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In Bachmut gibt es für die russischen Truppen kaum noch was zu holen

BAKHMUT, UKRAINE - FEBRUARY 24 A dog searchs for food amid rubble as Russia-Ukraine war continues in Bakhmut, Ukraine on February 24, 2023. (Photo by Marek M. Berezowski/Anadolu Agency via Getty Image ...
Ein Hund schnuppert in den Trümmern Bachmuts nach Fressen.Bild: Anadolu

In Bachmut gibt es für die russischen Truppen kaum noch was zu holen

Die Schlinge um den Kriegsschauplatz Bachmut zieht sich wortwörtlich zu – russische Truppen kesseln die Stadt zunehmend ein. Doch viel gibt es in Bachmut nicht mehr zu holen. Ein Lagebericht.
01.03.2023, 17:5801.03.2023, 18:27
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Wo stehen die Russen?

Russische Einheiten, allen voran Truppen der Söldnergruppe «Wagner» stehen im Nordwesten, Norden, Osten und Süden der Stadt. Im Osten versuchen die Russen weiterhin, direkt in die Stadt einzubrechen. Laut Meldungen ukrainischer Militärs konnten diese Einbrüche jedoch zurückgeschlagen werden.

In der Mitte: Bachmut. Die Einkesselung droht.
In der Mitte: Bachmut. Die Einkesselung droht.bild: deepstate UA

Im Norden der Stadt haben russische Einheiten in den letzten Tagen den Bahnhof «Stupki» eingenommen und sind weiter nach Westen gestossen. Ziel dieser Aktion ist, die Ukrainer hinter der Stadt abzuschneiden und somit Bachmut einzukesseln.

Auch im Süden drücken die Russen weiter nach Westen und Norden. Die Siedlung Opitne, circa vier Kilometer südlich Bachmuts, wurde im Verlauf des letzten Monats eingenommen. Von dort aus starten die russischen Kräfte immer wieder Versuche, vom Süden her in die Stadt zu gelangen. Mittlerweile stehen die Truppen Putins bereits an den Vororten, wo hart gekämpft wird.

Ein Soldat der Wagner-Truppe erklärte dem russischen Staatssender «RIA Novosti», dass seine Gruppe nur 1740 Meter vor dem Zentrum Bachmuts stehe. Die ukrainischen Truppen hielten ihre Stellungen, seien aber erschöpft und würden sich «gelegentlich» zurückziehen.

Wo stehen die Ukrainer?

Die ukrainischen Truppen halten weiter die Stellung, doch die Lage ist zunehmend düster. Präsident Selenskij sagte, dass Bachmut im Moment wohl die schwierigste Situation sei. Auch Generaloberst Oleksander Sirskij, Kommandant der Verteidigung Bachmuts, teilte dem Nachrichtenportal «Suspilnij» mit, dass die Lage in der Stadt sehr angespannt sei:

«Trotz erheblicher Verluste hat der Feind eine Offensive mit den am besten ausgebildeten Wagner-Sturmtruppen gestartet, um die Verteidigung unserer Truppen zu durchbrechen und die Stadt einzukesseln.»

Im Moment besteht noch eine einzige Strasse aus Bachmut in Richtung Westen. Die andere Hauptstrasse in diese Richtung führt über eine Brücke, die Mitte Februar von russischer Artillerie zerstört wurde. Wegen des Tauwetters und des damit verbundenen Schlammes sind Motorfahrzeuge ohne Raupen an diese eine Strasse gebunden.

Doch damit ist noch nicht genug: Gemäss Berichten von russischen und prowestlichen Milbloggern, stehen die russischen Einheiten nur rund 700 Meter vor der «Strasse der Freiheit». Wird diese eingenommen, haben die Ukrainer keine möglichkeit mehr, die Stadt zu verlassen. Dies ist nicht nur für die Soldaten verheerend, aber auch für die verbleibenden Zivilisten, die noch in der Stadt sind.

Die russischen Truppen stehen im Nordwesten Bachmuts nur knapp 700 Meter von der einzigen Strasse aus der Stadt entfernt.
Die russischen Truppen stehen im Nordwesten Bachmuts nur knapp 700 Meter von der einzigen Strasse aus der Stadt entfernt.bild: deepstate ua

Doch auch diese Strasse steht bereits unter Artilleriefeuer. In einem Video sind brennende Autos und Leichen am Strassenrand zu sehen. Wie lange sie noch befahrbar ist, ist unklar.

Von den ehemals 71'000 Einwohnern leben noch etwa zwei- bis fünftausend Menschen in Bachmut. Darunter sind etwa 80 bis 100 Kinder, wie «Suspilnij» berichtet. Oleksandr Martschenko, stellvertretender Bürgermeister von Bachmut, sagte, dass derzeit eine Evakuation aller Familien mit Kindern im Gang sei. In der russischen Infosphäre gehen Videos von Zivilisten aus dem Raum Bachmut um, die angeblich auf die «Befreiung von den ukrainischen Nazis» gewartet haben.

Wie steht es um die Stadt?

Nach Angaben von Pavlo Kyrylenko, dem Leiter der regionalen Militärverwaltung von Donezk, ist Bakhmut zu 80 Prozent zerstört. Tatsächlich, die Bilder aus der Stadt erinnern an Grosny während des ersten Tschetschenienkriegs. Durch tagelangen Artilleriebeschuss war die Hauptstadt Tschetscheniens damals in Schutt und Asche gelegt worden.

Bachmut steht kurz vor dem selben Schicksal. Häuser sind eingestürzt, Mauern kollabiert, Strassen von Granaten verlöchert. Die Zerstörung ist aber nicht nur dem Artilleriebeschuss zuzuschreiben, sondern auch dem «Normalen» Kampfverhalten. In einem Twitter-Video ist beispielsweise zu sehen, wie ein ukrainischer «BMP-2»-Schützenpanzer Salven in ein Haus schiesst, weil sich darin ein russischer Soldat versteckt.

Ein Video, welches im russischen Sender «RIA Novosti» ausgestrahlt wurde, zeigt, wofür Putin in Bachmut kämpft: Ruinen und Trümmer.

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43 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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JBV
01.03.2023 18:29registriert September 2021
Warum? Warum, Wladimir Wladimirowitsch Putin?
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John Galt
01.03.2023 18:54registriert November 2014
Wenn die Russen in dem Tempo weiter machen, brauchen sie vermutlich 500 Jahre um die Ukraine zu erobern.
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DARTH OLAF
01.03.2023 20:06registriert August 2018
Tschetschenien, Syrien. Die russische Armee fällt über Dörfer, Städte und ganze Landstriche her wie Heuschrecken, bis alles komplett zerstört ist. Putin hat NULL Interesse an intakten Infrastrukturen. Ihm geht es NUR um territoriale Gebietsgewinne. Genau das macht er auch in der Ukraine. Da müssen wir uns nichts vormachen.
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