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Aus dem Weihnachtsmarkt in Wien wurde dieses Jahr nichts – seit Montag, 22. November, gilt eine Ausgangssperre.
Aus dem Weihnachtsmarkt in Wien wurde dieses Jahr nichts – seit Montag, 22. November, gilt eine Ausgangssperre.Bild: keystone

Der Lockdown in Österreich zeigt eindrücklich, wie man Weihnachten rettet

Seit dem 22. November befindet sich Österreich im Lockdown. Am Sonntag endet dieser für Geimpfte und Genesene. Diese Zahlen zeigen eindrücklich, warum sich das Land diesen Öffnungsschritt vor Weihnachten leisten kann.
09.12.2021, 18:3411.12.2021, 20:01
Reto Fehr
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Lea Senn
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Was ist passiert?

Der Lockdown in Österreich endet in der Nacht zum kommenden Sonntag – aber nur für die Geimpften und Genesenen. Das haben Bundesregierung und Länder am Mittwoch beschlossen. Ungeimpfte müssen weiterhin die Ausgangsbeschränkungen beachten.

Die Öffnung werde begleitet von einem «Mindeststandard an Schutzmassnahmen», um einem neuerlichen Anstieg der Corona-Infektionen vorzubeugen, sagte Kanzler Karl Nehammer (ÖVP). Es seien «Öffnungsschritte mit Sicherheitsgurt».

So gelte in Innenräumen eine FFP2-Maskenpflicht. Die Gastronomie müsse eine Sperrstunde von 23 Uhr einhalten. Die Nachtgastronomie und die Après-Ski-Lokale bleiben nach den Worten von Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) weiterhin geschlossen. Den Bundesländern stehe es frei, strengere Auflagen zu erlassen, hiess es. «Wir werden die Massnahmen verschärfen, wenn man sich nicht an die Regeln hält», kündigte Nehammer an. Der Lockdown für Ungeimpfte könne dann sofort enden, wenn genügend Menschen geimpft seien.

Fallzahlen im Sturzflug

Am Tag des Lockdowns für alle (22. November) lag die Inzidenz Österreichs bei 1562 und hatte ihren Peak erreicht. Seither ging es steil runter bis auf 673 – und die Entwicklung geht weiter in diese Richtung.

Am Mittwoch meldete Österreich 5663 positive Tests innert 24 Stunden. Das sind zwar rund 1400 mehr als am Tag zuvor, der Trend zeigt aber weiter nach unten. Die Schweiz hatte im Gegensatz dazu über 12'000 Neuinfektionen am Mittwoch. Wichtiger: Im 7-Tageschnitt «überholte» die Schweiz Österreich am 4. Dezember, seither geht die Schere auf.

Grund für den Rückgang sind die strengeren Massnahmen, die Österreich seit Beginn des Novembers eingeführt hat. Dazu zählt eine 2G-Regel für viele Lebensbereiche. Auch müssen Kunden seither in allen Läden eine FFP2-Maske tragen. Am Arbeitsplatz gilt weiterhin die 3G-Regel.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Am 15. November führte die Regierung eine Ausgangsbeschränkung für alle Personen ein, die weder geimpft noch genesen sind. Am 22. November wurde diese Ausgangsbeschränkung wegen der steigenden Fallzahlen auf alle Personen – also auch Geimpfte und Genesene – ausgeweitet.

Auch wenn die Omikron-Variante in Österreich angekommen ist und für Unsicherheit sorgt, geht das Land den Schritt der Öffnung. Allerdings gehen die verschiedenen Bundesländer unterschiedlich mit den «neuen Freiheiten» um. Mehr dazu unten beim Punkt «Wie es in Österreich weiter geht».

Fürs Erste hat Österreich aber die fünfte Welle mit den bisher höchsten Infektionen gebrochen. Die Schweiz steuert dagegen weiterhin auf Rekordwerten nach oben.

Todesfälle steigen (noch) weiter

Die Todesfälle steigen in Österreich allerdings weiterhin an, wenn auch langsamer als zuvor. Dank den vielen Geimpften blieben sie auch tiefer als in der zweiten und bisher schlimmsten Welle in unserem Nachbarland.

In den letzten Tagen starben in Österreich im Schnitt jeden Tag über 60 Personen an Covid-19. In der Schweiz liegt dieser 7-Tage-Schnitt derzeit bei knapp 20 Todesopfern.

Situation in Spitälern bleibt angespannt

Dass die Fallzahlen landesweit stark rückläufig sind, ist ein gutes Zeichen. Wegen der bekannten Verzögerung werden sich allerdings die Spitäler in den kommenden Tagen vermutlich noch weiter füllen. Allerdings zeichnete sich hier zuletzt eine verlangsamte Zunahme ab. Womöglich wurde der Peak schon erreicht oder ist zumindest nah.

Noch wichtiger ist die Auslastung der Intensivstationen. In Österreich werden – wie auch in der Schweiz – nicht-dringende Operationen wie Knie- oder Hüft-OPs verschoben.

Aktuell sind in Österreich 31 Prozent der IPS-Betten frei. Am 1. Dezember waren es noch 33 Prozent. Auch wenn es hier regionale Unterschiede gibt, so entspannte sich die Lage beispielsweise in Tirol von 14 auf jetzt 18 Prozent freie Betten. Allfällige Notkapazitäten sind hier bereits einberechnet.

In der Schweiz dagegen sind jetzt noch 18 Prozent der Intensivbetten frei, am 1. Dezember waren es noch 23 Prozent. Die Zunahme bei uns betrifft insbesondere Covid-19-Patienten. Und auch bei uns gilt: Es existieren regionale Unterschiede.

Massnahmen sorgten für mehr Erstimpfungen

Die Schweiz erlebte nach der Ankündigung der Zertifikatspflicht für Restaurants und Events einen Run auf Erstimpfungen. Ähnlich erging es Österreich, nachdem die 2G-Regel Anfang November angekündigt wurde. Inzwischen gingen die Anzahl Erstimpfungen wieder etwas zurück. Noch immer lassen sich jedoch mehr Menschen von der Impfung überzeugen als noch im Sommer.

Hoher Booster-Anteil

Zuversichtlich stimmt Österreich die Entwicklungen beim Booster. Europaweit liegt das Land da mit «Geboosterten» 26,6 Prozent der Bevölkerung im vordersten Bereich. Die Schweiz hinkt dagegen mit 9,2 Prozent deutlich hinterher.

Wie es in Österreich weiter geht

Wie erwähnt werden die Massnahmen am 12. Dezember aufgehoben. Allerdings werden in den verschiedenen Bundesländern ab dann verschiedene Massnahmen gelten. Der Flickenteppich ist vorprogrammiert.

So hat die Stadt Wien bereits angekündigt, dass Gastronomie und Hotellerie erst eine Woche später wieder Gäste empfangen dürfen. Die Bundesländer Tirol, Vorarlberg und das Burgenland wollen grossflächig öffnen. «Die vierte Welle ist gebrochen», sagte Tirols Landeschef Günther Platter. Das Bundesland Oberösterreich will bis zum 17. Dezember komplett im Lockdown bleiben. In den Bundesländern Salzburg, Niederösterreich und Steiermark sollen Hotels und Lokale am 17. Dezember öffnen. Ausgerechnet Regionen, welche von der vierten Welle (Tirol, Vorarlberg) noch am stärksten getroffen sind, öffnen am konsequentesten. Andere, wie Wien, gehen vorsichtiger vor – obwohl hier die Inzidenzen am tiefsten sind.

Der Handel kann am 13. Dezember wieder öffnen. Kultureinrichtungen dürfen bis zu 2000 Gäste begrüssen, sofern es zugewiesene Sitzplätze gibt. Sport ist mit 2G-Nachweis möglich.

Wichtig war, dass den Einwohnern gezeigt wurde, dass es sich lohnt, sich an Massnahmen zu halten und das Versprechen der Lockerung dann auch kommt. Die Österreicherinnen und Österreicher trugen den Lockdown nämlich weitgehend gut mit, auch wenn es immer wieder zu (Gross-)Demonstrationen dagegen kam.

Mit der Öffnung können viele Geschäfte auch wenigstens einen Teil des Weihnachtsgeschäfts retten. Allerdings bleibt abzuwarten, wie sich die Weihnachtstage auf die Pandemie-Entwicklung auswirken. Es wird sicher auch zu mehr sozialen Kontakten kommen. Zu hoffen ist, dass bis zu einem allfällig erneuten Anstieg die Spitäler kurz durchatmen können, was bisher (wie oben gesehen) noch nicht der Fall war. Immerhin soll das Gesundheitssystem die aktuellen Neueinweisungen bewältigen können.

Geplant ist in Österreich zudem eine Impfpflicht ab dem 1. Februar 2022 für alle Personen über 14 Jahren. «Zuvor erhalten alle, die nicht geimpft sind, eine Benachrichtigung, in der sie dazu aufgefordert werden. Wer dies bis zu diesem Datum nicht tut, muss eine hohe Geldstrafe zahlen. Aber für mich ist es der letzte Ausweg», sagte Bundeskanzler Alexander Schallenberg. Details zur Impfpflicht werden heute Donnerstag erwartet.

Im Gegensatz zu früheren Ansagen verzichtete die Regierung diesmal auf allzu optimistische Formulierungen, was die nächste Zukunft angeht. «Die Pandemie lässt keine Versprechen zu», sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein.

mit Material der sda

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So sieht das Massentesten in Österreich aus

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So sieht das Massentesten in Österreich aus
quelle: keystone / christian bruna
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