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Putins Koch soll in Straflagern Häftlinge als Kämpfer für die Wagner-Truppe rekrutieren

Er gilt als Kopf der Wagner-Söldnertruppe: Der russische Geschäftsmann Jewgeni Prigoschin soll nach Berichten in Straflagern selbst Kämpfer rekrutieren.
08.08.2022, 03:58
Ein Artikel von
t-online

Der als «Putins Koch» bekannte Moskauer Geschäftsmann Jewgeni Prigoschin soll in russischen Straflagern versuchen, Soldaten für die berüchtigte «Wagner»-Kampftruppe anzuwerben. Das berichtet das aus dem Umfeld der russischen «Pussy Riot»-Aktivistinnen entstandene unabhängige Medienprojekt Mediazona.

Jewgeni Prigoschin, Chef der Catering Firma Concorde und mutmasslicher Kopf der Wagner-Söldner-Truppe.
Jewgeni Prigoschin, Chef der Catering Firma Concorde und mutmasslicher Kopf der Wagner-Söldner-Truppe.Bild: keystone

Strafgefangene hätten sich an Mediazona gewandt und von Besuchen eines «kleinen, glatzköpfigen Mannes mit dem Heldenstern Russlands auf der Brust» bezeichneten. Sie hätten ihn als Jewgeni Prigoschin erkannt, einen engen Vertrauten von Präsident Wladimir Putin. Er soll den Häftlingen die Begnadigung und Geld angeboten haben, falls sie sich für einen Einsatz als Söldner an der Front entscheiden.

Catering-Unternehmer mit Kontakten zu Putin

Prigoschin ist ein russischer Unternehmer, der unter anderem ein Restaurant im russischen Parlament betreibt. Er soll dem russischen Präsidenten nahe sein und wird deshalb oft als «Putins Koch» bezeichnet. Immer wieder werden ihm Kontakte zu der Söldner-Truppe «Wagner» nachgesagt. Das britische Verteidigungsministerium bezeichnet ihn als den Kopf der Organisation. Deren vorheriger Führer Dmitri Utkin ist 2017 zum Generaldirektor von Prigoschins Firma «Concord Management & Consulting GmbH» ernannt worden.

Prigoschin und Putin im Jahr 2011.
Prigoschin und Putin im Jahr 2011.Bild: AP/AP

Eine Wagner PMC, wie die Trupp oft genannt wird, existiert offiziell nicht als Unternehmen. Es gibt keinen Eintrag im Handelsregister, keine Steuerbelege und keine Angaben zur inneren Organisation. Westliche Fachleute gehen davon aus, dass die Firma sogar von Jewgeni Prigoschin gegründet wurde. Der schwerreiche Gastronom, der auf westlichen Sanktionslisten steht, bestreitet jegliches Wissen über die «Wagner Gruppe», ebenso wie der Kremlchef selbst. Die Söldner-Truppe wird für schwere Kriegsverbrechen, unter anderem das Massaker im ukrainischen Butscha, verantwortlich gemacht.

Augenzeigenberichte über Auftritt von Prigoschin in Straflager

Im Juli hatte es bereits Berichte gegeben, dass in russischen Strafkolonien Soldaten angeworben werden. In einem Lager bei St. Petersburg wurden nach Bericht der Rechercheplattform «Important Stories» Gefangene als Freiwillige für eine Trip in den Donbass mit den Wagner-Kämpfern rekrutiert. Dies wurde von Verwandten von Sträflingen erzählt, die in den Lagern IK-7 Yablonewka und IK-6 Obukhovo eine Haftstrafe verbüssten. Für sechs Monate Dienst wird dem «Freiwilligen» eine Zahlung von 200'000 Rubel und eine Amnestie versprochen, sollten sie lebend zurückkommen. Das britische Verteidigungsministerium hatte ebenfalls über Versuche berichtet , dass die Söldnertruppe Gefangenen zu gewinnen versuche.

In einem Lager seien die Gefangenen nach Informantenberichten zum Appell gerufen worden, dann seien Männer aus einem Bus gestiegen. Einer habe eine Glatze gehabt und den russischen Heldenstern auf der Brust. «Als er aus den Reihen gefragt wurde, wer er denn sei, antwortete er, googel mal später im Internet. Ich bin mir zu 1'000% sicher, dass es Prigoschin war », erzählte eine Quelle Mediazona .

«Ein Deal mit dem Teufel»

Nach den Recherchen von Mediazona soll Prigoschin aktiv um Kämpfer geworben haben. «Er sagte, dass er die legalisierte, organisierte kriminelle Gruppe Wagner PMC vertrete und befugt sei, uns zur Teilnahme am Krieg einzuladen», schrieb einer der Gefangenen des Straflagerns in der Region Jaroslawl an Mediazona."

«Wir sind keine Streitkräfte, sondern eine paramilitärische Gruppe. Meine Leute gehen in afrikanische Länder und lassen dort in zwei Tagen nichts am Leben, und jetzt vernichten sie auch Feinde in der Ukraine. Eure Entscheidung, in der PMC zu dienen, ist ein Deal mit dem Teufel. Wenn Ihr mit mir hier weggeht, werdet Ihr entweder als freier Mann zurückkehren oder sterben», wird Prigoschin von Gefangenen zitiert.

Angeblich habe die Anwerbung vor allem Mördern und Räuber gegolten, von Drogenstraftätern und Vergewaltigern habe man eher Abstand genommen, heisst es in dem Artikel. Wer in den Krieg ziehen wolle, müssen sich zunächst mehreren Tests unterziehen und würden dann zwei Wochen Training erhalten.

Quellen:

((t-online,wan ))

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quelle: keystone / alejandro zepeda
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42 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Fernrohr
08.08.2022 08:23registriert Januar 2019
Mörder und Räuber! Die richtigen Voraussetzungen für das russische Militär.
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starwalker67
08.08.2022 07:06registriert April 2022
Wenn Ihr mit mir hier weggeht, werdet Ihr entweder als freier Mann zurückkehren oder sterben», wird Prigoschin von Gefangenen zitiert.

Die werden bestimmt so oder so,nicht am Leben bleiben,denn diese Gefangenen könnten ja danach noch iInfos weitergeben,sollten die den Krieg in der Ukraine überleben.
Russland zeigt einmal mehr,dass es ein hoch Krimineller Staat ist und mit Kriminellen macht man keine Geschäfte,ganz im Gegenteil man distanziert sich klar von solchem
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Der-redselige-Schweiger
08.08.2022 08:54registriert Juni 2022
Muss gut um die Truppe stehen wenn man in Gefängnisen Rekruten Anwerben muss.
Zusätzlich, cool 2 Wochen Ausbildung! Klingt nicht sehr lange und Vertrauenserweckend.
Klingt mehr nach: Wir suchen Kanonenfutter.
Hat Jemand Lust? In ca. 3 Wochen Tot zu sein?
So könnte man es auch Formulieren!
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Grossbritannien – oder wie man ein Land nicht regieren sollte
Die britische Premierministerin Liz Truss hat ihr Land innert Wochen an den Rand des finanziellen Zusammenbruchs geführt.

Ja, ich weiss, Schadenfreude ist eine moralisch verwerfliche Gefühlsregung, aber wer kann sich dieses Gefühls erwehren, wenn er beobachtet, was derzeit auf der britischen Insel abgeht? Die Konservativen, die unter dem Hochstapler Boris Johnson vor rund drei Jahren einen Erdrutschsieg eingefahren haben, die versprochen haben, dank des Brexits die ehemalige Weltmacht zu neuer Blüte zu führen und Europa den Mittelfinger gezeigt haben; diese Konservativen liegen gemäss jüngsten Umfragen 33 Prozentpunkte hinter der Labour Partei; und Premierministerin Liz Truss, erst seit ein paar Wochen im Amt, muss bereits befürchten, wieder aus der Downing Street 10 verjagt zu werden. Ein bisschen Schadenfreude ist da angesagt, oder nicht?

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