durch, die Richterin am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten ist. «Zum ersten Mal kann man sich bei einer Grammy-Niederlage an den Obersten Gerichtshof wenden», scherzte Moderator Trevor Noah während der Verleihung.
Justin Bieber tritt in Unterhosen und Socken auf – und Chappell Roan ...
Auch einige nicht-politische Aufreger gab es bei der Show in Los Angeles. Dafür sorgten einerseits Justin Bieber, der so auftrat:
Und andererseits Chappell Roan, die sich in eher ungewöhnlichem Outfit auf dem Roten Teppich zeigte. Ihr transparentes burgunderfarbenes Kleid war nur an zwei Orten befestigt: An Piercings an ihren beiden Nippeln.
Für die Bühne schien ihr dieses Outfit dann aber doch zu gewagt: Sie zog sich zwischen dem Empfang und der Gala nochmals um.
Wer sonst noch ausgezeichnet wurde
Steven Spielberg schaffte bei der diesjährigen Verleihung einen bemerkenswerten Meilenstein: Der 79-Jährige wurde als Produzent für den «Besten Musikfilm» mit «Music for John Williams» ausgezeichnet. Damit ist Spielberg inun ein sogenannter EGOT-Preisträger, also ein Künstler, der alle vier wichtigen US-Unterhaltungspreise gewonnen hat – Emmy, Grammy, Oscar und Tony.
Spielberg wurde nicht alleine für die Musik-Doku ausgezeichnet. Der Preis ging auch an die restlichen Produzenten und Regisseure Laurent Bouzereau. «Music by John Williams» handelt von dem monumentalen Werk des einflussreichen Filmkomponisten.
Olivia Dean den Grammy als beste Nachwuchskünstlerin gewonnen. Die 26-jährige Britin setzte sich in der Kategorie gegen Künstler und Bands wie Leon Thomas, Alex Warren, Lola Young, Addison Rae und Katseye durch. «Danke», sagte die Sängerin mit Tränen in den Augen bei ihrer Dankesrede bei der Gala in Los Angeles. «Ich hätte nie wirklich gedacht, dass ich hier oben sein würde.»
Danach kritisierte auch Dean indirekt die aggressive Verschärfung der US-Einwanderungspolitik durch die Regierung von Präsident Donald Trump. Einer ihrer Grosseltern sei auch Einwanderer gewesen, sagte Dean.
Erstmals in der Geschichte der Grammys ist zudem ein K-Pop-Song mit einem der goldenen Grammophone ausgezeichnet worden. Der Song «Golden» aus dem Netflix-Erfolgsfilm «KPop Demon Hunters» bekam die Ehrung als bester für visuelle Medien geschriebener Song, wie die Veranstalter mitteilten.
Mit Material der Nachrichtenagenturen SDA und DPA.
