DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Kim plant Angriff auf US-Insel Guam – die Nordkorea-Eskalation in fünf Punkten erklärt

Trump droht indirekt mit Krieg, Kim mit Raketenangriffen: Der wohl gefährlichste Konflikt der Welt spitzt sich zu. Wir erklären, warum. 



Was ist passiert? 

Der Schlagabtausch zwischen US-Präsident Trump und Nordkorea-Diktator Kim Jong Un nimmt immer schärfere Töne an. Trump greift schon zur Kriegsrhetorik: Wenn Nordkorea seine Drohungen fortsetze, werde diesen mit «Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat», begegnet. 

Die Reaktion folgte sogleich: Wenige Stunden später kündigte Nordkorea an, dass man einen Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam plane. Wenn Kim die Entscheidung zum Angriff treffe, könne die Attacke mit Mittel- oder Langstreckenraketen «jederzeit» erfolgen. 

Begründet wurde die Drohung Pjöngjangs mit der Mobilisierung des US-Atomwaffenarsenals sowie den jüngsten US-Raketentests und Übungen mit Langstreckenbombern über Südkorea

In einer weiteren Stellungnahme kündigte ein nordkoreanischer Militärsprecher laut KCNA an, auf einen möglichen «Präventivkrieg» der US-Streitkräfte mit einem «totalen Krieg» zu reagieren, der «sämtliche Stützpunkte des Gegners ausrotten wird, auch auf dem US-Festland».

US-Bomber starteten von Guam Richtung Korea. 

Warum die Eskalation? 

Trumps Wutrede kommt nicht von ungefähr. Denn Nordkorea ist offenbar bei der Entwicklung von Atomwaffen viel weiter als bislang gedacht. Wie die Washington Post am Mittwochabend berichtete, verfügt Nordkorea bereits über Mini-Atomsprengköpfe. Laut Geheimdienstinformationen könnten damit Interkontinentalraketen bestückt werden. Zum gleichen Schluss kommt auch die japanische Regierung. 

This July 4, 2017, file photo, distributed by the North Korean government shows what was said to be the launch of a Hwasong-14 intercontinental ballistic missile (ICBM) in North Korea's northwest. Kim Jong Un has something his father and grandfather could only dream of, an intercontinental ballistic missile capable of striking the United States with a nuclear weapon. Independent journalists were not given access to cover the event depicted in this photo. (Korean Central News Agency/Korea News Service via AP, File)

Schon mit Atomwaffen bestückt? Nordkorea testete in den letzten Monaten verschiedene Raketen.  Bild: AP/KCNA via KNS

Das ist für die USA eine ganz andere Bedrohung, als wenn das isolierte Land in einem stillgelegten Bergwerk mit Atombomben experimentiert. Nordkorea hat seit 2006 fünf Atombombentests durchgeführt, den letzten im September 2016. Die Bombe wies die doppelte Sprengkraft jener Bombe auf, welche die USA 1945 über Hiroshima abgeworfen hatten. 

Die UNO hat deshalb kürzlich die Sanktionen gegen Nordkorea massiv verschärft. 

Weshalb will Kim gerade die US-Insel Guam angreifen? 

Guam liegt für Kim sozusagen vor der Haustür. Die eng mit den USA assoziierte Insel liegt ist nur rund 3300 Kilometer von Nordkorea entfernt und damit wohl in Reichweite von Nordkoreas Raketenarsenal. 

In Erwägung gezogen wird demnach ein Angriff mit ballistischen Raketen des Typs Hwasong-12, um die US-Stützpunkte auf Guam und die dort stationierten Bomber in Schach zu halten – schliesslich sei die Insel der potenzielle «Ausgangspunkt für eine Invasion in Nordkorea».

Bild

Die Distanz zwischen Guam und Nordkorea beträgt gut 3300 Kilometer. 

Auf der Insel befinden sich mehrere wichtige Stützpunkte der US-Luftwaffe und der Marine. 2010 beschlossen die USA, die Basen der Streitkräfte für mehrere Milliarden Dollar auszubauen, um die militärische Vormachtsstellung im Pazifik zu halten.  

Kim nimmt die Insel nicht von ungefähr ins Visier. «Ich bin sehr besorgt über diese Drohung», sagte Madeleine Bordallo zu CNN, die Guam im US-Repräsentantenhaus vertritt. 

Die Reaktionen auf Trumps Wutrede

«Feuer und Zorn, wie ihn die Welt noch die gesehen hat»: Die Kriegsrhetorik von Donald Trump löst in den USA Kopfschütteln aus. «Das ist typisch Trump, er übertreibt mal wieder», sagt der republikanische Senator John McCain. Es sei zudem überhaupt nicht klar ob die USA bereits in der Lage wären, Nordkorea anzugreifen. «Grosse Präsidenten drohen nicht, wenn sie noch nicht bereit für einen Angriff sind», so McCain. 

Der demokratische Senator Ben Cardin kritisiert die Wortwahl Trumps: «Solche Äusserungen sind wir uns von Nordkorea gewohnt. Es zeigt einmal mehr, dass Trump nicht fähig ist, solche Krisen zu bewältigen.»

Wie realistisch ist ein Krieg? 

Mit seinen Atomwaffen versucht Kim, die USA von einem Angriff abzuhalten und so das Überleben seines Regimes zu garantieren. Mit einem Präventivschlag gegen die US-Insel Guam würde Nordkorea einen massiven Gegenschlag der USA provozieren. Dies kann kaum im Interesse Kims liegen. Wie Trump ist der nordkoreanische Diktator aber für seine impulsiven Entscheidungen bekannt.

Von dem her ist es nicht völlig ausgeschlossen, dass Nordkorea plötzlich eine Rakete gegen die USA startet.

(amü/sda)

Raketenübung von USA und Südkorea nach Nordkoreas Raketentest

1 / 8
Raketenübung von USA und Südkorea nach Nordkoreas Raketentest
quelle: ap/south korea defense ministry
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch interessieren:

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

China hat erstmals mehr CO2-Emissionen als alle Industrieländer zusammen

Als grösster Kohleverbraucher und bevölkerungsreichstes Land ist China entscheidend für den Kampf gegen die Erderwärmung. Doch seine Emissionen steigen stetig. Pro Kopf führen hingegen weiter die USA.

Chinas jährlicher Ausstoss von Treibhausgasen übersteigt nach einer neuen Studie erstmals die Emissionen aller entwickelten Länder zusammen. In ihrem Vergleich mit den EU-Ländern, den USA und den anderen Mitglieder der Industrieländerorganisation OECD schätzt die US-Denkfabrik Rhodium Group …

Artikel lesen
Link zum Artikel