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Tod in Kreml-Nähe: Auch ein Jahr danach bleiben viele Fragen zum Mord an Putin-Gegner Nemzow unbeantwortet



Kreml-Kritiker Boris Nemzow am 27.2.2015 in Moskau erschossen

Der Politiker Boris Nemzow hat seine Kritik an den Machtstrukturen in Russland mit dem Leben bezahlt. Viele fürchten ein Jahr später, dass die Bluttat an dem Kämpfer für Demokratie und Freiheit am 27. Februar 2015 nie aufgeklärt wird – wie auch Attentate auf andere Putin-Gegner.

Berge von frischen Blumen liegen ein Jahr nach dem Mord an Oppositionsführer Boris Nemzow am Tatort in Moskau. Seit der Todesnacht vom 27. Februar reisst der Strom der Ehrenbezeugungen nicht ab, der Anhänger von Nemzow zur Grossen Moskwa-Brücke zieht.

Auch Zettel mit Nachrichten kleben am Brückenrand, die Aufschriften oft verschmiert vom Regen. «Putin: Mörder», steht auf einem Papier. Die Schuldfrage ist ungeklärt – viele geben aber Präsident Wladimir Putin zumindest eine politische Mitverantwortung.

Für andere führt die Spur zu Ramsan Kadyrow – dem kremltreuen, mit harter Hand regierenden Machthaber von Tschetschenien. Alle fünf Verdächtigen im Fall Nemzow, die derzeit im Gefängnis auf einen Prozess warten, hatten Verbindungen in die Teilrepublik im Nordkaukasus.

Wiederholt hat Kadyrow Oppositionelle wie Nemzow öffentlich als Volksverräter beschimpft. Kadyrow müsse beim Prozess aussagen, fordern viele.

Eine davon ist Nemzows Tochter Schanna. Die 31-Jährige will auch eine internationale Kontrolle der Ermittlungen. «Putin und seine Leute wünschen sich doch, dass man alles vergisst – den Mord an Litwinenko, an Nemzow, an Politkowskaja», sagt die Journalistin und zählt einige getötete Kreml-Kritiker auf. Seit dem Mord lebt sie in Deutschland.

Schüsse in den Rücken mitten in der Stadt

Boris Nemzow ist auf dem Weg vom Roten Platz nach Hause, als ihn mehrere Schüsse in den Rücken treffen – alle tödlich. Die Bluttat löst international Empörung aus. Es ist nicht der erste Mord an einem Putin-Gegner.

Trauerfeier für Boris Nemzow

Aber dass es mit dem Ex-Vize-Regierungschef einen so schillernden Politiker getroffen hat, erschüttert viele auch in der Machtelite. Die Tat in Kreml-Nähe sei eine «Provokation», sagt Putin.

Doch das «System» bleibt hart. Eine Schweigeminute zum Gedenken an ihren Kollegen lehnen die Abgeordneten in der Staatsduma ab. Der zu Arrest verurteilte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny darf nicht zum Begräbnis, und mehreren EU-Politikern wird die Einreise zur Trauerfeier verweigert.

Wegbegleiter Nemzows meinen, Putin trage mit einer «Politik der Einschüchterung» zu Exzessen wie Mord bei. Der Nährboden dafür sei eine von Staatsmedien befeuerte Hetzjagd auf Andersdenkende, sagt etwa der frühere Regierungschef Michail Kasjanow.

Berichterstattung von John Oliver von damals

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YouTube/Rick Somers

Die Kreml-Linie lautet aber wie in vorherigen Fällen: Solche Morde schadeten dem Präsidenten eher als dass sie ihm nützten. «Bei aller Achtung für das Andenken Boris Nemzows – in politischer Hinsicht hat er keine Bedrohung dargestellt», sagt Putins Sprecher Dmitri Peskow kurz nach dem Mord.

Enge frühere Mitarbeiter Nemzows wie Ilja Jaschin räumen ein, dass der charismatische Politiker aus der Schwarzmeerstadt Sotschi es nicht vermocht habe, die Opposition zu einen. Wenige waren aber so erfahren wie der 55-jährige Nemzow.

Recherche zu russischer Einmischung in der Ostukraine

Kurz vor seinem Tod arbeitete Nemzow an seiner wohl heikelsten Recherche: der russischen Beteiligung am Separatistenkrieg in der Ostukraine.

«Putin hat eine wahnsinnig aggressive, für unser Land und viele Bürger todbringende Politik eines Krieges gegen die Ukraine begonnen», sagte der unerschrockene Politiker wenige Stunden vor seiner Ermordung dem regierungskritischen Radiosender Echo Moskwy.

Wegen seiner Kontakte zur prowestlichen neuen Regierung in Kiew zog Nemzow in seiner Heimat zunehmend Hass auf sich. Besonders im extremistischen Lager hatte er viele Feinde. Teile der russischen Boulevardpresse begannen kurz nach der Tat, das Ansehen Nemzows zu beschmutzen. Gerüchte wurden gestreut, der ukrainische Geheimdienst oder ein eifersüchtiger Nebenbuhler könnten hinter dem Mord stecken.

Kasparov zum Tod Nezows

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YouTube/KasparovCom

Dass Nemzow nicht vergessen ist, will die Opposition auch bei einem Marsch am Todestag an diesem Samstag zeigen. Zehntausende sollen dabei Druck auf die Justiz ausüben, endlich nach den Drahtziehern des Mordes zu suchen, sagt Jaschin.

Die Kundgebung soll ein halbes Jahr vor Parlamentswahlen zudem ein machtvolles Zeichen setzen gegen zunehmende Repressionen. Erst vor kurzem hatte Tschetscheniens Machthaber Kadyrow ein Foto mit Kreml-Kritiker Kasjanow im Fadenkreuz veröffentlicht. Für den empörten Oppositionspolitiker ist klar: «Das ist ein Mordaufruf.» (sda/dpa)

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 25.02.2016 02:28
    Highlight Highlight Diese Art von Mordauftrag nennt man 'black ops' oder 'deniable operations' oder 'deniable missions'. Die Killer wissen nicht, wer ihre Auftraggeber sind. Sie killen wegen dem Geld. Die Auftraggeber bleiben im Dunkeln. 'Deniable Operations' gibt es überall auf der Welt. Aber die Leute glauben, das seien Verschwörungstheorien. 'Black ops' werden nie aufgeklärt.

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